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Epilepsie

Definition

Epileptische Anfälle und Epilepsie (d.h. wiederholte epileptische Anfälle) haben verschiedene Ursachen. Zum einen kann eine Veranlagung zu epileptischen Anfälle vorliegen (sogenannte primär generalisierte Epilepsiesyndrome), andererseits können Anfälle als Folge umschriebener Schädigungen des Gehirns auftreten (sog. fokale Epilepsie). Auch sind viele neurologische und neurochirurgische Erkrankungen dadurch charakterisiert, dass im Verlauf der Erkrankung ein- oder mehrmals Krampfanfälle auftreten. Krampfanfälle können mit und ohne Bewusstseinsverlust auftreten und wirken sowohl auf den Betroffenen als auch andere anwesende Personen beängstigend und bedrohlich. Insbesondere bei Krampfanfällen mit Bewusstseinsverlust besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. Über diese Verletzungsgefahr hinaus können wiederholte Krampfanfälle zu einer Verschlechterung der Anfallssituation führen. Kommt es zu wiederholten Krampfanfällen, spricht man von Epilepsie.

 

Im Erwachsenenalter und in der Neurochirurgie handelt es sich meistens um fokale epileptische Anfälle oder fokale Epilepsiesyndrome. Fokale Epilepsien können verschiedenste Ursachen haben. Sie können nach einem Unfall mit Hirnschädigung entstehen, können mit einer Hirntumorerkrankung vergesellschaftet sein, können aber auch ohne eine nachweisbare auslösende Ursache auftreten. Die weitaus größte Zahl der Patienten mit Epilepsie können heutzutage mit medikamentösen Behandlungsverfahren gut eingestellt werden. Diese Patienten werden normalerweise nicht in einer neurochirurgischen Klinik behandelt, es sei denn, die Krampfanfälle sind zum Beispiel durch eine Hirntumorerkrankung oder Gefäßmissbildung verursacht. Die neurochirurgische Therapie der zugrunde liegenden Erkrankungen kann jedoch streng genommen nicht als Epilepsiechirurgie bezeichnet werden. Für einen gewissen Teil der Epilepsiepatienten stellt sich jedoch die Frage, ob durch eine neurochirurgische Behandlung die Epilepsie beseitigt werden kann.

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Wann ist Epilepsiechirurgie erforderlich?

Krampfanfälle treten häufig und/oder in starker Ausprägung auf. Sie sind schlecht medikamentös zu beeinflussen und behindern den Patienten erheblich. Von einer schlechten medikamentösen Beeinflußbarkeit kann erst dann gesprochen werden, wenn der Patient mit mindestens zwei medikamentösen Monotherapien auch in maximal verträglicher Dosierung nicht anfallsfrei geworden ist. Patienten, die zu einem epilepsiechirurgischen Eingriff vorgestellt werden, befanden sich aus diesem Grund in der Regel für einen längeren Zeitraum in einer speziellen epileptologischen ambulanten Betreuung, wie sie zum Beispiel an der Klinik für Neurologie der Asklepios Kliniken Schildautal Seesen möglich ist.

Prächirurgische Epilepsiediagnostik

In einem Epilepsiezentrum wird die entsprechende prächirurgische Epilepsiediagnostik durchgeführt. Bei speziellen Indikationen ist ein invasives Epilepsiemonitoring, zum Beispiel in Form von implantierten Grid-Elektroden oder sogenannten Foramen ovale-Elektroden erforderlich. In Abhängigkeit von den erhobenen Befunden wird in einer Konferenz von Epileptologen und epilepsiechirurgisch tätigen Neurochirurgen die Indikation zu einem epilepsiechirurgischen Eingriff gestellt.

Epilepsiechirurgie

Bei den häufigsten heute durchgeführten epilepsiechirurgischen Eingriffen handelt es sich um eine Entfernung des epilepsieauslösenden Herdes. Dieser Eingriff kann in Form einer Entfernung des betroffenen Areals der Großhirnrinde, einer sogenannten Schläfenlappenresektion oder aber einer sogenannten Amygdalo-Hippokampektomie vorgenommen werden. Nur in sehr speziellen Situationen werden darüber hinausgehende epilepsiechirurgische Eingriffe vorgenommen.

Welche Erfolge sind durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff zu erzielen?

Abhängig von der Ursache der Epilepsie und der Lokalisation in der der epileptogene Herd sich befindet, schwanken die Ergebnisse bzgl. Anfallsfreiheit erheblich. Der Operateur muss hier zwischen Nutzen für den Patienten und Risiken eine zusätzliche Schädigung zu erleiden abwägen.

 

Am besten sind die Ergebnisse für die Temporallappenepilepsie dokumentiert. Hier kann man sagen, dass die Chance nach der Operation anfallsfrei zu sein etwa bei 70% liegt. Weitere 20% der Patienten haben eine geringere Anfallshäufigkeit als vor der Operation. Bei etwa 50% der Patienten können die anfallshemmenden Medikamente zwei Jahre nach der Operation ganz abgesetzt werden.

Welche Risiken beinhaltet die Epilepsiechirurgie?

Die Risiken sind im wesentlichen abhängig von der operativen Entfernung von Hirnarealen, deren Schädigung während der Operation durch direkte mechanische Einflüsse, oder aber durch Beeinflussung der Durchblutung. Bei der Operation der sogenannten dominanten Hirnhälfte ohne entsprechendes intraoperatives Monitoring wird eine Häufigkeit von 6% für Sprachstörungen und 2% für Gedächtnisstörungen angegeben.

 

Wenn Sie differenziertere Fragen zum Thema Epilepsie stellen wollen und Informationen zum Thema Epilepsiechirurgie wünschen, wenden Sie sich bitte an die Ambulanz der Klinik für Neurologie oder an die Klinik für Neurochirurgie.

Priv. Doz. Dr. med. R. Becker                       Dr. med. G. Herrendorf

Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie             Oberarzt der Klinik für Neurologie