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OTZ vom 05.11.2007

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Der Psychologe Walter Kaiser (li.) von der Parkinsoklinik Ichenhausen leitet einen Work-Shop zur Angehörigenarbeit.

Morbus Parkinson stellt das ganze Leben auf den Kopf

Fachtagung im Asklepios-Fachklinikum wertet Angehörigenarbeit und Selbsthilfegruppen auf

Stadtroda (OTZ/Frindert). Wie kann Psychotherapie Menschen helfen, die an Morbus Parkinson erkrankt sind und wie können Angehörige von psychosozialer Arbeit profitieren? Dieser Fragen-komplex stand am Sonn-abend im Mittelpunkt des zweiten Tages einer Fach-tagung im Asklepios-Klinikum Stadtroda. Die rund 40 Teilnehmer, Ärzte, Psychologon, Therapeuten, Parkinson-Patienten und Angehörige, kamen aus der ganzen Bundesrepublik.
Die Betroffenen, die in den Workshops das Wort ergriffen, haben das geschafft, was die Psychologen mit ihrer Arbeit anstreben. Die Krankheit durchschauen, annehmen, öffentlich darüber sprechen und und Strategien zum Umgang mit Begleiterscheinungen entwickeln. Das sind Verminderung der Spontaneität, Apathie oder gar Depressionen und das Wissen um den fortschreitenden Charakter der als Schüttellähmung bekannten Krankheit.
Niedergeschlagenheit erst gar nicht aufkommen lassen, die Kontrolle darüber behalten, das riet ein Patient im Workshop zu Therapien bei Depressionen. Er schaffe das mit Hilfe der Familie. "Opa, du brauchst doch nicht zittern, ich bin doch bei dir. Wenn man das hört, das baut auf", berichtet der Betroffene,
wie ihm sein kleiner Enkel Kraft gibt. Der Situation der Angehörigen in diesem Spannungsfeld widmete sich der von Walter Kaiser geleitet Workshop. Von gesunden Betroffenen, sprach der Psychologe von der Fachklinik Ichenhausen und erklärte, das der Angehörige zwar keine Symptome hat, aber ebenso unter der Krankheit leidet. Mit der Persönlichkeitsveränderung des Partners werde das ganze Leben auf den Kopf gestellt. Die Zukunftsangst auf beiden Seiten bestimme die Szenerie. Walter Kaiser berichtete von einer sehr erfolgreichen mehrtätigen Schulung mit 12 Ehepaaren. Aus dem Teilnehmerkreis im Alter zwischen 58 und 75 Jahren waren zehn Männer und zwei Frauen erkrankt. Und wie er in der ganzen Familie Kraft findet.
Das Gefühl ich bin nicht allein, ich werde ernst genommen, keiner nimmt mir was übel, das wolle man dem Patienten geben, rangen Fachkräfte und Laien aus Selbsthilfegruppen um Wege, die medikamentösen Therapien wirksam mit mitmenschlichen zu unterstützen. Morbus Parkinson sie eine öffentlich Krankheit, weil sie mit einemauffälligen Verhalten des Patienten einhergehe, betonte 
Prof. Dr. Heiner Ellring von der Universität Würzburg, wie wichtig Aufklärungsarbeit sei. So falle selbst Fachleuten schwer, zu erkennen, ob Ungeschicklichkeiten "normal" oder behandlungsbedürftige Phänomene seien.
Es sei nicht nur zum Austausch von Erfahrungen sondern auch zum Austausch von Emotionen gekommen, beschrieb er den willkommenen Effekt.
In diesem Fall habe man die Bosch-Stiftung gewinnen können, hieß es zur allgegenwärtigen Frage der Finanzierung. Engpässe gäbe es überall. Psychologen in Kliniken werden nur auf Halbtagsstellen beschäftigt. Das Abrechnungssystem begrenze die Einbeziehung niedergelassener Psychologen. Die Einbeziehung nichtmedizinischer Berufe wie Pädagogen scheitere an der notwendigen Zusatzausbildung. Der Kliniksalltag lasse nicht genügend Raum für den langen Atem, den Parkinson-Patienten brauchen. "Man muss erreichen, dass man dem Arzt Fragen stellen kann", gab Prof. Ellring den Angehörigen und ihren Patienten mit auf den Weg. Und schränkte ein: "Das ist unter dem Zeitdruck nicht so einfach."
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