KULTUR DER DISSOZIATION

4. Göttinger Symposium Traumatherapie am Freitag, den 15. und Samstag, den 16. Juni 2018 im Asklepios Fachklinikum Göttingen

Das Göttinger Symposium Traumatherapie hat bereits eine Tradition als Möglichkeit zur Begegnung von Menschen, die überwiegend klinisch-praktisch mit traumatisierten Menschen arbeiten.

2018 widmen wir uns dem Thema KULTUR DER DISSOZIATION.

Das Thema ist erneut bewusst vielschichtig gewählt. Neben den klinischen Facetten und unterschiedlichen Behandlungsansätzen dissoziativer Störungen  möchten wir uns auch mit dem gesellschaftlichen Phänomen einer Kultur der Dissoziation auseinandersetzen, denn wir Kliniker wissen, wie prägend diese sein kann für Individuen, die in ihr leben oder gar heranwachsen (müssen).

  • Svenja Goltermann, Historisches Seminar der Universität Zürich eröffnet das Symposium mit dem Vortrag „Opfer. Über Wahrnehmungsverschiebungen von Gewalt und Leiden in der Moderne“. Warum und wie hat sich die Wahrnehmung von Leiden und von Opferzuschreibungen in den letzten Jahrzehnten verschoben?.
  • Harald Freyberger, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am HELIOS Hanseklinikum Stralsund verfolgt „Spuren. Zu den gesundheitlichen Folgen von Kriegstraumatisierungen und politischer Verfolgung in den beiden deutschen Diktaturen“. Die Auseinandersetzung mit der Nationalsozialistischen Diktatur überlagert und verbirgt oft die Auseinandersetzung mit der Kommunistischen Diktatur und ihren Schädigungen in Deutschland.
  • Peer Briken, Institut für Sexualforschung & Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vermittelt ganz aktuelle Entwicklungen zum Thema Rituelle Gewalt – Ergebnisse aus der Arbeit der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“.
  • Ulrich Egle, Klinik Kilchberg in Zürich verdeutlicht, "Wie das Gehirn aus Stress Schmerz macht - Konsequenzen für eine erfolgreiche psycho-somatische Therapie." Passt die Stressinduzierte Hyperalgesie (SIH) als Folge von emotionaler Deprivation und psychischer Traumatisierung in der Kindheit zum Leitthema Dissoziation?
  • Judith Daniels, Clinical Psychology and Experimental Psychopathology, University of Groningen wird sich mit ihrem praxis-orientierten Vortrag “Neurobiologie der Dissoziation“ dem Thema aus naturwissenschaftlicher Perspektive widmen.
  • Hans Markowitsch, Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld, vertieft diese Perspektive mit dem Thema „Dissoziation, Amnesie und episodisches Gedächtnis“. Die Störung, vielleicht gelegentlich sogar Zerstörung des episodischen Gedächtnisses durch dissoziative Prozesse ist eines der zentralen Problemfelder für Forschung und Therapie der Dissoziation.
  • Ursula Gast, in eigener Praxis in Mittelangeln, vermittelt ihre langjährige Erfahrung und Expertise in der Behandlung dissoziativer Störungen im Vortrag: „Anerkennen und Überwinden: Therapie der Dissoziation“. In der Therapie dissoziativer Störungen ist es in den letzten Jahren zu einer erheblichen Entwicklung gekommen.
  • Ibrahim Özkan, Psychologe am Asklepios Fachklinikum Göttingen, rundet das Symposium ab: Dissoziation ≠ Dissoziation. Dissoziative Phänomene im transkulturellen Kontext“. Die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen und ihren oft ganz anderen dissoziativen Symptombildungen relativiert und bereichert unsere Perspektiven auf diese Symptomatik in unserem Kulturkreis.

Darüber hinaus bieten wir Ihnen auch dieses Mal wieder eine Reihe von praxisorientierten Workshops an, in denen Sie Ihre Kompetenz im Feld Trauma und Dissoziation erweitern können.

Bitte beachten Sie die Anmeldeschritte:

  1. Anmeldung nur mit dem Anmeldeformular per Fax oder Brief, nicht per E-Mail oder telefonisch.
  2. Wir senden Ihnen so schnell wie möglich die Anmeldebestätigung, am schnellsten mit der von Ihnen auf dem Anmeldeformular genannten E-Mail-Adresse. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eintreffens berücksichtigt. Es stehen 150 Plätze zur Verfügung.
  3. In der Anmeldebestätigung nennen wir Ihnen die Kontonummer und das Stichwort, unter dem Sie bitte den Teilnahmebetrag überweisen.
  4. Die Zuteilung der Workshops erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Überweisungen.

