Traumatherapie zwischen Evidenz und Glauben: Körper – Imagination – Wort – Verhalten

5. Göttinger Symposium Traumatherapie am Freitag, den 14. und Samstag, den 15. Juni 2019 im Asklepios Fachklinikum Göttingen

Das Göttinger Symposium Traumatherapie hat bereits eine Tradition als Möglichkeit zur Begegnung von Menschen, die überwiegend klinisch-praktisch mit traumatisierten Menschen arbeiten.

2019 haben wir das Thema
Traumatherapie zwischen Wissen und Glauben: Körper – Imagination – Wort – Verhalten
gewählt. Das lässt Raum für Klinik, Forschung und Praxis.

Schon 1961 hob der Psychiater und Psychotherapeut Jerome Frank in seinem Buch „Die Heiler“ hervor, dass Psychotherapeuten an Mythen glauben, wie etwas entstanden ist und wie ihre Therapie zur Wirkung kommt. Der Entstehungs-Mythos einer PTBS ist unstrittig. Und eigentlich ist auch der Heilungsweg laut S3-Leitlinie unumstritten: In einer Trauma-Exposition zur Trauma-Synthese soll über eine Desensibilisierung erreicht werden, dass Wort, Bild, Affekt und Körper-Sensation als möglicherweise fragmentiertes Erleben wieder zur ganzen Gestalt werden, so dass eine Trauma-Integration ins deklarative narrative Bewusstsein möglich wird. Trotzdem hat jede Trauma-Therapie-Methode ihren Schwerpunkt: auf dem Wort, auf dem Bild, auf dem Verhalten, auf dem Körper. Dabei sind klinische Erfahrung und Evidenz-Basierung oft unterschiedlich. „Das hat sich uns klinisch bewährt“ steht einem „Das ist Evidenz-basiert“ gegenüber. In dieses Spannungsfeld begibt sich unsere Tagung. - Dieses Symposium ist Ulrich Sachsse zum 70. Geburtstag gewidmet.

Auf unsere Einladung zu den Hauptvorträgen haben wir bereits eine Reihe sehr interessanter Zusagen erhalten:

  • Pia Andreatta, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung der Universität Innsbruck referiert zu Wort, Sprache, Sprachbild und Metapher in der Therapie Traumatisierter.
  • Annette Streeck-Fischer, IPU Berlin, gewichtet in ihrem Vortrag die Bedeutung von Trauma-Therapie in der Behandlung Adoleszenter und verdeutlicht die Interaktionen von Entwicklungstrauma-Folgestörungen und PTBS.
  • Ulrich Frommberger, MediClin Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg vermittelt die Erfahrungen mit Medikamenten, mit Evidenz-Basiertem und mit Experimentellem als Aspekt des Körpers in der Traumatherapie.
  • Um den Körper geht es auch im Vortrag von Peter Henningsen, Psychosomatik der TU München: „Trauma und Embodiment: die Bedeutung des Körpers für die Bewältigung traumatischer Erfahrungen“.
  • Der Vortrag von Martin Sack, Psychosomatik der TU München, ist einer weiterhin aktuellen Dauer-Kontroverse der Trauma-Therapie in Deutschland gewidmet: „Stabilisierung und Ressourcenaktivierung versus Konfrontation und Bearbeitung von Vermeidungsverhalten.
  • IRRT als eine der erfolgreichsten Methoden zur Therapie Traumatisierter steht im Mittelpunkt des Vortrages von Mervyn Schmucker, Klinik am Waldschlößchen in Dresden.
  • Ulrich Sachsse, Asklepios Fachklinikum Göttingen, berichtet vom Wandel seiner Identität als Therapeut durch die Arbeit mit Traumatisierten.

Darüber hinaus bieten wir Ihnen auch dieses Mal wieder eine Reihe von praxisorientierten Workshops an, in denen Sie Ihre Kompetenz im Feld „Traumatherapie zwischen Wissen und Glauben:  Körper – Imagination – Wort – Verhalten“ erweitern können.

