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OTZ vom 19.09.2006

Die Richtkrone schwebt

Maßregelvollzug in Stadtroda rohbaufertig - Ministerin Diezel würdigt Psychiatrievorhaben

Von OTZ-Redakteur
Axel Ukena

Stadtroda. Gestern Nach-mit­tag wurde in Stadtroda das Richt­fest am Neubau des Maßregelvollzuges gefeiert.
Für rund 22 Millionen Euro entsteht derzeit auf einer rund 3000 Quadratmeter Fläche im Bereich des ehemaligen Unigutes und der einstigen Sero-Annah­mestelle ein hoch moderner Neubau für 80 Plätze durch die Asklepios-Gruppe im Auftrag des Landes Thüringen. Vor 15 Jahren begann das damalige Landesfachkrankenhaus Stadtroda mit 20 derartigen Plätzen.
Thüringens Finanzministerin Birgit Diezel (CDU) würdigte im Namen der Landesregierung das Vorhaben, welches die moderne Struktur der Psychiatrie im Land unterstreiche.
„Es ist nicht einfach, neue We­ge zu gehen, zumal bei knappen Kassen. Wir haben aber in den vergangenen 16 Jahren rund 2,6 Milliarden Euro in ein modernes Krankenhaussystem gesteckt. Das ist kein verschwendetes Geld", sagte sie unter Beifall der Anwesenden, darunter die Klinikumsleitung, die Landtagsabge­ordneten Wolfgang Fiedler (CDU) und Mike Huster (Linkspartei/PDS), der 1. Kreisbeige­ordnete Dr. Dietmar Möller (FDP) und Stadtrodas Bürgermeister Harald Kramer (CDU).
Thüringen sei in Sachen Maß­regelvollzug einen neuen Weg gegangen, verwies sie auf die Zusammenarbeit mit privaten Trä­gern, welche diese Maßnahmen gewissermaßen beleihen. Einer davon ist Asklepios, und vor Ort das Asklepios-Fachklinikum.
„Wir als Land bleiben aber in der Verantwortung des Maßre­gelvollzuges", stellte Diezel dabei den finanziell möglich gewordenen Weg in den Vordergrund und damit die besseren Möglichkeiten.
"Wir haben damit gewisserma­ßen Zeit gekauft für die Mitarbei­ter und die Patienten, und was ganz wichtig ist, wir schaffen günstige Bedingungen für die hier geleistete schwere Arbeit."
Ihr Dank ging daher an die Ärz­te, das medizinische Personal, aber auch die Justiz, welche die Forensische Klinik schultern.
Insgesamt stehen im Land 308 Plätze in Forensischen Kliniken zur Verfügung. Diese werden auch benötigt, um den Menschen zu helfen und hier eine Behand­lung angedeihen zu lassen.
Birgit Diezel wandte sich zugleich an die Bevölkerung, an ih­ren Schutz vor den kranken Straftätern, welcher mit diesem Neubau gewährt werden soll.
„Es bleibt unser Augenmerk: Hohes therapeutisches Niveau und die Einhaltung aller Sicher­heitsbedingungen - ein Maßre­gelvollzug in hoher Qualität."
Nicht nur für Ostthüringen und die Region sei es wichtig, dass der Bau zügig voran kom­men, würdigte Wolfgang Fiedler die Arbeit der Bauleute, der Pla­ner und der beteiligten Firmen und Ingenieure. „An den 22 Mil­lionen Euro hängen viele Leute und Firmen dran." Und er dankte auch den Anwohnern und den Stadtrodaern, dass sie dieses Vorhaben mittragen.
Der Sicherheitsaspekt sei dabei eine wichtige Komponente, die andere, dass den kranken Menschen geholfen wird,
dass sie auch eines Tages wieder ihren Weg in die Gesellschaft zurück­finden.
Dr. Manfred Ziepert, Chefarzt der Forensischen Klinik im Ask­lepios Klinikum Stadtroda, würdigte die kurze Bauzeit, welche bisher seit der Grundsteinlegung vor fünf Monaten verging. Aus dem Bau des Hauses ließen sich gute Parallelen ableiten, welche ein einzelner Patient durchlaufe, verglich er Fundamt, Keller, die Errichtung der Geschosse und des Daches mit einzelnen thera­peutischen Erfolgen, die im Ver­trauen und der Motivation der Patienten ihren Anfang nehmen und im Schutz und der Sicher­heit den Weg in die Gesellschaft zurückfinden. Doch der Weg, bis der Patient das Obergeschoss bzw. das Dach erreicht haben werde, sei mitunter sehr lang.
Dr. Ziepert stellte die Zusam­menarbeit mit allen am Bau be­teiligten Firmen und Planern heraus. Dieses geschehe auf Augenhöhe, hierbei wolle sich keiner selbst verwirklichen. „Wir sind frühzeitig darin einbezogen worden und wir können kurzfris­tig auf Änderungen reagieren."
Dr. Ziepert hob zugleich das Engagement der Gesellschaft her­vor, „welche sich diesen Menschen widmet, um ihnen zu hel­fen, auch wenn sie anderen Opfer und Leid zugefügt haben", und charakterisierte damit die Beson­derheit eines Maßregelvollzuges.
Der entsteht nun im Zeichen der Richtkrone mit verschiede­nen Bereichen von der Arbeitstherapie bis hin zur Sporthalle und Kegelbahn bis voraussicht­lich Ende kommenden Jahres mit der Fertigstellung.
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Zimmermeister Frank Hakke schlägt gestern Nachmittag nach dem Richtspruch symbolisch den "letzten" Dachnagel in die Lattung auf dem Dach des künftigen Maßregelvollzuges im Asklepios Fachklinikum in Stadtroda
(Fotos [2]: OTZ/Andreas Schott)
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OTZ vom 19.09.2006

Richtkrone schwebt über Millionenobjekt!

