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50 Jahre Krankenpflegeschule in Seesen

Feierstunde im Städtischen Krankenhaus Seesen; genauer gesagt - in der Krankenpflegeschule des Städtischen Krankenhauses. Dort konnte am Freitagvormittag vergangener Woche das 50-jährige Bestehen dieser Einrichtung gefeiert werden - in einem dem Ereignis angemessenen Rahmen, versteht sich, und in Anwesenheit von Repräsentanten aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens in der Harzstadt.
 
Jörg Püster, Verwaltungsdirektor des Städtischen Krankenhauses, hatte es anschließend dann übernommen, die Gäste willkommen zu heißen. Püster wertete die große Resonanz auf die Einladung als einen „schönen Beweis für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit über viele Jahre hinweg“; er sprach kurz die bundesweit aktuelle Situation an, die unter anderem vom Abbau von Arbeitsplätzen im Sozial- und Gesundheitsbereich, von den finanziellen Problemen der Öffentlichen Hand, dem Erlass immer neuer Gesetze sowie einer in der bisherigen Form nicht mehr möglichen Finanzierung des Gesundheitssystems gekennzeichnet sei, und ging schließlich auf das Jubiläum der Krankenpflegeschule ein.
  


Musikalisch „eingeläutet“ wurde der Festakt aus Anlass des
Jubiläums durch die Musikgruppe „Konfusius“

Im Jahre 1953 „aus der Taufe gehoben“, hätten bis heute über 750 junge Menschen hier ihr Examen abgelegt; ein Examen, das „sie befähigt, kranke und pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger professionell zu betreuen“.
 
Unter Berücksichtigung der Alterspyramide, die nach den Worten Püsters „in Deutschland bereits auf dem Kopf stehe“ und die erkennen lasse, dass „in den nächsten 40 Jahren ein sehr viel größerer Teil der Bevölkerung einer intensiven Pflege bedürfen werde“, sei es denn auch dringend vonnöten, junge Menschen in ausreichender Zahl als Krankenpflegerin oder Krankenpfleger auszubilden; Püster: „Zum Glück ist dieser Beruf so interessant, dass wir uns um die Zukunft der Pflegeausbildung keine Sorgen machen müssen“. Er beklagte gleichwohl, dass auch die Krankenpflege unter dem Finanzierungsproblem leide; dass eine angemessene Vergütung oft nicht mehr angeboten werde, und betonte in diesem Zusammenhang mit Nachdruck: „Wer qualifiziert ausgebildete Mitarbeiter nicht angemessen bezahlt, der wertet die Ausbildung ab“. Und das dürfe man nicht zulassen.
 

 
Dass ein Jubiläum sehr wohl ein Anlass wäre, in einem würdigen Rahmen gefeiert zu werden, unterstrich Bürgermeister Hubert Jahns in seiner zentralen Festansprache.
 
Der Repräsentant der Harzstadt spannte den Bogen denn auch zunächst einmal von der heutigen „Grundschule an der Jahnstraße“, die einst als Krankenhaus genutzt wurde, über den Neubau des Städtischen Krankenhauses im Verlauf der Lautenthaler Straße in den 50er Jahren bis hin zum Jahre 1952, als der Wunsch geäußert wurde, eine Krankenpflegeschule ausweisen zu wollen.
 
Jahns zeichnete anschließend den nicht immer leichten Weg nach, den es zu gehen galt, bis - nach einigen ablehnenden Bescheiden seitens des Niedersächsischen Sozialministeriums sowie langen und zähen Verhandlungen - endlich die Genehmigung erteilt wurde, die Krankenpflegeschule zum 1. Oktober 1953 zu errichten; er erinnerte daran, dass die Trägerschaft der Einrichtung von der DRK-Schwesternschaft „Märkisches Haus Berlin“ übernommen wurde, und bezifferte schließlich die Zahl der Krankenpflegeschülerinnen, die an besagtem 1. Oktober ihre Ausbildung begannen, mit neun - acht von ihnen legten zwei Jahre später dann ihr Examen mit Erfolg ab.
 
Die weiteren „Stationen“ in der Chronik der Krankenpflegeschule machte Jahns unter anderem am Jahr 1963 fest, als das Städtische Krankenhaus 210 Betten vorhielt und 41 Krankenschwestern und -pfleger sowie 20 Krankenpflegeschülerinnen zählte; am Jahr 1969, als das damalige Sanatorium Schildautal im Verbund mit der Krankenpflegeschule auch seine Krankenpflegeschülerinnen ausbilden lässt; am Jahr 1974, als der Verbund mit der Fachklinik Schildautal vereinbart wurde; am Jahr 1980, als die Trägerschaft von der Stadt Seesen übernommen wurde; am Jahr 1992, als die Krankenpflegeschüler einen Werbetag für ihren Beruf veranstalten, und - am Jahr 2003, als die Asklepios Kliniken Schildautal aus dem Verbund mit der Krankenpflegeschule ausstiegen.
 