Bitte beachten Sie die Anmeldeschritte:

  1. Anmeldung nur mit dem Anmeldeformular per Post, per Fax Brief oder als E-Mail-Anhang, nicht telefonisch.
  2. Wir senden Ihnen so schnell wie möglich die Anmeldebestätigung, am schnellsten mit der von Ihnen auf dem Anmeldeformular genannten E-Mail-Adresse. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eintreffens berücksichtigt. Es stehen 150 Plätze zur Verfügung.
  3. In der Anmeldebestätigung nennen wir Ihnen die Kontonummer und das Stichwort, unter dem Sie bitte den Teilnahmebetrag überweisen.
  4. Die Zuteilung der Workshops erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Überweisungen.

Wir können aus Raumgründen die Teilnehmerzahl nicht erhöhen; Sie können deshalb auch nicht spontan anreisen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Willy Herbold-Schaar     Sabine Schinschke     Ibrahim Özkan      Ulrich Sachsse

Informationen zu den Workshops

Workshop 1
Erinnern - Schweigen - Reden.
Vom beredten Schweigen und dem Schattenschlag der Worte

Sabine Schinschke / Jochen-Thomas Werner

Das charakteristische Zeichen des Traumas ist die Sprachlosigkeit. Im Rahmen des Workshops sollen die verschiedenen Facetten der Stummheit aus medizinischer und soziologischer Sicht beleuchtet und zudem aufzeigt werden, wie unter Zuhilfenahme narrativer Verfahren die Unfähigkeit, über belastende Lebensereignisse sprechen zu können, überwunden werden kann.

Zwei Vorträge gehen der Arbeitsphase voraus. Sie führen aus je unterschiedlicher Sicht in die Thematik ein. Zum einen werden die Ursachen des Schweigens aus psychotherapeutischer Sicht thematisiert, zum anderen wird aus soziologischer Sicht das Schweigen selbst – als eine Sonderform menschlicher Kommunikation – ins Blickfeld gerückt.

In der Arbeitsphase werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops in Kleingruppen über schwierige Therapiesituationen im stationären bzw. ambulanten Alltag sprechen und verschiedene Übungen durchführen. Im Anschluss werden die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit vorgestellt.

Es folgt ein Erfahrungsaustausch über den Umgang mit den Problematiken der narrativen Exposition im therapeutischen Setting (schweigen / dissoziieren).

Patientinnen, die darüber berichten, wie sie ihre Sprachlosigkeit haben überwinden können und welche Strategien ihnen dabei halfen, bilden den Schlusspunkt des Workshops.

Workshop 2
Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy IRRT

Mervyn Schmucker / Ines Riedeburg-Tröscher

IRRT ist eine Therapiemethode zur Behandlung von Traumafolgestörungen (PTBS) und anderer belastungsinduzierter psychischer Störungen. Visuelle und verbale Interventionen werden kombiniert, um Zugang zu belastenden traumabezogenen inneren Bildern zu gewinnen, diese zu konfrontieren, zu transformieren und emotional zu bewältigen. Die Hauptaspekte der Behandlung sind die Arbeit in der Imagination, die sokratische Haltung des Therapeuten und die Arbeit mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen als Protagonisten auf der inneren Bühne. Eine IRRT-Sitzung verläuft in der Regel in drei Phasen: Phase 1 – das Wiedererleben in sensu belastender Bilder und assoziierten Emotionen des Traumas, Phase 2 – die Konfrontation und Entmachtung des Täters durch das aktuelle Ich des Patienten, Phase 3 – die Entwicklung von Bildern der Beruhigung, Tröstung und Versöhnung zwischen aktuellem Ich und traumatisiertem Ich bzw. dem traumatisierten Kind.

Im Workshop werden die einzelnen therapeutischen Schritte der 3 IRRT Phasen vorgestellt und demonstriert, mit denen der Heilungsprozess im Nacherleben schmerzhafter traumatischer Erinnerungen und der Entwicklung neuer Bewältigungs-Skripts angeregt und begleitet werden kann. Videodemonstrationen und Fallbeispiele verdeutlichen die Umsetzung der IRRT in der Praxis. IRRT und ihre Hintergründe sowie empirische Erkenntnisse werden vorgestellt.