Stadtroda erhält neuen Maßregelvollzug

Stadtroda (OTZ/A.U.). Seit gestern Nachmittag schwebt über dem Neubau des Maßregelvoll­zugs am Stadtrodaer Fachklini­kum die Richtkrone.
Für rund 22 Millionen Euro er­richtet das Land Thüringen ge­meinsam mit dem privaten Trä­ger Asklepios einen neuen foren­sischen Klinikbereich, der damit die Kapazität auf 80 Plätze erhöht und von der Arbeitstherapie bis hin zu einer Sporthalle verschie­dene Bereiche beinhaltet.
Thüringens Finanzministerin Birgit Diezel (CDU) verwies auf die umfangreiche Finanzierung seitens des Landes für eine mo­derne Krankenhausstruktur. Seit 1990 sind demnach rund 2,6 Mil­liarden Euro in die Verbesserun-
gen der medizinischen Einrich­tungen geflossen. Als solche zählt der Maßregelvollzug dazu, der zwar in privater Trägerschaft geführt, aber nicht aus der Ver­antwortung des Landes heraus betrieben wird. In Thüringen gibt es dafür 308 Plätze.
Birgit Diezel hob zum einen die mit dem Neubau verbunde­nen modernen Möglichkeiten der psychiatrischen Behandlung heraus, die der Therapie kranker Straftäter dienen. Zum anderen werde der Neubau wesentlich si­cherer sein, verwies sie auf den jüngsten Ausbruch von zwei In­sassen in Mühlhausen.
Der neue Maßregelvollzug in Stadtroda soll voraussichtlich Ende 2007 bezogen werden.
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Zimmerermeister Frank Hakke (links) und Polier Joachim Vogel bereiten die Krone für das Richtfest in Stadtroda am Maßregelvollzug des Asklepios Fachklinikums vor. 
(Foto: OTZ/Andreas Schott)
OTZ vom 19.09.2006

Die gekaufte Zeit

Von Axel Ukena

Eigentlich hätte ja Thürin­gens Sozialminister Dr. Klaus Zeh am Mikrofon das Richt­fest zum Neubau des Maßre­gelvollzuges in Stadtroda be­gleiten müssen.
Denn die Gesundheit fällt in sein Ressort. Und um Ge­sundheit geht es ja in erster Linie bei diesen hier unterge­brachten Menschen.
Doch es dreht sich auch um Straftaten. Solche, die meist aus gestörten sexuellen Hintergründen heraus ge­schehen, und die oftmals tödlich für die Opfer enden. Somit hätte auch der Justizminister das Wort ergreifen können.
Doch am Rednerpult stand Finanzministerin Birgit Diezel, die sicher gern für ihre Amtskollegen das Wort er­griff die aber vor allem eines vor den Anwesenden verkör­perte: das Geld des Landes.
Weder über die Gesundheit noch über die Justiz lässt sich offenbar in allererster Linie ein Weg finden, der bei Op­fern, Hinterbliebenen und Angehörigen, ebenso auch Tätern gleichermaßen greift, wenn es um Hilfe geht.
Gleiches gilt für die Gesell­schaft, für die Mediziner, die ihren Auftrag in der Erfor­schung und Heilung dieser psychischen Störung sehen.
Es ist das Geld, konkret, die Vorfinanzierung durch den privaten Träger, welche dem Land den Weg ebnet, moderne, therapiefördernde Bedingungen in geforderter kurzer Zeit zu erhalten. In dem Fall in gekaufter Zeit.
Allgemeiner Anzeiger vom 24.09.2006

Richtfest am Neubau des Maßregelvollzugs in Stadtroda

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Rundgang durch den 22 Millionen Euro teuren Neubau des Maßregelvollzugs in Stadtroda; v.l.n.r. Finanzministerin Birgit Diezel, Landtagsabgeordneter Wolfgang Fiedler, Chefarzt Dr. Manfred Ziepert und Projektleiter Mario Stark. Foto: anw
(anw) Richtfest für einen ganz besonderen Bau: Nach dem (weitestgehenden) Abschluss der Rohbauarbeiten konnte am letzten Montag die traditionelle Zeremonie am neuen Maßregelvollzug in Stadtroda gefeiert werden. Auf dem Areal der Asklepios Fachklinikum Stadtroda GmbH entsteht für 22 Millionen Euro der Neubau der Klinik für Forensische Psychiatrie. En­de 2007 soll nach Mühlhausen und Hildburghausen der dritte neue Maßregelvollzug im Frei­staat Thüringen bezugsfertig sein.