TRAUMA ALS BERUF - 3. Göttinger Symposium Traumatherapie

am Freitag, den 16. und Samstag, den 17. Juni 2017 im Asklepios Fachklinikum Göttingen

Das Göttinger Symposium Traumatherapie hat bereits eine Tradition als eine Möglichkeit zur Begegnung von Menschen, die überwiegend klinisch-praktisch mit traumatisierten Menschen arbeiten, für die unser Thema TRAUMA ALS BERUF also ganz persönlich zutrifft.

  • Christian Pfeiffer, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, wird in seinem Eröffnungsvortrag verdeutlichen, daß sich die Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten durch die Auseinandersetzung mit dem Komplex Trauma, etwa in Familien, verändert hat - und zwar durchaus zum Besseren.
  • Renate Volbert, Institut für Forensische Psychiatrie der Charite Berlin und Zentrum für Aussage-Psychologie Berlin, wird uns die Frage beantworten „Trauma – Was können wir eigentlich glauben?“
  • Jochen Peichl, Institut für hypno-analytische Teilearbeit und Ego-State-Therapie, beleuchtet in seinem Vortrag „Täterintrojekte und ihre Facetten in der Therapie“.
  • Manuela Dudeck, Lehrstuhl für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm, geht dem heiklen Thema "Traumatisierte und ihre Schuld" nach.
  • Jochen-Thomas Werner, Polizeiakademie Niedersachen, Gerd-Dieter Willmund, Psychotraumazentrum der Bundeswehr Berlin, und Thomas Görger, Dart Centre Europe for Journalism and Trauma, setzen sich in ihren Vorträgen mit berufsbedingten Traumatisierungen und deren gesellschaftlicher Bedeutung auseinander.

Darüber hinaus bieten wir Ihnen auch dieses Mal wieder eine Reihe von praxisorientierten Workshops an, in denen Sie Ihre Kompetenz im Feld TRAUMA ALS BERUF erweitern können.

Bitte beachten Sie die Anmeldeschritte:

  1. Anmeldung nur mit dem Anmeldeformular per Fax oder Brief, nicht per E-Mail oder telefonisch.
  2. Wir senden Ihnen so schnell wie möglich die Anmeldebestätigung, am schnellsten mit der von Ihnen auf dem Anmeldeformular genannten E-Mail-Adresse. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eintreffens berücksichtigt. Es stehen 150 Plätze zur Verfügung.
  3. In der Anmeldebestätigung nennen wir Ihnen die Kontonummer und das Stichwort, unter dem Sie bitte den Teilnahmebetrag überweisen.
  4. Die Zuteilung der Workshops erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Überweisungen.

Wir können aus Raumgründen die Teilnehmerzahl nicht erhöhen; Sie können deshalb auch nicht spontan anreisen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Willy Herbold-Schaar     Sabine Schinschke     Ibrahim Özkan      Ulrich Sachsse

Informationen zu den Workshops

Workshop 1
Erinnern – Schweigen – Reden – Stille
Vom beredeten Schweigen und dem Schattenschlag der Worte

Sabine Schinschke, Jochen-Thomas Werner

Das charakteristische Zeichen des Traumas ist die Sprachlosigkeit. Im Rahmen des Workshops sollen die verschiedenen Facetten der Stummheit aus medizinischer und soziologischer Sicht beleuchtet und zudem aufzeigt werden, wie unter Zuhilfenahme narrativer Verfahren die Unfähigkeit, über belastende Lebensereignisse sprechen zu können, überwunden werden kann.

Zwei Vorträge gehen der Arbeitsphase voraus. Sie führen aus je unterschiedlicher Sicht in die Thematik ein. Zum einen werden die Ursachen des Schweigens aus psychotherapeutischer Sicht thematisiert, zum anderen wird aus soziologischer Sicht das Schweigen selbst – als eine Sonderform menschlicher Kommunikation – ins Blickfeld gerückt.

In der Arbeitsphase werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops in Kleingruppen über schwierige Therapiesituationen im stationären bzw. ambulanten Alltag sprechen und verschiedene Übungen durchführen. Im Anschluss werden die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit vorgestellt.