Literatur

  • Schmucker, M., Köster, R. (2019). Praxishandbuch IRRT: Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy bei Traumafolgestörungen, Angst, Depression und Trauer (4.Aufl.). Klett-Cotta, Stuttgart.
  • Schmucker, M., & Köster, R. (2019). ”… und wie reagiert das Kind?” Diagnostik und Heilung durch Innere-Kind- Arbeit in der IRRT. Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy. Klett-Cotta, Stuttgart.
  • Schmucker, M., Riedeburg-Tröscher, I. (2019). Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT) bei Traumafolgestörungen. In: Rießbeck, H., Müller, G., (Hrsg.). Traumakonfrontation – Traumaintegration. Methoden im Vergleich. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Köster, R., Schmucker, M. (2016). IRRT zur Behandlung anhaltender Trauer. Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy in der Praxis. Klett-Cotta, Stuttgart.
  • Schmucker, M., & Köster, R. (2014). Den Selbsthass überwinden: Versöhnung mit dem Kind-Ich. In: Dyer, A., Priebe, K. (Hrsg.). Metaphern, Geschichten und Symbole in der Therapie Traumatisierter. Göttingen: Hogrefe

Workshop 3
Multiple Identität als Folge systematischer Gewalt

Doris Holland

Wer mittels organisierter ritueller Gewalt, insbesondere seit Lebensbeginn oder früher Kindheit, gefoltert und ausgebeutet wird oder wurde, trägt meist die Besonderheit mit sich, „viele“ zu sein, also multipel und hoch dissoziativ. Strukturelle Dissoziation bedeutet eine Aufteilung der Persönlichkeit unter hohem traumatischem Stress und dient als psychophysiologischer Schutzmechanismus dem seelischen Überleben. Außerdem werden durch organisierte Gewalt dissoziative Prozesse und Persönlichkeitsanteile durch die Täter gezielt und systematisch für kriminelle Zwecke produziert, „trainiert“ und konditioniert („programmiert“).

Was für Traumatisierungen und Trainings müssen Betroffene über sich ergehen lassen? Welche typischen Symptome zeigen demnach die Überlebenden in Kombination mit der inneren Multiplizität? Wie sieht eine  typische Psychodynamik und ein typisches Binnensystem Betroffener aus? Wie versklaven die Täter ihre Opfer, und wieso ist der innere und äußere Ausstieg so schwer, wie kann er  gelingen?

Dieser Workshop soll dazu dienen, uns hinsichtlich dieser Fragen auszutauschen. Theoretische Vermittlung wird mit praktischen Beispielen untermauert.

Workshop 4
Traumasensible Arbeit mit dem Körper nach der Feldenkrais-Methode

Susanne Bleick

Die Feldenkrais-Methode ist ein körperorientiertes Verfahren zum Gestalten von Lernprozessen, durch die persönliche Handlungs- und Bewegungsmuster erkannt und variiert werden können. Das Lernen geschieht in einem individuellen Prozess durch eine Verfeinerung der Eigenwahrnehmung, welche zu mehr Flexibilität auf der Ebene der Bewegungen, der Gedanken und Emotionen führt.

Durch ihren wertungsfreien, vielfach variablen Ansatz hat sich die Feldenkrais-Methode in Zusammenarbeit mit traumatisierten Menschen bewährt. Sie arbeitet prozessorientiert und regt zur Entdeckung der eigenen Ressourcen an. Sie ermöglicht einen Zugang  zum eigenen Körper und den eigenen Wahrnehmungen, der darüber hinaus als stabilisierend und unterstützend erlebt werden kann.

Eine der herausragenden Besonderheiten der Methode ist die Förderung des Vertrauens in die eigenen Wahrnehmungen und damit eine Hinwendung zu größerer Unabhängigkeit und Freiheit. Angelehnt an mein Vorgehen im stationären Kontext werden Sie in diesem überwiegend praktisch ausgerichteten Workshop in kleinen Einheiten an mögliche Vorgehensweisen und Wirkungsweisen der Feldenkrais-Methode herangeführt.

