Von OTZ-Redakteurin Carola Frindert
Stadtroda. „Sucht ist kein Makel, keine persönliche Schwäche. Sie ist eine Krankheit, die zwar nicht heilbar ist, aber so zu behandeln, dass man damit leben kann", erklärte Dr. Udo Polzer, Ärztlicher Direktor des Asklepios Fach-klinikums Stadtroda gestern einer großen Gästeschar aus Kommunalpolitikern, Bauleuten, Mitarbeitern der Klinik und der Asklepios-Gruppe sowie Partnern von Beratungsstellen und Sozialeinrichtungen aus der Region. Anlass war die offizielle Übergabe des neuen „Suchtbaus", wie Dr. Polzer kurz die moderne, solide ausge-stattete Einrichtung bezeichnete. Sie biete hervorragende Beding-ungen,um suchtkranken Menschen über den „qualifizierten Entzug" zu helfen, mit ihrer speziellen Lebens-situation fertig zu werden und zurück zu einem geregelten Leben zu finden. Über den reinen Entzug hinaus praktiziere man dazu ein therapeutisches Konzept für Patienten und ihre Angehörigen. In dem zweistöckigen Neubau stehen auf zwei Stationen 36 Betten zur Verfügung. Es handelt sich durchweg um Zwei-Bett-Zimmer mit jeweils einer eigenen Nasszelle. Das Raum-konzept ist auf sehr individuelle Arbeit ausgerichtet, sieht Plätze für Gruppengespräche, Ergo-, Physio- und Sporttherapie vor. Ein angeschlossenes, eigenes Freigelände ergänzt dies mit Ru-hezonen im Grünen spezialisiert. |
Die Sportanlagen und einem Pavillon, in dem die Holzbild-hauerwerkstatt eingerichtet wurde, die ebenfalls therapeu-tischen Zwecken dient. Die beiden Stationen der Abteilung Suchterkrankungen sind konzeptionell Station S1 betreut erwachsene alkohol- und medikamentenabhängige Patienten, während die Station S 2 sich vorwiegend der Betreuung Jugendlicher und junger Er-wachsener mit einer Abhängig-keit von illegalen Drogen und Alkohol widmet. Bereits 15-Jährige habe man zu behandeln, berichtet Ulrich Köhler, Oberarzt der Abteilung Suchterkrankungen, im OTZ-Gespräch, dass nicht selten bereits mit acht oder neun Jahren durch Zigarettenkonsum der Einstieg in ein Sucht-verhalten erfolgt. Der Kliniksneubau sei Heraus-forderung und Verpflichtung, sprach Ulrich Köhler gestern auf der Einweihungsfeier von einer „Volkskrankheit", der man mit fachlicher Kompetenz begegnen wolle. Ein Zehntel der Bevöl-kerung sei manifest suchtkrank oder von Abhängigkeit bedroht. Eine Lösung liege in gut ausgebildeten Ärzten, denen man attraktive Arbeitsplätze zur Verfügung stellen müsse, kritisierte er negative Aus-wirkungen der Gesundheits-reform und würdigte das in Stadtroda Geschaffene. Jens Betker, neuer Geschäftsführer des Stadtrodaer Asklepios Fach-klinikums, lobte ausdrücklich die Arbeit der Bau- und Handwerks-firmen sowie die
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Leistungen der Architekten die sich in kurzer Bauzeit und guter Qualität. niederschlage. Das Gebäude füge sich zudem in Architektur und Farbgestaltung hevorragend in das Ensemble des Klinikums ein. Sein Dank ging an das Land Thüringen, das mit 4,5 Millionen Euro den Löwenanteil der Investitions-summe von 4,9 Millionen Euro übernahm. Stellvertretend für Thüringens Sozialminister Klaus Zeh gratulierte Referatsleiterin Angela Engelhard. Das Asklepios Fachklinikum in Stadtroda sei ein wichtiger Teil der Suchtkrankenhilfe in Thüringen. Dafür seien nahezu 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 103 Einrichtungen von 44 Trägern tätig. Es gebe 150 Selbsthilfegruppen, 27 psycho-soziale Beratungs- und ambulante Behandlungstellen. 14 ambulante Angebote für betreutes Wohnen, sechs Krankenhäuser mit Spezial-abteilungen für Entzugs-behandlung mit 172 Plätzen, sechs stationäre Einrichtungen zur medizinischen Rehabilitation, vier Tagesstätten mit 78 Plätzen sowie 12 sozialtherapeutische Wohnheime und Obergangswohnheime mit 381 Plätzen und außerdem 15 Arbeits-und Beschäftigungs-projekte zur sozialen und beruflichen Integration sucht-kranker Menschen, beschrieb sie das in Thüringen bestehende Netz von Hilfs- und Behandlungsangeboten.
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