Von OTZ-Redakteur Axel Ukena Stadtroda. Am vergangenen Freitag endete in Stadtroda die 32. Jahrestagung der Bundes-fachvereinigung Leitender Kranken-pflegepersonen in der Psychiatrie (BFLK) e. V. (OTZ berichtete). Im Mittelpunkt der Diskussion beschäftigten sich die 110 Pflegedienstverantwortlichen mit der Gesundheitsreform und Auswirkungen durch die Strukturreform zum einen sowie mit der Frage „Wieviel Ethik können wir uns noch leisten?" zum anderen. Viele Mitarbeiter im Pflegedienst stoßen dabei an Grenzen, weiß Marie-Luise Windorf aus den Gesprächen am Rande der Fachtagung. „Es muss alles schneller gehen, es wird von den Mitarbeitern immer mehr verlangt und die Verweildauer der Patienten wird immer kürzer", skizziert die Pflegedienst-leiterin am Stadtrodaer Asklepios-Fachklinikum den an vielen Einrichtungen beklagten allgemeinen Trend. Sicher seien betriebswirtschaftliche Dinge wichtig. |
„Das wissen wir auch, dass wir wirtschaftlich arbeiten müssen. Aber ethische Aspekte dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden", weiß Frau Windorf um den Zwiespalt, der sich auftut. Die Teilnehmer, die zum ersten Mal bei einem privaten Träger ihre Tagung durchführten, interessierte dabei auch die Situation in Stadtroda. „Wir stehen personell im Vergleich sehr gut da, gleichfalls auch wirt-schaftlich", verweist Marie-Luise Windorf auf 317 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allein im Pflegedienst des Klinikums. Gerade auf dem Pflege-dienst lastet eine enorme Verantwortung. „Die Zahl der psychiatrisch Erkrank-ten nimmt immer weiter zu. Viele sind dem Leistungsdruck der Gesellschaft nicht mehr gewachsen." Damit steigen die Anforderungen für die helfende Berufs-gruppe. „Denn was nützt mir die beste Leistungsgesell-schaft, wenn sie nicht den Schwächsten mitnimmt?", wirft Marie-Luise Windorf die Frage auf, zu der auf der Tagung vielfach Antworten gesucht wurden. |
Stadtroda verfügt dabei über ein gutes Netzwerk. Das zahlt sich aus. Die Hilfe bindet Patienten. Arzte und Angehörige gleichermaßen ein, begleitend auch in der Nachsorge, beispielsweise bei einer Unterbringung in einem Heim oder in einer anderen Wohnung. „Oftmals sind Angehörige mit den Problemen völlig überfordert. Das erfordert Teamarbeit und auch ein gutes Klima." Um ein solches ist man in Stadtroda ständig bemüht. Mitarbeiter, die sich wohl fühlen, strahlen auch auf die Patienten positiv aus. „Bei uns müssen alle Berufsgruppen an einem Strang ziehen. Hilfe in der psychiatrischen Betreuung ist in erster Linie Beziehungsarbeit. Das erfordert gut ausgebildetes Personal." Dinge, auf die in Stadtroda großen Wert gelegt werde und wofür das Klinikum bekannt sei. Dass der psychiatrische Bereich in der Patientenbetreuung weiter ohne Fallpauschale arbeiten kann, sei positiv, kommt Frau Windorf auf die Reform zurück. Wie andere Dinge darin greifen, die in erster Linie dem Patient dienen, „lässt sich erst später an Details beurteilen". |