Lumbaler Bandscheibenvorfall

Diese Seite soll Ihnen helfen, sich über die operativen Möglichkeiten bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule zu informieren. Das ersetzt natürlich nicht das persönliche Gespräch mit dem Arzt. Fragen Sie uns nach dem Lesen noch gezielt, was Ihnen unklar oder wichtig ist!

Entstehung und Anatomie

Die Lendenwirbelsäule besteht aus 5 Wirbeln, in deren Zwischenräumen sich die Bandscheiben befinden. Durch den aufrechten Gang des Menschen werden die Bandscheiben im Laufe des Lebens stark belastet. Bei jedem Bücken und Heben, auch beim Sitzen, treten teilweise sehr hohe Belastungswerte im Innern der Bandscheiben auf, insbesondere in den beiden untersten Bandscheiben.

Durch die wiederholten Belastungen kommt es zur Alterung des Knorpelmaterials, aus dem die Bandscheiben aufgebaut sind, insbesondere im äußeren Ring, dem sogenannten „Anulus fibrosus“. Im hinteren Anteil des Anulus fibrosus, der durch die Wirbelsäulenkrümmung, das Hohlkreuz, besonders belastet ist, können dann Risse entstehen. Durch diese Einrisse kann Bandscheibengewebe aus dem Inneren, der sogenannte Gallertkern („Nucleus pulposus“), aus der Bandscheibe herausquellen.

Beim Bandscheibenvorfall ist der Anulus fibrosus komplett eingerissen und Teile des Gallertkernes treten ungehindert aus der Bandscheibe aus. Da der Wirbelkanal in der Wirbelsäule rundherum im Wesentlichen knöchern begrenzt ist, können die empfindlichen Nervenbahnen dem Bandscheibenvorfall jedoch nicht ausweichen und werden durch das ausgetretene harte, knorpelige Gewebe gequetscht. Es entstehen Rückenschmerzen, meist mit Ausstrahlung in ein oder, selten, auch in beide Beine. Die Art der Schmerzausstrahlung (nur Oberschenkelschmerz, seitlicher Beinschmerz, Wadenschmerz) hängt davon ab, welcher Nerv durch den ausgetretenen Bandscheibenvorfall gequetscht wird.

Behandlungsmöglichkeiten

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die nicht-operative (konservative) oder die operative Behandlung. Wenn die Beschwerden aber längere Zeit anhalten und durch konservative Maßnahmen nicht besser werden, ist eine Operation ratsam. Bei Vorliegen einer Blasen-Mastdarm-Lähmung oder einer signifikanten muskulären Schwäche muss operiert werden, da sonst die Gefahr einer dauerhaften Schädigung des Nervs besteht.

Operationstechnik

Hierbei wird in der Regel in Vollnarkose nach Lokalisation der exakten Höhe über einen kleinen Hautschnitt (ca. 3-5 cm) gezielt die Muskulatur in Höhe der betroffenen Bandscheibe von der Wirbelsäule abgeschoben. Die eigentliche Operation an der Wirbelsäule erfolgt unter Benutzung eines Operationsmikroskops durch einen kleinen Trichter, der in die präparierte Muskellücke am Rücken eingesetzt wird. Es folgt die Eröffnung des Wirbelkanals, wobei nur wenig Knochenmaterial von den Wirbelbögen abgetragen und das dazwischenliegende gelbe Band entfernt wird. Gelegentlich müssen auch Anteile eines Wirbelbogens entfernt werden. Nach der Befreiung der Nervenwurzeln durch Entfernung des Bandscheibenvorfalles werden die lockeren Bandscheibenanteile im Bandscheibenraum ausgespült.
Durch die Verwendung des Mikroskops können auch kleinste Strukturen an der Wirbelsäule und den Nerven im Wirbelkanal erkannt und geschont werden. Das Risiko von unerwünschten Blutungen oder Verletzungen z.B. der Rückenmarkshaut oder Nerven wird somit minimiert. Die Operation wird meist in Bauchlage und abgesenkten Knien durchgeführt, dadurch kann es in seltenen Fällen nach der Operation zu vorübergehenden Schmerzen im Hüft-/Kniebereich oder aber des Brustkorbes kommen.