Workshop 5
Organisierte und rituelle Gewalt - Möglichkeiten und Grenzen derzeitiger Behandlungsansätze für Betroffene

Susanne Nick

Die Existenz Organisierter und Ritueller Gewalt (ORG) ist wissenschaftlich, traumatherapeutisch und gesellschaftlich immernoch wenig anerkannt. Zur Behandlung der Folgen dieser Gewaltform gibt es daher wenig Fachliteratur und Fortbildungen, und auch zur  Wirksamkeit der Therapie finden sich  kaum empirische Daten.

Gleichwohl suchen Betroffene seit mehr als 30 Jahren in der Regelversorgung Unterstützung nach Erfahrungen von ORG, deren häufige Folgen komplexe posttraumatische und dissoziative Störungen, vor allem die Dissoziative Identitätsstörung sind. Aufgrund der eingangs skizzierten Situation gilt die Arbeit mit Betroffenen bis heute oft als  traumatherapeutische Pionierarbeit. Ungeklärt bleibt dabei auch, wie spezifisch die Behandlungsansätze und das Wissen um ORG sein sollten und wie eine Integration in etablierte traumatherapeutische Ansätze erfolgen kann.

In diesem Workshop  werden – neben  Ergebnissen zweier Studien  – verschiedene Behandlungsansätze zu ORG vorgestellt. Fachlich gibt es gerade zur Traumatherapie nach diesen Gewalterfahrungen selten Möglichkeiten des Austauschs und die Metaebene geht aufgrund von erschreckenden Details und Herausforderungen besonders schnell verloren. Daher wird es darum gehen, Behandlungsmöglichkeiten zu verstehen, zu reflektieren und zu diskutieren und sich gemeinsam einigen der zahlreichen Fragen zum Themenkomplex ORG zu widmen.

Workshop 6
Stresstoleranz-Skills für Kinder und Erwachsene

Kathrin Nüsse

Inhalt des Workshops ist die theoretische und praktische Einführung in den Umgang mit Hochstress-Skills nach DBT. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Dissoziationsstopp-Techniken und Körper-Skills für Erwachsene und Kinder im stationären und ambulanten Setting.

Workshop 7
Einmal Opfer - immer Opfer!? - Das Phänomen der Reviktimisierung: Erkennen, verstehen und therapeutisch beeinflussen

Julia Campe

Personen, die in ihrer Kindheit interpersonellen Traumatisierungen ausgesetzt waren, haben im Erwachsenenalter ein signifikant erhöhtes Risiko erneut traumatisiert zu werden.

Im Workshop werden wir verschiedene Theorien und Mechanismen, die dem Phänomen der Traumawiederholung zugrunde liegen könnten, kennenlernen und diskutieren. Anhand von Fallvignetten können wir uns über die möglichen theoretischen Ansätze austauschen. Abschließend werden wir über das therapeutische Vorgehen zur Beeinflussung dieses Phänomens sprechen.

Workshop 8
Trauma und Geburt

Luisa Schäfer

Mit einer Schwangerschaft kommen auf die werdenden Eltern neben vielen schönen Momenten auch Herausforderungen zu. So ist eine Geburt immer ein gewaltiges Ereignis, in einigen Fällen wird es jedoch zu einem traumatisierenden. Die betreffenden Frauen erleben die Geburt dann nicht als „freudiges Ereignis“ sondern viel mehr als seelische Erschütterung. Potenzielle Ursachen gibt es dafür viele: die Geburt an sich kann unerwartet oder mit einem starken Kontrollverlust verlaufen, es können Fehl- oder Todgeburten auftreten oder ein früheres Trauma der betroffenen Frau durch Schwangerschaft und Geburt reaktiviert werden. Manche Mütter, die eine solche emotionale Geburtsverletzung erlebt haben, brauchen psychotherapeutische Unterstützung, um das Geburtstrauma verarbeiten zu können. In diesem Workshop sollen dafür geeignete Therapieansätze vorgestellt und diskutiert werden.  

Workshop 9
Systemische Psychotherapie in der Behandlung von Komplexer PTBS

Rebecca Jacob

Die Systemische Therapie ist nicht nur seit November 2018 nun auch offiziell Richtlinienverfahren in Deutschland, sondern auch in der Traumatherapie schon länger eine wichtige Perspektive, um die Heilung nicht nur der einzelnen, direkt Betroffenen sondern auch ihr gesamtes Familiensystem zu unterstützen. So betrifft eine Traumatisierung nicht nur den Traumatisierten selbst, sondern auch das System in dem diese/r lebt.

