Schultersteife (Frozen shoulder, adhäsive Kapsulitis)

Warum eine primäre Schultersteife, auch „frozen shoulder“ oder „adhäsive Kapsulitis“ genannt, entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Da häufig Frauen nach der Menopause (zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr) betroffen sind, lässt sich auf hormonelle Einflüsse bei der Genese (Entstehung) der Schultersteife schließen. Bei etwa 20 % aller Patienten tritt die Schultersteife beidseits auf, bislang wurden nach einer ausgeheilten primären Schultersteife keine Rezidive (Wiederauftreten der Erkrankung) beschrieben.

Symptome und Diagnostik

Die Diagnose der „frozen shoulder“ ist primär klinisch (das heißt, sie erfolgt anhand der direkt erkennbaren Symptome). Zu den Leitsymptomen gehören eine im Verlauf eingeschränkte aktive und passive Schulterbeweglichkeit aller Bewegungsebenen sowie eine in der Intensität wechselnde Schmerzwahrnehmung.

Die bildgebende Diagnostik ist bei initial (anfangs) unauffälliger Röntgenbildgebung nicht wegweisend. Eine Magnetresonanztomografie (MRT: Bildgebungsverfahren, bei dem ein Magnetfeld genutzt wird) der betroffenen Schulter zum Zeitpunkt des klinischen Vollbildes zeigt eine Verdickung des Ligamentum coracohumerale (breites Bindegewebsband des Schultergelenks zwischen Rabenschnabelfortsatz und Oberarmkopf) sowie der Gelenkkapsel und der kapselverstärkenden Bänder im Bereich des Rotatorenintervalls. Mit der Sonografie (Ultraschall) können wir frühzeitig eine Entzündung am Hüllgewebe der Bizeps-longus-Sehne feststellen.

Verlauf und Prognose

Die „frozen shoulder“ macht sich durch progrediente (fortschreitende) Schulterschmerzen mit einer anschließenden zunehmenden Bewegungseinschränkung bemerkbar. Es werden drei Stadien unterschieden, welche den klassischen Verlauf darstellen:

Stadium 1 – „freezing phase“:

  • zunehmende Schmerzen (vor­wiegend in der Nacht) und Bewegungseinschränkungen
  • Dauer durchschnittlich 10 bis 36 Wochen

Stadium 2 – „frozen phase“:

  • Schmerzen langsam rückläufig
  • weiterhin Zunahme der Bewegungseinschränkung
  • muskuläre Inaktivitätsatrophie (Gewebsschwund bedingt durch Unterbeanspruchung)
  • Dauer durchschnittlich 4 bis 12 Monate

Stadium 3 – „thawing phase“:

  • Schmerzen sind nicht mehr vorhanden
  • die Beweglichkeit verbessert sich spontan zunehmend
  • Dauer von 5 Monaten bis 2 Jahren (längste Krankheitsphase)

Therapie

Bei der Therapie der primären „frozen shoulder“ berücksichtigen wir insbesondere, in welcher Phase des Krankheitsverlaufes sich der Patient befindet, wie lange diese Phase bereits andauert und welches Symptom behandelt werden soll.

Unser Ziel ist es, Ihnen die rasche Rückkehr zum täglichen Leben und eine schnellstmögliche schmerzfreie Schulterbeweglichkeit zu ermöglichen. Wir versuchen, einer eventuell aufkommenden Ungeduld bei unseren Patienten vorzubeugen, indem wir sie frühzeitig und ausführlich über die Erkrankung und die mögliche Dauer aufklären.

Nachdem die Behandlung der „frozen shoulder“ mit den diversen zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten lange Zeit einen individuellen, erprobenden Charakter hatte, ist mittlerweile durch eine Vielzahl prospektiv randomisierter Studien (empirische Überprüfung der Wirksamkeit eines Behandlungsverfahrens) und Literaturübersichtsarbeiten bezüglich der Therapieoptionen eine fundierte, evidenzbasierte Behandlungsempfehlung möglich. In unserer Klinik werden Sie von sehr kompetenten Experten versorgt, die auf diesem Gebiet über umfassende Erfahrung verfügen.

Stadium 1 – „freezing phase“:

  • lokale oder systemische Kortisonapplikation, das heißt die Gabe von Kortison (pharmakologische Arthrolyse), unter anderem bei Diabetes mellitus (sogenannte Zuckerkrankheit) relative Kontraindikation („Gegenanzeige“)
  • lokale Schmerzblockaden (Nervus suprascapularis mit Bucain)
  • NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika, Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung), Analgetika (Schmerzmittel)
  • Vermeidung schmerzhafter Physiotherapie

Stadium 2 – „frozen phase“:

  • orale Kortison-Gabe, das heißt, der Patient nimmt das Medikament über den Mund ein (Habermeyer-Schema für 40 Tage, initial 40 mg, dann alle 5 Tage Dosisreduktion um 5 mg)
  • NSAR bei Bedarf
  • manuelle Therapie (Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates mit speziellen Handgrifftechniken), posteriores Gleiten, tiefe Friktion (spezieller Massage-Handgriff)
  • passive Bewegungsübungen im schmerzfreien Bereich
  • Beginn mit aktiv-assistierten Bewegungsübungen

Stadium 3 – „thawing phase“:

  • zunehmend aktive Bewegungsübungen
  • intensiv passive Beübung bis in den Bereich des endgradigen Bewegungsausmaßes (Bereich, in dem der Bewegungsumfang nur leicht vom Normalmaß abweicht)

Sofern die konservative Therapie nach einem Zeitraum von mehr als sechs Monaten keinen Erfolg gebracht hat, besteht die Indikation zur arthroskopischen Arthrolyse (Gelenkmobilisation durch operative Entfernung von Narbensträngen oder knöchernen Wulstbildungen im Rahmen einer Gelenkspiegelung).

Je nach Schwerpunkt der Bewegungseinschränkung können wir eine partielle (teilweise erfolgende) oder vollständige Kapsulotomie (operative Eröffnung einer Gelenkkapsel) durchführen.

Nachbehandlung nach arthroskopischer Arthrolyse

Die Nachbehandlung nach einer arthroskopischen Arthrolyse ist mit einer zügigen Mobilisation verbunden. Ein optimalerweise bereits prä-/intraoperativ (vor oder während des Eingriffs) angelegter supraklavikulärer Plexusblock (Regionalanästhesieverfahren) dient der gezielten Schmerztherapie. Wir streben eine maximale Schmerzfreiheit an, insbesondere für Mobilisationszwecke. Noch am Operationstag können unsere Patienten unter Anleitung mit der Beübung der betroffenen Schulter beginnen. Innerhalb der ersten zwei Wochen sollte der Patient täglich Physiotherapie erhalten (zunächst passive, dann aktiv-assistive Übungen). Anwendungen auf dem sogenannten Bewegungsstuhl empfehlen wir dreimal pro Tag. Zudem sind Lymphdrainage (Anregung des Lymphflusses durch spezielle Massagetechniken) und manuelle Therapie (Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates mit gezielten Handgriffen) sinnvoll. Unser Ziel ist es, die Patienten direkt aus dem stationären Aufenthalt in die ambulante Rehabilitation weiterzuvermitteln.

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