Nachbehandlung & Patientenmitverantwortung

Die Patienten können bereits am ersten Tag nach der Operation wieder aufstehen. Auch dürfen sie direkt nach der Operation sitzen. Der Aufenthalt dauert etwa 3 – 4 Tage. Die meisten Patienten verspüren bereits direkt nach der Operation eine deutliche Schmerzlinderung im betroffenen Bein, da der Druck des Bandscheibenvorfalles auf den Nerven ja durch die Operation behoben wird. Gefühlsstörungen oder gar Lähmungen, die bereits präoperativ bestanden, sind jedoch meist postoperativ noch vorhanden. Der Nerv muss sich erst nach und nach erholen und seine Funktionen wiederaufnehmen. Da Nervengewebe sich nur sehr langsam regeneriert, können Taubheitsgefühle oder Lähmungen aber häufig erst nach Wochen, teilweise erst nach Jahren, verschwinden. Neben der Anleitung durch die Krankengymnasten und die Beratung durch den betreuenden Arzt erhalten unsere Patienten nach der Operation eine sogenannte Orthese, d.h. ein Korsett. Dieses soll einerseits die Patienten, die meist einige Tage nach der Operation völlig schmerzfrei sind, daran erinnern, dass sie sich einer Mikrodiskotomie unterzogen haben (Mahnfunktion der Orthese). Andererseits schützt die Orthese aber auch direkt den Patienten, indem sie schädliche Bewegungen zumindest deutlich erschwert. Diese Orthese sollte in den ersten 6-8 Wochen nach der Operation konsequent getragen werden, sobald der Patient sich aus der liegenden Position erhebt.

Auch ein Muskeltraining zur Stabilisierung der Wirbelsäule und damit der vorgeschädigten Bandscheibe ist wichtig. Hier sollte jedoch in den ersten 3 Monaten darauf geachtet werden, dass die Übungen die operierte Wirbelsäule nicht überfordern und somit negativ wirken. Daher empfehlen wir unseren Patienten, in dieser Zeit ausschließlich die isometrischen Übungen auszuüben, die sie von unseren Krankengymnasten nach der Operation erlernen. Insbesondere erweiterte Reha-Maßnahmen sollten nicht vor Ablauf der 3-Monats-Frist durchgeführt werden.

Sollten noch Funktionsdefizite von einzelnen Muskelgruppen bestehen (z.B. eine Fußheberschwäche), so muss diese natürlich konsequent mittels Krankengymnastik auch schon direkt nach der Operation therapiert werden. Im weiteren Verlauf empfehlen wir jedem Patienten die Beachtung der Prinzipien der Rückenschule und rückenfreundliche Sportarten, um das Risiko einer erneuten Bandscheibenerkrankung bei einer vorgeschädigten Wirbelsäule zu minimieren.

Erfolgsaussichten & Risiken

Risiken

Komplikationen sind selten. Bei etwa 1 % kann es zu einer Wundinfektion kommen, die meist erfolgreich mit einer Wundspülung und Antibiotika behandelt werden kann. In wenigen Fällen kann auch ein Bluterguss in der Tiefe auftreten, der dann auf die Nerven drückt und zu Schmerzen führt. Dieser muss in der Regel dann operativ nochmal abgesaugt werden. Manchmal wird auch eine kleine Drainage am Rücken ausgeleitet, über die Wundsekret und Blut abgeleitet werden. Dies geschieht insbesondere dann, wenn zum Erreichen des Bandscheibenvorfalles Teile des Knochens abgetragen werden mussten, um einen Bluterguss zu vermeiden. Wird bei der Freilegung des Wirbelkanals die Rückenmarkshaut verletzt, tritt Hirnflüssigkeit aus (Liquorleck). Dies wird normalerweise während der Operation erkannt und versorgt, so dass der Patient davon unberührt bleibt. Da eingeengte Nerven befreit werden müssen, können diese bei der Freilegung auch verletzt werden, nur selten kommt es zu einer bleibenden Schwäche des Fußes oder des Beines. In 10%-20% kann ein erneuter Vorfall durch das Loch in der Bandscheibe austreten, der dann erneut operiert werden muss.  In 5% kann es zur Ausbildung von erneuten ausstrahlenden Beinschmerzen durch unerwünschte Narbenbildung im Wirbelkanal kommen (Postdiskotomiesyndrom).

Erfolgsaussichten

Bei strenger Auswahl der Patienten für eine Bandscheibenoperation kann in mehr als 90 % der Fälle ein gutes bis sehr gutes Resultat erzielt werden, d.h. die Schmerzverbesserung beträgt mehr als 75 %. Der Patient muss keine Schmerzmedikamente mehr einnehmen, wird wieder voll arbeitsfähig und ist weder in seinem Beruf noch in seinen Freizeitaktivitäten eingeschränkt.

Gefühlsstörungen oder gar Lähmungen, die bereits präoperativ bestanden, sind jedoch meist postoperativ noch vorhanden. Der Nerv muss sich erst nach und nach erholen und seine Funktionen wiederaufnehmen. Da Nervengewebe sich nur sehr langsam regeneriert, können Taubheitsgefühle oder Lähmungen aber häufig erst nach Wochen, teilweise erst nach Jahren, verschwinden. Manchmal verbleiben auch Dauerschäden, diese sind jedoch in der Regel nicht sehr ausgeprägt, z. B. kann es zu bleibenden Missempfindungen im Bein kommen (Kribbelgefühl bei Berührung) oder das betroffene Bein ermüdet schneller beim längeren Laufen (es kommt dann beim längeren Gehen gelegentlich zu Krämpfen). Stärkere Lähmungen einzelner Muskelgruppen als Dauerschaden sind sehr selten, eventuell bleiben gelegentliche leichte Rückenschmerzen zurück.

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