Wie wirkt sich ein systemischer Blick auf die Arbeit mit Betroffenen aus? Was hat das System mit der Aufrechterhaltung der Symptome zu tun? Und was nützt vielleicht ein transgenerationaler Blick auf die Therapie?

Im Workshop wird die klassische Traumatherapie verbunden mit erfolgreichen Methoden sowie Perspektiven der systemischen Therapie. Es soll ein systemischer Blick auf die Arbeit mit den Patienten gegeben werden. Dabei werden verschiedene, praxisbezogene Methoden vorgestellt, diskutiert und ausprobiert.

Workshop 10
Mannmannmann, das innere Kind... - Besonderheiten und Herausforderungen bei der Innere-Kind-Arbeit mit Männern

Stephanie Müller / Claudia Bittner

Förderung der Kompetenzen in der Anwendung des Behandlungsmodells bei verschiedenen Patientengruppen

Bei Patienten mit frühkindlichen Traumatisierungen ist neben den typischen PTBS Kernsymptomen oft eine eher komplexe Symptomkonstellation festzustellen – u.a. ist bei vielen die Fähigkeit zur Selbstfürsorge massiv eingeschränkt. Die therapeutische Arbeit mit dem inneren Kind stellt daher für dieses Patientenklientel eine wesentliche Methode im Rahmen der Stabilisierung bei geplanten Traumaexpositionen zu den Kindheitstraumata dar.

Der Workshop beginnt zunächst mit einer Übersicht über die Definition, dem geschichtlichen Rückblick über erste Benennungen des Konzeptes in therapeutischen Verfahren sowie den Zielsetzungen des Modells.

Die Teilnehmer werden angeregt, sich auszutauschen, wie dieses Behandlungsmodell ambulant bzw. stationär in die Praxis ihres Psychotherapieverfahrens passt und/ oder bereits Verwendung findet.

Seit 1997 findet das Konzept der inneren Kind Arbeit in Göttingen Anwendung – seit 2001 integrativ mit an der dialektisch behavioralen Therapie orientierten Behandlungsstrategien. Ein weiterer Schwerpunkt wird daher in der praktischen Erprobung von Übungen liegen, die den Patienten den Zugang zu dieser Form von Selbstbegegnung erleichtern und auf unserer Spezialstation für traumazentrierte Psychotherapie regelmäßig in Einzeltherapie wie auch im stationären Gruppentraining Anwendung finden.

Zwei Erwachsene – die Therapeutin und die Patientin kümmern sich um ein geschädigtes Inneres Kind, um eine korrigierende Erfahrung zu ermöglichen – Sachsse (2004) formuliert das Vorgehen daher auch als „Mütterberatung für Mütter mit schwierigen inneren Kindern“ – doch wie sieht es mit den „Vätern“ aus? Können Männer lernen sich selbst besser zu bemuttern als sie bemuttert wurden? Welche Besonderheiten oder Herausforderungen ergeben sich in der therapeutischen Arbeit mit früh traumatisierten Männern? Diese Fragen sollen im Speziellen Austausch erfahren.

Nach Möglichkeit wird auch ein männlicher Patient seine eigenen Therapieerfahrungen mit diesem Modell der Selbstfürsorge, empfundene Hürden und bewältigte Meilensteine bezüglich der inneren Annäherung vorstellen.

Workshop 11
Wie vermeide ich eine Sekundäre Traumatisierung?

Judith Daniels

Bei der Sekundären Traumatisierung handelt es sich um das Auftreten trauma-typischer Symptome bei den BehandlerInnen. In den letzten Jahren wurden einige interessante Studien veröffentlicht, welche die Risikofaktoren für die Entwicklung einer Sekundären Traumatisierung untersuchten. In diesem Workshop soll zum einen der aktuelle Stand des Wissens vorgestellt werden. Zum anderen sollen anhand kleiner Übungen ersten Ansatzpunkte identifiziert werden, um das eigene Risiko für die Entwicklung einer Sekundären Traumatisierung zu identifizieren und Präventionsstrategien zu entwickeln.