Wir können aus Raumgründen die Teilnehmerzahl nicht erhöhen; Sie können deshalb auch nicht spontan anreisen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Willy Herbold-Schaar     Sabine Schinschke     Ibrahim Özkan      Ulrich Sachsse

Informationen zu den Workshops

Workshop 1
Trauma und Dissoziation - Über den langen Weg, Getrenntes zu verbinden

Sabine Schinschke / Anja Maria Reichel


Workshop 2
Transgenerationalen Weitergabe von Traumaerfahrungen

Harald Freyberger

Die Langzeitfolgen des Zweiten Weltkrieges und verschiedene Aspekte der DDR-Diktatur für die heutige ältere Bevölkerung Deutschlands sind inzwischen gut untersucht. In den letzten Jahren rückte die Frage nach möglichen Auswirkungen der damit verbundenen Traumatisierungen auf die nachfolgenden Generationen im Sinne einer transgenerationalen Übertragung in den Vordergrund. Empirische Studien zu diesem Thema finden sich zunehmend. Im Workshop werden die verschiedenen Wege und Mediatoren bezogen u. a. Holocaustforschung und die Kriegsgeneration dargestellt. Dabei werden Inhalte und Modelle der transgenerationalen Übertragung unterschieden. In klinischen und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich eine erhöhte Vulnerabilität für psychische Erkrankungen und Traumafolgestörungen, die insbesondere bei Stressbelastung oder kritischen Lebensereignissen zum Tragen kommt. Hierzu werden viele Beispiele vorgestellt, wie etwa die Erfahrungen von Kindern von DDR-Zersetzungsopfern und von Kindern ehemaliger hauptamtlicher Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes.

Workshop 3
Trauma – was kann man eigentlich glauben?

Renate Volbert

 

Workshop 4
Traumasensible Arbeit mit dem Körper nach der Feldenkrais-Methode

Susanne Bleick

 

Workshop 5
Rituelle/organisierte Gewalt - Opfer erkennen, verstehen und behandeln

Doris Holland

 

Workshop 6
Stresstoleranz-Skills für Kinder und Erwachsene

Kathrin Nüsse

Inhalt des Workshops ist die theoretische und praktische Einführung in den Umgang mit Hochstress-Skills nach DBT. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Dissoziationsstopp-Techniken und Körper-Skills.

Workshop 7
Einmal Opfer - immer Opfer!? - Das Phänomen der Reviktimisierung: Erkennen, verstehen und therapeutisch beeinflussen

Julia Campe

 

Workshop 8
Über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT)

Luisa Schäfer

Bei der von Mervyn Schmucker entwickelten Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy handelt es sich um eine spezielle Therapieform, ursprünglich für Patienten entwickelt, welche in der Kindheit Opfer sexuellen oder körperlichen Missbrauchs geworden sind. In den letzten Jahren erweiterte sich zunehmend das Anwendungsgebiet auf z. B. Angst, Depression und komplizierte Trauerreaktionen. Im Workshop soll die Methode zunächst näher vorgestellt und anschließend die unterschiedlichen Einsatzbereiche aus der therapeutischen Praxis aufgezeigt werden. Der Fokus wird dabei besonders auf den Einsatz bei der „klassischen“ Traumaexposition, der „Inneren- Kind- Arbeit“ sowie dem Vorgehen bei komplizierten Trauerreaktionen gelegt.

Workshop 9
Integrative Behandlung von Traumafolgestörungen und Sucht

Dominika Mandrek-Ewers

 

Workshop 10
Komplexe Trauma-Folgestörungen: Behandlungsplanung und Kassenantrag

Ulrich Sachsse

 

Workshop 11
Einsatz der Pesso-Therapie als körper- und bindungsorientiertes Verfahren bei Patienten mit dissoziativer Störung

Kristine Augstein

 

Workshop 12
Therapie stressbedingter Schmerzstörungen

Ulrich Egle

 

Workshop 13
Dissoziation im diagnostischen und therapeutischen Prozess

Ursula Gast

Dissoziative Störungen kommen mit 5 – 15 % regelmäßig bei psychiatrischen und psychotherapeutischen Patienten vor. In komplexer Ausprägung wie bei der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) und ihrer Subform -  gelten sie als Traumafolgestörung, meist aufgrund schwerer Kindesmisshandlung. Da inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten vorliegen, kommt der frühzeitigen Diagnostik eine besondere Bedeutung zu.

Im Seminar wird das gesamte Spektrum dissoziativer Störungen beschrieben und Kriterien vorgestellt, anhand derer eine größere Sicherheit in der Diagnosestellung erreicht werden kann. Das diagnostische Vorgehen wird geschildert und dissoziative Phänomene anhand von Patienten-Video-Clips veranschaulicht. Zudem wird ein Überblick über das phasenorientiere Vorgehen gegeben, das sich an den sonstigen Standards zur Behandlung komplexer Posttraumatischer Belastungsstörungen orientiert. Ergänzend werden störungsspezifische Interventionstechniken vorgestellt, die darauf abzielen, die dissoziativen Symptome zu überwinden. Es wird gezeigt, wie die aktive Einbeziehung dissoziierter Persönlichkeitsanteile genutzt werden kann, um schwere Symptome (wie z. B. Suizidalität, schwere Angstsymptome, Selbstverletzungen) zu überwinden. Das Einbringen eigener Fälle ist willkommen.

Literatur:
Gast U, Wabnitz P. Dissoziative Störungen erkennen und behandeln. Stuttgart: Kohlhammer 2017.
Gast U, Wirtz G. (Hrsg.) ISSTD-Expertenempfehlung für die Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung für Erwachsene (deutsche Bearbeitung). Klett-Cotta 2016
Reddemann L, Hofmann A & Gast U. (Eds.), Psychotherapie der dissoziativen Störungen 2011 Stuttgart, New York: Thieme.

Zur Person: PD Dr. med. Ursula Gast, ehemals Chefärztin in Bielefeld, in eigener Praxis in Mittelangeln tätig. Mitglied der Leitlinien-Steuergruppe zur Therapie Posttraumatischer Störungen.
Homepage www.ursula-gast.de

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