Es folgt ein Erfahrungsaustausch über den Umgang mit den Problematiken der narrativen Exposition im therapeutischen Setting (schweigen / dissoziieren).

Patientinnen, die darüber berichten, wie sie ihre Sprachlosigkeit haben überwinden können und welche Strategien ihnen dabei halfen, bilden den Schlusspunkt des Workshops.

Workshop 2
Diagnostik von Traumafolgestörungen in Gefängnis und Maßregelvollzug

Manuela Dudeck

Straftaten entstehen aus der Trias Motivation, Gelegenheit und Fähigkeit. Während nahezu jeder Mensch mindestens einmal im Leben ein Motiv für eine Straftat und auch die Gelegenheit dafür hat, verbergen sich in hinter der Fähigkeit eine Vielzahl von Faktoren, die eine Straftat begünstigen können. Insbesondere biographische Brüche sind recht früh schon als statische Risikofaktoren für spätere Täterschaft identifiziert worden. Anhand von zwei  Prognosegutachten sollen in Gruppenarbeit Erklärungs- und Verantwortungsmodelle für die schwere Gewaltstraftaten gefunden werden, ohne eine Entschuldung vorzunehmen. Inwieweit traumatische Ereignisse die Prognoseentscheidung beeinflussen können, wird diskutiert werden können.

Workshop 3
Über die Vielfalt der Möglichkeiten zur Einheit der Traumatherapie: Integratives Denken als therapeutische Basis

Doris Holland, Julia Campe

Es gibt vielfältige Ansätze mit traumatischen Störungen therapeutisch umzugehen. Dieser Workshop stellt eine Kombination der verschiedenen Elemente vor, die sich auf der Station 9 bewährt haben. Ansätze, wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie, Expositionsverfahren, imaginative Techniken sowie das Konzept des multiplen Selbst werden differenziert dargestellt und mit praktischen Übungen vertieft.

Workshop 4
Traumasensible Arbeit mit dem Körper nach der Feldenkrais-Methode

Susanne Bleick

Die Feldenkrais-Methode ist ein körperorientiertes Verfahren zum Gestalten von Lernprozessen, durch die persönliche Handlungs- und Bewegungsmuster erkannt und variiert werden können. Das Lernen geschieht in einem individuellen Prozess durch eine Verfeinerung der Eigenwahrnehmung, welche zu mehr Flexibilität auf der Ebene der Bewegungen, der Gedanken und Emotionen führt.

Durch ihren wertungsfreien, vielfach variablen Ansatz hat sich die Feldenkrais-Methode in Zusammenarbeit mit traumatisierten Menschen bewährt. Sie arbeitet prozessorientiert und regt zur Entdeckung der eigenen Ressourcen an. Sie ermöglicht einen Zugang  zum eigenen Körper und den eigenen Wahrnehmungen, der darüber hinaus als stabilisierend und unterstützend erlebt werden kann. Eine der herausragenden Besonderheiten der Methode ist die Förderung des Vertrauens in die eigenen Wahrnehmungen und damit eine Hinwendung zu größerer Unabhängigkeit und Freiheit.

Angelehnt an mein Vorgehen im stationären Kontext, werden Sie in diesem überwiegend praktisch ausgerichteten Workshop in kleinen Einheiten an mögliche Vorgehensweisen und Wirkungsweisen der Feldenkrais-Methode herangeführt.

Worskshop 5
Prävention und Selbstfürsorge

Britta Menne

Das Rollenbild des Helfers beinhaltet emotionale Stärke, Kontrolle und Kompetenz. Dieser Rolle immer gerecht zu werden ist nicht immer einfach, kann Belastungsgrenzen überschreiten und zu chronischer Stress-Belastungen, Burnout und Sekundärtraumatisierung führen. Vor allem in dem anstrengenden und herausfordernden Beruf, den Psychotherapeuten und Berater ausüben, ist es daher wichtig, nicht nur den Patienten, sondern auch sich selbst und die Risiken und Nebenwirkungen traumatherapeutischer Arbeit im Blick zu haben und durch Strategien der Achtsamkeit und Selbstfürsorge seine Resilienz zu stärken und solchen Entwicklungen entgegen zu wirken. Denn „Wer in der Lage ist, auch in hektischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, die Umstände anzunehmen wie sie sind, und sich so dem Alltag zu stellen, ohne gleich impulsiv zu reagieren, der kann auch bei stürmischen Wetter eher seinen Kurs halten“ (Zarbock, Ammann, Ringer 2012). Der Workshop Psychohygiene soll daher  Traumatherapeuten helfen eigene Risiken erkennen zu können und ihnen Strategien zur Prophylaxe vermitteln.

Workshop 6
Praxis der Hochstress-Skills und Dissoziationsstopps

Katrin Nüsse

Inhalt des Workshops ist die theoretische und praktische Einführung in den Umgang mit Hochstress-Skills nach DBT. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Dissoziationsstopp-Techniken und Körper-Skills.

Workshop 7
Trauma und Belastungen im Einsatzwesen

Dr. Jutta Helmerichs

Psychosoziale Themen und Hilfsangebote haben im Einsatzwesen inzwischen einen festen Platz. Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, dem Technischen Hilfswerk und weiteren Organisationen werden in Aus- und Fortbildungen und durch Publikationen auch auf die psychosozialen Herausforderungen ihres Haupt- oder Ehrenamtes vorbereitet und wissen, wo sie zur Verarbeitung von Einsatzbelastungen bei Bedarf professionelle Unterstützung erhalten können. Dennoch ist die Hürde, Unterstützung bei der Belastungsverarbeitung und Traumatherapie in Anspruch zu nehmen sehr hoch. Der Workshop thematisiert verbreitete Einsatzbelastungen und typische Formen der Belastungsverarbeitung unter Einsatzkräften. Erarbeitet werden sollen Möglichkeiten der Annäherung zwischen Einsatzkräften im Rettungsdienst und Katastrophenschutz und Traumaexperten.

Workshop 8
Sicherheit auf der Traumastation - Krisen und Konflikte für Patienten und Mitarbeiter traumasensibel auflösen

Anja Maria Reichel

Im Verlauf einer stationären Traumatherapie kann es zu potenziell kritischen Ereignissen bzw. Konflikten kommen. Aufseiten der Patienten sowie auf Mitarbeiterseite spielen dabei Aggressionen oder Grenzüberschreitungen eine Rolle; Mitarbeiter empfinden eine hohe Verantwortung in Krisen- oder Konflikthaften Situationen, in denen es beispielsweise um Behandlungsabbrüche, Selbstverletzungen, Suizidale Handlungen oder die Ablehnung therapeutischer Interventionen geht.

Der Workshop stellt das „Safewards“-Konzept vor und stellt es in den Kontext der stationären Traumatherapie. Die Teilnehmer erarbeiten konkrete Praxisempfehlungen zu traumasensiblen Deeskalations- und Konfliktlösungsstrategien.

Workshop 9
Integrative Behandlung von Sucht und Traumafolgestörungen

Dominika Mandrek-Ewers

Suchterkrankungen und Traumafolgestörungen treten häufig komorbide auf. Zahlreiche Studienergebnisse belegen, dass jeder fünfte Alkoholkranke und jeder dritte Drogenabhängige an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden; unter Einschluss subsyndromaler Formen verdoppelt sich die Zahl der Suchtkranken, die an Traumafolgestörungen leiden. Bei den Betroffenen ist ein früherer Beginn der Suchterkrankung feststellbar und die psychosozialen Probleme sind ausgeprägter. Die Traumafolgestörung stört die Rehabilitation der Suchterkrankung erheblich, denn die aufrechterhaltenden Faktoren werden durch eine Suchtbehandlung nicht vollständig abgedeckt. Klinische Studien zeigen Verbesserungstendenzen der Suchterkrankung bei integrierter Behandlung der PTBS während der Suchttherapie (Potthast & Catani, 2012). Das Göttinger Modell (Lüdecke et al., 2010) ist ein integratives Therapieprogramm zur Behandlung von Suchterkrankten mit komorbiden Traumafolgestörungen. Dargestellt werden die theoretischen Grundlagen und die Behandlungsphasen. Sie umfassen störungsübergreifende und -spezifische Diagnostik, Vermittlung von Stabilisierungstechniken für Sucht- und Traumasymptome, Traumakonfrontation und Nachbearbeitung der Ergebnisse der Traumasynthese.

