Aufgrund der schnellen technischen Entwicklung in der Radiologie / Neuroradiologie und insbesondere durch die Einführung von neuen Verfahren, wie Kernspintomographie, CT in Spiraltechnik , interventioneller Methoden usw. war es 1991 bei der Einrichtung der neuen Röntgenabteilung, damals unter Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt notwendig, dass ein voll ausgebildeter Radiologe die Abteilung, welche zuvor von den jeweiligen Fachärzten betreut wurde, übernahm.
Da die Kliniken Schildautal als Akademisches Lehrkrankenhaus mit nur 230 Betten hoch spezialisiert waren im Bereich Neurologie, Neurochirurgie und Gefäßchirurgie, musste das gesamte diagnostische Spektrum mit allen gängigen und speziellen Verfahren zur Verfügung stehen, was mit einem enormen Investitions-Aufwand verbunden war. Dieses wäre für die Klinik zur damaligen Zeit kaum zu finanzieren gewesen.
Auf der anderen Seite konnte ein Standort wie Seesen aufgrund der geringen Einwohnerzahl in keiner Weise eine selbständige Röntgenpraxis tragen.
Unter diesen Umständen lag eine Kooperation nahe, welche auch von Dr.Bruckenberger vom Sozialministerium befürwortet wurde.
Der Weg zu einer solchen Kooperation ist damals sehr schwierig gewesen, da hiermit ein Neuland betreten wurde, das weder gesetzliche Grundlagen noch Präzedenzfälle hatte.
Hierbei möchte ich insbesondere Herrn Dr.Thorwirth erwähnen, welcher damals wie jetzt als ärztlicher Leiter der Kliniken sich außergewöhnlich für dieses Projekt eingesetzt hat.
Bei der Ausgliederung der Radiologie haben neben dem damaligen Verwaltungsleiter Herrn Manfred Fricke auch der Leiter der AOK, Herr Joachim Pedroß sowie das Rechtsanwaltbüro Eichel/Boog und das Steuerberatungsbüro Grothues eine bedeutende Rolle gespielt.
Auch für die Leitenden Ärzte der Fachabteilungen bedeutete diese Umstrukturierung eine erhebliche Umstellung, da sie auf die bislang in Eigenverantwortung durchgeführten Röntgenleistungen verzichten mussten.
Entscheidend war, dass bei allen auftauchenden Problemen es zu keiner Zeit mit Klinik, Kassenverbänden , KV, Kollegen oder Hausmitarbeitern zu einer Konfrontation kam, sondern dass eine musterhafte Kooperation entstand, die es ermöglichte, dass die Röntgenpraxis zu ihrer heutigen Größe und Potenz wachsen konnte.
Dieses Projekt hat sich damals sehr schnell herumgesprochen und durchgesetzt, sodass heute im Umfeld bereits sehr viele Kooperationen zwischen freien Praxen und Krankenhäusern nach unserem Muster und unter unserer Beratung entstanden sind.
Das Modell " Praxis im Krankenhaus " birgt enorme Vorteile:
- Anbindung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung der Patienten
- Wegfall von Doppeluntersuchungen, Suche nach Unterlagen usw., was für die Patienten weniger belastend, für die Kassen ökonomischer und für die Organisation effektiver ist.
- Bei besonderen ambulanten Fällen sofortige Versorgung im Krankenhaus, was viel Zeit, Transportkosten und Umstände erspart.
- Direkte zeitnahe Konsultation zwischen Radiologen und Fachärzten bei unklaren oder schwierigen Fällen in der Röntgenpraxis, in Patientenzimmern, bei der täglichen Röntgenbesprechung und gelegentlich sogar temperamentvoll im OP.
- Kontinuität und gleichbleibendes Qualitätsniveau, nicht zuletzt durch speziellen Zuschnitt der Untersuchungen auf die Bedürfnisse der Fachärzte der Kliniken.
- Möglichkeit der Durchführung vieler komplizierter, risikoreicher oder invasiver Untersuchungen, welche z.B. nur unter Mithilfe anderer Fachkollegen durchführbar sind.
Bei dieser Kooperation sind die eigentlichen Gewinner jedoch die Patienten, welche optimal und schnellstmöglich versorgt werden durch kurze Wege und intensives, direktes Miteinander sämtlicher Fachdisziplinen. Und dies tags wie nachts, am Wochenende und während der Feiertage, durch Dienst rund um die Uhr, nicht nur für die Kliniken Schildautal, sondern für alle umliegenden Krankenhäuser.
Als ich im Januar 1992 anfing, war ich der einzige Facharzt für Radiologie.
Aufgrund der umfangreichen Untersuchungszahlen und Einrichtungen habe ich die volle Ausbildungsermächtigung von der Ärztekammer erhalten und so konnte ich im Laufe der Jahre zuerst Herrn Dr.Volk, welcher heute mein Sozius ist, und nach ihm die Kollegen Wardius, Leimbach und Roth zum Facharzt für Radiologie ausbilden.
Außerdem haben wir zahlreiche leitende Ärzte und Niedergelassene nicht nur aus der näheren Umgebung in spezielle Verfahren wie NMR, CT ,DSA ausgebildet.
Alle mit mir tätigen Kollegen haben vor der Radiologischen Ausbildung in anderen Fachgebieten gearbeitet, was ein großer Gewinn für die Praxis war, da die klinischen Vorkenntnisse oftmals entscheidend die Durchführung der Untersuchungen und die Diagnostik beeinflussten.
Herr Dr. HP Volk hat vor seinem Medizinstudium Philosophie studiert und war bereits Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Danach erwarb er zusätzlich neben der radiologischen auch die neuroradiologische Gebietsbezeichnung, sodass er zur Zeit in den gesamten Kliniken der Arzt mit den meisten Fachqualifikationen ist.
Die Herren Leimbach und Wardius kamen aus der Gefäßchirurgie und können somit die klinischen Erfahrungen aus Station und OP in die Röntgendiagnostik und invasiven Therapien bei Gefäßkranken mit einbringen.
Herr Roth kam aus der Neurochirurgie zu uns mit ebenfalls wertvollen Vorkenntnissen, welche sich bewährt haben. Außerdem ist er unser Fachmann für Computer, Netzwerke, Elektronische Archivierung und Teleradiologie.
Ebenfalls erwähnen möchte ich alle meine Mitarbeiter, die großteils aus der Klinik zu mir wechselten und durch oft überdurchschnittlichen und außergewöhnlichen Einsatz zum Erfolg dieser Praxis beigetragen haben und auch weiterhin beitragen.
Beim Wechsel der Trägerschaft 1995 durch Übernahme durch die Asklepiosgruppe, haben sich keine wesentlichen Änderungen in der Kooperation ergeben, im Gegenteil, es wurde dieses Konzept durch mich auch in anderen Kliniken der Asklepiosgruppe realisiert.
Da auch bei uns die Zeit nicht stehen geblieben ist, betreiben wir heute Teleradiologie mit mehreren Krankenhäusern und haben die Archivierung und Befundung auf elektronische Medien umgestellt.
Die Zusammenarbeit erstreckt sich inzwischen neben den Asklepioskliniken Schildautal auch auf sämtliche umgebenden Krankenhäuser sowie mehr als 600 niedergelassene Praxen, insbesondere durch kontinuierliche Notdienste und Konsiliaruntersuchungen im Bereich Neurologie, Neurochirurgie und "Stroke".
Wir feiern Heute unser 10jähriges Jubiläum und sind froh, dass wir diesen Weg damals gewählt haben . Deshalb wollen wir uns auf diesem Wege bei allen für die gute Zusammenarbeit bedanken.