Schultereckgelenkinstabilitäten (Akromioklavikulargelenksprengungen)

Die Verletzung der stabilisierenden Bänder des Schultereckgelenks ist neben Brüchen des Schlüsselbeins eine der häufigsten Sportverletzungen der Schulter, die wir in unserer Klinik mit großer Erfahrung und modernen Methoden behandeln. Sie entsteht durch einen Sturz direkt auf das Schultergelenk. Dabei treten Kräfte auf, die zum Riss der Bänder führen können, welche das Schultereckgelenk stabilisieren.

Symptome und Diagnostik

Die Betroffenen klagen über starke Schmerzen im Bereich der Schulter, wobei der stärkste Schmerz direkt über dem Schultereckgelenk besteht. Eine Bewegung des Arms ist sehr schmerzhaft, in den meisten Fällen kann er kaum abgespreizt werden. Sofern der Oberkörper entkleidet ist und die Arme sich in hängender Position befinden, lässt sich bei einem Riss aller drei Bänder ein deutlicher Hochstand des äußeren Schlüsselbeinendes erkennen. Beim Druck auf das hochstehende Schlüsselbeinende zeigt sich eine federnde Instabilität (sogenanntes Klaviertastenphänomen), dies ist für die Betroffenen mit einem erheblichen Schmerz verbunden. Zur eindeutigen Beurteilung des Schweregrades der Verletzung lassen wir eine Röntgen-Panoramaaufnahme anfertigen. Während der Untersuchung befindet sich an beiden Armen des Patienten ein Gewicht von 5 kg.

Auf diese Weise können wir das Ausmaß des Hochstandes des äußeren Schlüsselbeinendes eindeutig nachweisen und klassifizieren.

Wir teilen die Verletzungen in sechs Schweregrade ein. Die Zuordnung hängt vom Ausmaß der Bandverletzung und dem daraus resultierenden Grad der Verschiebung des Schlüsselbeines ab. Um weitere Verletzungen der Schulter auszuschließen, empfehlen wir zusätzlich zur Röntgendiagnostik eine Kernspintomografie (MRT: Bildgebungsverfahren, bei dem ein Magnetfeld genutzt wird). Sofern nur ein Teil der Bänder verletzt ist, tritt kein oder nur ein geringer Hochstand des Schlüsselbeinendes auf. Bei Verletzungen vom Grad I bis II ist daher keine operative Stabilisierung erforderlich. Durch eine vorübergehende Schonung und die Einnahme von abschwellenden Medikamenten kann eine schmerzfreie Schulterfunktion innerhalb weniger Wochen wiederhergestellt werden. Je nach Beschwerden müssen unsere Patienten ihr Training in der Regel nicht oder nur für wenige Tage unterbrechen.

Komplette Bandzerreißungen führen zu einem vollständigen Hochstand des Schlüsselbeines über eine Distanz von mehr als 1,5 cm (Verletzung Grad III). In besonders schweren Fällen tritt zusätzlich ein Riss der das Gelenk überdeckenden Faszie (Hüllschicht aus Bindegewebe) auf. In diesem Fall sind massive Verschiebungen des Schlüsselbeines sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Ebene über mehrere Zentimeter möglich. Bei der Untersuchung ist das Schlüsselbeinende dann direkt unter der Hautoberfläche sicht- und tastbar.

Bei Bandzerreißungen vom Grad IV bis VI müssen wir eine operative Stabilisierung durchführen, da bei einer konservativen Behandlung meistens Beschwerden bestehen bleiben, die für die Betroffenen nicht akzeptabel sind. Die Behandlung von Grad-III-Verletzungen wird in der Forschung kontrovers diskutiert. In einigen Untersuchungen zeigen die operative und die konservative Behandlung vergleichbare Resultate. Sofern die Schulter sportlich oder beruflich belastet wird, weist die operative Stabilisierung des Gelenkes allerdings Vorteile auf, da hierbei belastungsabhängige, störende Restbeschwerden seltener auftreten.

Therapie

Röntgen postoperativ nach arthroskopischer Stabilisierung (Dog bone plate, Arthrex, Naples)
Röntgen postoperativ nach arthroskopischer Stabilisierung (Dog bone plate, Arthrex, Naples)

Uns stehen zahlreiche Operationsverfahren (Hakenplatte, Drahtstifte und -schlingen, Schrauben, künstlicher Bandersatz, arthroskopische Stabilisierungen) zur Stabilisierung des Schultereckgelenkes zur Verfügung.

Hakenplatte (DepuySynthes)
Hakenplatte (DepuySynthes)

Bei leichten Formen der Instabilität und einem kurzen Zeitintervall zwischen dem Unfall und der Operation bevorzugen wir die arthroskopische Stabilisierung (Dog bone plate und Fiber tape). Im Falle einer höhergradigen Instabilität haben wir bis zum jetzigen Zeitpunkt die besten Erfahrungen mit der Verwendung der Hakenplatte gemacht, die sofort belastungsstabil ist und nach drei bis vier Monaten wieder entfernt wird.

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