Workshop 10
Gestaltung der therapeutischen Beziehung bei komplexen Traumafolgestörungen

Ulrich Sachsse

Sehr häufig findet sich bei Menschen mit Traumatisierungen in der Kindheit auch eine Typ-D-Bindungsstörung, und sehr oft findet sich bei Menschen mit Typ-D-Bindungsstörung / Borderline-Persönlichkeitsstörung auch eine Kette von Traumatisierungen.

Workshop 11
Internetbasierte Traumatherapie

Christine Knaevelsrud

Neue Kommunikationsmedien werden in der psychotherapeutischen Versorgung bereits vielfältig genutzt. Im europäischen Ausland (unter anderem Schweden, Niederlande) ist die onlinegestützte Therapie bereits in das reguläre Versorgungssystem integriert. Die Posttraumatische Belastungsstörung scheint sich durch die klare Identifikation des ätiopathologischen Stressors ganz besonders gut für einen strukturierten schreibtherapeutischen Ansatz zu eignen. Themen, die im Rahmen des Workshops behandelt werden sind unter anderem: Wie funktioniert eine Onlinetherapie für PTBS Patienten? Gibt es spezifische Indikationsbereiche? Kann eine tragfähige therapeutische Beziehung ohne unmittelbaren, persönlichen Kontakt überhaupt entstehen? Wie kann ich meine ambulanten Versorgungsangebote, um schreibtherapeutische Elemente erweitern? Einführend wird ein Überblick über verschiedene Ansätze der Onlinetherapie, Anwendungsbereiche und Spezifika des therapeutischen Settings im Internet gegeben. Anhand einzelner Fallvignetten der typischen Verlauf einer Onlineintervention mit ihren Setting-spezifischen interaktionellen Besonderheiten dargestellt.

Workshop 12
Sprachreduzierte Traumarbeit mit Geflohenen

Dr. Ibrahim Özkan

Die inzwischen auch in der psychotherapeutischen Versorgung angestiegene Zahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern in Deutschland stellt viele Kolleginnen vor Herausforderungen. Neben Beschwerden aus dem allgemeinmedizinischen Spektrum werden insbesondere psychische Probleme wie Schlafstörungen, Albträume, Ängste und Depressionen beschrieben, die vor allem auf die Erfahrungen in Krisengebieten, auf der Flucht sowie deren Folgen zurück zu führen sind. Studien berichten, dass bei 41,4% bzw. 54,0% in der Gruppe der Asylbewerber und Flüchtlinge eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wird. Die Rate der PTBS bei Flüchtlingen und Asylbewerbern im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung wurde um das 10-Fache erhöht beschrieben und Symptome der Angst und Depression bei einer großen Zahl angegeben. Ob und wie gut die Flüchtlinge und Asylbewerber mit psychischen Störungen in Deutschland behandelt werden, ist bislang noch nicht erfasst. Fakt ist allerdings, dass vielerorts die Flüchtlinge und Asylbewerber im Versorgungssystem angekommen sind.

Zum einen sind es auf der Therapeutenseite die sog. „kulturellen Hürden“, die eine derartige Befremdung auslösen, dass keine Behandlung zustande kommt, zum Anderen sind es sprachliche Hürden, die es zu überwinden gilt. Nicht immer und überall können auf für die Psychotherapie qualifizierte Dolmetscherinnen zurückgegriffen werden.

In diesem Workshop befassen wir uns mit der Befremdetheit im (trans-)kulturellen Begegnungsetting der Therapie  –insbesondere in traumatherapeutischen Kontext- , ferner werden Zugänge und Möglichkeiten einer sprachreduzierten Vorgehensweise vorgestellt für Situationen, in welchen mit einer reduzierten Sprachebene schonende, stabilisierende, ressourcenorientierte  Behandlung mit Geflohenen stattfinden kann. Raum für Fragen und Diskussion wird vorhanden sein.

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