Workshop 12
Hypnotherapeutische Elemente in der Traumatherapie

Francesca Scarpinato-Hirt

Hypnose ist seit längerem als hocheffektive psychotherapeutische Behandlungsmethode anerkannt (Phillips, M., Frederick, C., 2007, Revenstorf 2006). Hypnose induziert einen Trancezustand, der durch einen eingeengten Wahrnehmungsfokus auf das Innere charakterisiert ist. Dabei wird eine „Alternative Wirklichkeit“ (Peter, 2018) konstruiert, in der therapeutischen Veränderungen stattfinden können, in der Hoffnung, dass diese Veränderungen dann im realen Leben implementiert werden können. Weiterhin wurde in der modernen Hypnotherapie nach M. Erickson eine Instanz (das Unbewusste, auch „therapeutisches Terzium“ genannt) (Peter, 2018) eingeführt, die unabhängig von der willkürlichen Kontrolle des Patienten handelt. Ihr werden auch Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, welche dem Patienten, mindestens am Anfang der Behandlung nicht zur Verfügung stehen, zugeschrieben. In den letzten Jahren hat die Anwendung der Hypnotherapie in der Traumabehandlung immer mehr Resonanz gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe (Peter, 2018). Z. B. haben neurobiologische Forschungen gezeigt, dass bei Traumafolgestörungen die Regulation der HPA-Achse massiv gestört ist (Lüdecke et al, 2010). Demzufolge stellt die traumazentrierte Psychotherapie die Verminderung der Stressvulnerabilität in den Mittelpunkt der Behandlung. Hypnose ist ein Verfahren, das eine Reduzierung der Stresshormone bewirken kann (Revenstorf, D., & Peter, B. , 2001) und insgesamt eine entspannende Wirkung auf körperliche und psychische Prozesse hat. Weiterhin ist in der Traumabehandlung der Fokus auf Ressourcen eine der wichtigsten Bestandteile. Dabei wird z. B. die Selbstwirksamkeit erhöht, die Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation sowie auch zur Selbstfürsorge verbessert, was insgesamt eine positive Wirkung auf die Symptomatik der Traumastörung hat. Hier zeigt sich Hypnotherapie mit ihrer vielfältigen Interventionsmöglichkeiten als unschätzbar (Wilhelm Gößling, 2018).

In diesem Workshop werden die Teilnehmer zunächst einen kurzen Überblick in die klinische Hypnose nach Milton Erickson erhalten. Darüber hinaus wird genauer auf die Gründe eingegangen, warum eine traumazentrierte Behandlung von Hypnotherapie und/oder hypnotherapeutischen Elementen profitieren kann. Danach wird der Schwerpunkt auf die Vermittlung ressourcenorientierter hypnotherapeutischer Techniken gelegt, die ohne eine formale Tranceinduktion durchführbar sind. Praxisorientierte Übungen und Demonstrationen werden den Workshop begleiten und die Inhalte verdeutlichen.

 Literatur:

1) Bongartz, W., & Bongartz, B. (1998). Hypnosetherapie. Göttingen: Hogrefe; 2) Lüdecke, C., Sachsse, U., & Faure, H. (2010) „Sucht – Bindung- Trauma“. Stuttgart: Schattauer;
3) Phillips, M., Frederick, C. (2007). Handbuch der Hypnotherapie bei posttraumatischen und dissotiativen Störungen. Heidelberg: Carl Auer;
4) Wilhelm Gößling C. (2018). Traumafolgen überwinden – Methode effektiver Traumatherapie. Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie, Band 13(2), S. 7-36;
5) Peter B. (2018). Hypnotherapie bei Posttraumatische Belastungsstörungen – Typ 1. Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie, Band 13(2), S. 57-80
6) Revenstorf, D., & Peter, B. (2001). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis. Heidelberg: Springer; 7) Revenstorf, D. (2006). Expertise zur Beurteilung der wissenschaftlichen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Hypnotherapie entsprechend den Kriterien des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie. Hypnose-ZHH, 1(1+2), 7-164.

Seite teilen: