Traumatherapie zwischen Evidenz und Glauben: Körper – Imagination – Wort – Verhalten

5. Göttinger Symposium Traumatherapie am Freitag, den 14. und Samstag, den 15. Juni 2019 im Asklepios Fachklinikum Göttingen

Das Göttinger Symposium Traumatherapie hat bereits eine Tradition als Möglichkeit zur Begegnung von Menschen, die überwiegend klinisch-praktisch mit traumatisierten Menschen arbeiten.

2019 haben wir das Thema
Traumatherapie zwischen Wissen und Glauben: Körper – Imagination – Wort – Verhalten
gewählt. Das lässt Raum für Klinik, Forschung und Praxis.

Schon 1961 hob der Psychiater und Psychotherapeut Jerome Frank in seinem Buch „Die Heiler“ hervor, dass Psychotherapeuten an Mythen glauben, wie etwas entstanden ist und wie ihre Therapie zur Wirkung kommt. Der Entstehungs-Mythos einer PTBS ist unstrittig. Und eigentlich ist auch der Heilungsweg laut S3-Leitlinie unumstritten: In einer Trauma-Exposition zur Trauma-Synthese soll über eine Desensibilisierung erreicht werden, dass Wort, Bild, Affekt und Körper-Sensation als möglicherweise fragmentiertes Erleben wieder zur ganzen Gestalt werden, so dass eine Trauma-Integration ins deklarative narrative Bewusstsein möglich wird. Trotzdem hat jede Trauma-Therapie-Methode ihren Schwerpunkt: auf dem Wort, auf dem Bild, auf dem Verhalten, auf dem Körper. Dabei sind klinische Erfahrung und Evidenz-Basierung oft unterschiedlich. „Das hat sich uns klinisch bewährt“ steht einem „Das ist Evidenz-basiert“ gegenüber. In dieses Spannungsfeld begibt sich unsere Tagung. - Dieses Symposium ist Ulrich Sachsse zum 70. Geburtstag gewidmet.

Auf unsere Einladung zu den Hauptvorträgen haben wir bereits eine Reihe sehr interessanter Zusagen erhalten:

  • Pia Andreatta, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung der Universität Innsbruck referiert zu Wort, Sprache, Sprachbild und Metapher in der Therapie Traumatisierter.
  • Annette Streeck-Fischer, IPU Berlin, gewichtet in ihrem Vortrag die Bedeutung von Trauma-Therapie in der Behandlung Adoleszenter und verdeutlicht die Interaktionen von Entwicklungstrauma-Folgestörungen und PTBS.
  • Ulrich Frommberger, MediClin Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg vermittelt die Erfahrungen mit Medikamenten, mit Evidenz-Basiertem und mit Experimentellem als Aspekt des Körpers in der Traumatherapie.
  • Um den Körper geht es auch im Vortrag von Peter Henningsen, Psychosomatik der TU München: „Trauma und Embodiment: die Bedeutung des Körpers für die Bewältigung traumatischer Erfahrungen“.
  • Der Vortrag von Martin Sack, Psychosomatik der TU München, ist einer weiterhin aktuellen Dauer-Kontroverse der Trauma-Therapie in Deutschland gewidmet: „Stabilisierung und Ressourcenaktivierung versus Konfrontation und Bearbeitung von Vermeidungsverhalten.
  • IRRT als eine der erfolgreichsten Methoden zur Therapie Traumatisierter steht im Mittelpunkt des Vortrages von Mervyn Schmucker, Klinik am Waldschlößchen in Dresden.
  • Ulrich Sachsse, Asklepios Fachklinikum Göttingen, berichtet vom Wandel seiner Identität als Therapeut durch die Arbeit mit Traumatisierten.

Darüber hinaus bieten wir Ihnen auch dieses Mal wieder eine Reihe von praxisorientierten Workshops an, in denen Sie Ihre Kompetenz im Feld „Traumatherapie zwischen Wissen und Glauben:  Körper – Imagination – Wort – Verhalten“ erweitern können.

Bitte beachten Sie die Anmeldeschritte:

  1. Anmeldung nur mit dem Anmeldeformular per Post, per Fax Brief oder als E-Mail-Anhang, nicht telefonisch.
  2. Wir senden Ihnen so schnell wie möglich die Anmeldebestätigung, am schnellsten mit der von Ihnen auf dem Anmeldeformular genannten E-Mail-Adresse. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eintreffens berücksichtigt. Es stehen 150 Plätze zur Verfügung.
  3. In der Anmeldebestätigung nennen wir Ihnen die Kontonummer und das Stichwort, unter dem Sie bitte den Teilnahmebetrag überweisen.
  4. Die Zuteilung der Workshops erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Überweisungen.

Wir können aus Raumgründen die Teilnehmerzahl nicht erhöhen; Sie können deshalb auch nicht spontan anreisen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Willy Herbold-Schaar     Sabine Schinschke     Ibrahim Özkan      Ulrich Sachsse

Informationen zu den Workshops

Workshop 1
Erinnern - Schweigen - Reden.
Vom beredten Schweigen und dem Schattenschlag der Worte

Sabine Schinschke / Jochen-Thomas Werner

Das charakteristische Zeichen des Traumas ist die Sprachlosigkeit. Im Rahmen des Workshops sollen die verschiedenen Facetten der Stummheit aus medizinischer und soziologischer Sicht beleuchtet und zudem aufzeigt werden, wie unter Zuhilfenahme narrativer Verfahren die Unfähigkeit, über belastende Lebensereignisse sprechen zu können, überwunden werden kann.

Zwei Vorträge gehen der Arbeitsphase voraus. Sie führen aus je unterschiedlicher Sicht in die Thematik ein. Zum einen werden die Ursachen des Schweigens aus psychotherapeutischer Sicht thematisiert, zum anderen wird aus soziologischer Sicht das Schweigen selbst – als eine Sonderform menschlicher Kommunikation – ins Blickfeld gerückt.

In der Arbeitsphase werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops in Kleingruppen über schwierige Therapiesituationen im stationären bzw. ambulanten Alltag sprechen und verschiedene Übungen durchführen. Im Anschluss werden die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit vorgestellt.

Es folgt ein Erfahrungsaustausch über den Umgang mit den Problematiken der narrativen Exposition im therapeutischen Setting (schweigen / dissoziieren).

Patientinnen, die darüber berichten, wie sie ihre Sprachlosigkeit haben überwinden können und welche Strategien ihnen dabei halfen, bilden den Schlusspunkt des Workshops.

Workshop 2
Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy IRRT

Mervyn Schmucker / Ines Riedeburg-Tröscher

 

Workshop 3
Multiple Identität als Folge systematischer Gewalt

Doris Holland

 

Workshop 4
Traumasensible Arbeit mit dem Körper nach der Feldenkrais-Methode

Susanne Bleick

Die Feldenkrais-Methode ist ein körperorientiertes Verfahren zum Gestalten von Lernprozessen, durch die persönliche Handlungs- und Bewegungsmuster erkannt und variiert werden können. Das Lernen geschieht in einem individuellen Prozess durch eine Verfeinerung der Eigenwahrnehmung, welche zu mehr Flexibilität auf der Ebene der Bewegungen, der Gedanken und Emotionen führt.

Durch ihren wertungsfreien, vielfach variablen Ansatz hat sich die Feldenkrais-Methode in Zusammenarbeit mit traumatisierten Menschen bewährt. Sie arbeitet prozessorientiert und regt zur Entdeckung der eigenen Ressourcen an. Sie ermöglicht einen Zugang  zum eigenen Körper und den eigenen Wahrnehmungen, der darüber hinaus als stabilisierend und unterstützend erlebt werden kann.

Eine der herausragenden Besonderheiten der Methode ist die Förderung des Vertrauens in die eigenen Wahrnehmungen und damit eine Hinwendung zu größerer Unabhängigkeit und Freiheit. Angelehnt an mein Vorgehen im stationären Kontext werden Sie in diesem überwiegend praktisch ausgerichteten Workshop in kleinen Einheiten an mögliche Vorgehensweisen und Wirkungsweisen der Feldenkrais-Methode herangeführt.

Workshop 5
Organisierte und rituelle Gewalt - Möglichkeiten und Grenzen derzeitiger Behandlungsansätze für Betroffene

Susanne Nick

 

Workshop 6
Stresstoleranz-Skills für Kinder und Erwachsene

Kathrin Nüsse

Inhalt des Workshops ist die theoretische und praktische Einführung in den Umgang mit Hochstress-Skills nach DBT. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Dissoziationsstopp-Techniken und Körper-Skills für Erwachsene und Kinder im stationären und ambulanten Setting.

Workshop 7
Einmal Opfer - immer Opfer!? - Das Phänomen der Reviktimisierung: Erkennen, verstehen und therapeutisch beeinflussen

Julia Campe

Personen, die in ihrer Kindheit interpersonellen Traumatisierungen ausgesetzt waren, haben im Erwachsenenalter ein signifikant erhöhtes Risiko erneut traumatisiert zu werden.

Im Workshop werden wir verschiedene Theorien und Mechanismen, die dem Phänomen der Traumawiederholung zugrunde liegen könnten, kennenlernen und diskutieren. Anhand von Fallvignetten können wir uns über die möglichen theoretischen Ansätze austauschen. Abschließend werden wir über das therapeutische Vorgehen zur Beeinflussung dieses Phänomens sprechen.

Workshop 8
Trauma und Geburt

Luisa Schäfer

Mit einer Schwangerschaft kommen auf die werdenden Eltern neben vielen schönen Momenten auch Herausforderungen zu. So ist eine Geburt immer ein gewaltiges Ereignis, in einigen Fällen wird es jedoch zu einem traumatisierenden. Die betreffenden Frauen erleben die Geburt dann nicht als „freudiges Ereignis“ sondern viel mehr als seelische Erschütterung. Potenzielle Ursachen gibt es dafür viele: die Geburt an sich kann unerwartet oder mit einem starken Kontrollverlust verlaufen, es können Fehl- oder Todgeburten auftreten oder ein früheres Trauma der betroffenen Frau durch Schwangerschaft und Geburt reaktiviert werden. Manche Mütter, die eine solche emotionale Geburtsverletzung erlebt haben, brauchen psychotherapeutische Unterstützung, um das Geburtstrauma verarbeiten zu können. In diesem Workshop sollen dafür geeignete Therapieansätze vorgestellt und diskutiert werden.  

Workshop 9
Systemische Psychotherapie in der Behandlung von Komplexer PTBS

Rebecca Jacob

 

Workshop 10
Mannmannmann, das innere Kind... - Besonderheiten und Herausforderungen bei der Innere-Kind-Arbeit mit Männern

Stephanie Müller / Claudia Bittner

 

Workshop 11
Wie vermeide ich eine Sekundäre Traumatisierung?

Judith Daniels

 

Workshop 12
Hypnotherapeutische Elemente in der Traumatherapie

Francesca Scarpinato-Hirt

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