Sprache bedeutet die Fähigkeit, innerhalb eines Gespräches mit dem Gegenüber Informationen, Gedanken und Empfindungen auszutauschen. Dazu steht uns ein Sprachsystem mit einzelnen Lauten / Buchstaben, bedeutungshaltigen Wörtern und einer Grammatik (Satzbildung, Verbflexion, ...) zur Verfügung; dieses gilt sowohl für die gesprochene als auch für die geschriebene Sprache.
Bei Aphasien handelt es sich um erworbene Sprachstörungen im Gegensatz zu kindlichen Sprachentwicklungsverzögerungen; d.h., die Sprache wurde zuvor vollständig erlernt und zeigt jetzt, während oder in Folge einer Erkrankung, Auffälligkeiten innerhalb des Sprachsystems.
Bedingt durch Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumata oder neurologische Erkrankungen sind, je nach Ort und Ausmaß der Schädigung, das Verstehen und das Produzieren von Sprache in unterschiedlichen Ausprägungsgraden beeinträchtigt. Persönliche Gedanken und Empfindungen können sprachlich nur noch bruchstückhaft oder gar nicht mehr vermittelt werden.
Sehr häufig ist das schnelle Finden von Wörtern gestört, wobei es zu Satzabbrüchen oder zu unangemessenen Umschreibungen des Zielbegriffes kommt. Oft werden auch Wörter mit falscher Bedeutung benutzt oder Neologismen (= Wortneuschöpfungen) gebildet.
Bei sehr ausgeprägten Störungen kann das Finden von Wörtern so schwer betroffen sein, dass nur noch einzelne Wörter oder Sprachlaute gebildet werden können.
Auf der lautlichen Ebene kann es zu Auslassungen, Ersetzungen oder Vertauschungen innerhalb des Wortes kommen. Gleiches gilt für die Schriftsprache.
Ferner treten bei Aphasien Sprachverständnisstörungen in der gesprochenen Sprache und beim Lesen auf. Bei leichten Sprachstörungen ist das Verstehen komplexer Inhalte erschwert, bei schweren Sprachverständnisstörungen können nur noch einfache, kurze Hauptwörter in ihrer Bedeutung erfasst werden.
Bei bestimmten Aphasietypen kann zusätzlich eine Sprechapraxie (sprechmotorische Planungsstörung) die Ausdrucksmöglichkeiten beeinträchtigen.
Wichtig: Bei Aphasien ist ausschließlich die Sprache gestört, das Denken und die Intelligenz sind nicht beeinträchtigt.
Allerdings wirken sich Sprachstörungen unmittelbar auf die Alltagskommunikation aus und bedeuten einen erheblichen Einschnitt im Umgang mit Partnern, Familie und Freunden.
Diagnostik:
In der Diagnostikphase werden die unterschiedlichen Sprachebenen (Wortfindung, Wortlaut, Wortbedeutung, Grammatik, Schriftsprache, Sprachverständnis) untersucht, um das Ausmaß der Aphasie sowie die Störungsschwerpunkte zu ermitteln; hierzu stehen uns standardisierte und informelle Testverfahren zur Verfügung.
Therapie:
In der Therapie sollen die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und das Sprachverständnis wieder aufgebaut und stabilisiert werden; anhand der aus der Diagnostik gewonnenen Erkenntnisse werden gezielt die Einzelmodalitäten beübt und in der Gruppensituation kommunikativ weiterentwickelt.
Die Therapieinhalte werden individuell an die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten angepasst, um eine optimale Unterstützung bei der Rehabilitation der Sprachfunktion zu gewährleisten.
Ferner steht ein speziell für Sprachstörungen entwickelter Computertherapieraum mit sechs Arbeitsplätzen zur Verfügung. Mit den hier angewendeten computergestützten Behandlungsverfahren kommen modernste Therapiemethoden zum Einsatz, um die spezifischen Störungen des Sprachsystems noch intensiver und erfolgreicher behandeln zu können. Aufgrund dieses „intensivsprachlichen“ Therapiekonzepts wird eine Übungsdichte erzielt, die ihre Effektivität in wissenschaftlichen Studien klar belegt hat.