Was Wunder, wenn Jahns rückblickend auf das vergangene halbe Jahrhundert von einer „Erfolgsstory“ sprach, die geschrieben wurde, und mit Blick auf die anstehende Rechtsformumwandlung seiner Hoffnung Ausdruck gab, dass diese Einrichtung nicht nur im Bestand gesichert, sondern gar noch verbessert werden könne.
   
 


 
3000 Jahre „Krankenpflege“ - ein Rückblick der besonderen Art
Seesen (poe). Der Ärztliche Direktor des Städtischen Krankenhauses, Dr. Willem Plass, hatte es im Anschluss an die Grußworte der Gäste übernommen, den verbalen Schlussstrich unter den offiziellen Teil des Festaktes zu ziehen. Er nun spannte den Bogen seines Rückblicks erheblich weiter als Bürgermeister Jahns - ließ Dr. Plass doch gleich 3000 Jahre Krankenpflege Revue passieren. 
Vor 3000 Jahren hätte sich die Pflege vorrangig auf die Beobachtung der Kranken und auf Diätetik beschränkt; 500 n.Chr. entstanden dann die ersten Klöster, in denen Arme und Kranke gepflegt wurden. Im 12. Jahrhundert hätten sich dann die Beginen der Krankenpflege gewidmet; im Mittelalter dann teilten sich die Bader, Chirurgen, Barbiere, Hebammen und die weisen Frauen das Wissen der Volksheilkunde.
 
Als Berufsbild gebe es, so Plass, die „Krankenpflege“ erst seit dem 19. Jahrhundert (Florence Nightingale); 1907 dann verabschiedete man das erste Krankenpflegegesetz, das eine einjährige Ausbildung vorsah, und wieder rund 50 Jahre später, in den 60er Jahren, begannen die Pflegenden erstmals damit, das bis dahin geltende Bild der „selbstlosen Aufopferung“ durch das Bild von kompetenten und hochspezialisierten Fachkräften zu „ersetzen“.
                                                     
                                                                                             KrankenpflegeschülerInnen rappen zum 50en
 
 
Neues Verständnis für Lernen und andere Prioritäten sind gefordert
Seesen (poe). Mit dem gesellschaftlichen Auftrag, den der Pflegeberuf zu erfüllen habe und denn auch erfülle, beschäftigte sich die Leitende Lehrkraft für Pflege, Ines Schipplick, im Rahmen ihrer Ausführungen, die sie sicherlich nicht von ungefähr unter das Motto „Die

Krankenpfleeausbildung im Wandel der Zeit“ gestellt hatte.
 
Sie nämlich machte diesen Wandel an den vergangenen fünf Jahrzehnten Krankenpflegeschule am Städtischen Krankenhaus Seesen fest; sie sprach da unter anderem von der besonderen Verantwortung einer Krankenpflegeschule und von der Notwendigkeit, die Krankenpflegeausbildung als einen permanenten Prozess zu verstehen und zu begreifen.  
Von der Jahrhundertwende bis zum Jahre 1957, so erinnerte Ines Schipplick, habe als Folge vielfältiger und unterschiedlicher Länderregelungen eine eher verwirrende Ausbildungssituation geherrscht; erst dann sei eine einheitliche gesetzliche Regelung verabschiedet worden.
 
Sie sah zunächst eine dreijährige Ausbildung mit 400 Unterrichtsstunden vor; das Examen konnte entweder nach zwei Jahren und einem sich anschließenden praktischen Jahr oder aber nach dem dritten Ausbildungsjahr abgelegt werden.
 
Anno. 1965 erfolgte nach ihren Worten dann eine verstärkte Betonung der theoretischen Ausbildung, wurde deren Anteil doch auf 1200 Unterrichtsstunden erweitert und zugleich die Ausbildungsdauer auf drei Jahre festgeschrieben.
 
Indes: Auch in den 70er Jahren sei man, wie sie ergänzte, mit der Ausbildungssituation noch nicht so recht zufrieden gewesen, hätten doch die Veränderungen mit Blick auf das medizinische Leistungsspektrum in Diagnostik und Therapie eine weitere Qualifizierung auch des Pflegepersonals erfordert. Unmittelbarer Anlass, den „Prozess der Krankenpflegeausbildung voranzutreiben“; .und das unter Berücksichtigung der gesetzlichen Veränderungen auf dem Gebiet der Bildung, der europäischen Einflüsse, der sozialdemographischen Veränderungen und vor allem der grundsätzlichen Neuorientierung im Pflegeverständnis. In der inhaltlichen Ausgestaltung des neuen Krankenpflegegesetzes von 1985 zumindest in Teilbereichen verankert, habe es für die Krankenpflegeschulen denn auch gegolten, dieser Entwicklung durch eine teilweise Neu- und Umorganisation der theoretischen und praktischen Ausbildung Rechnung, zu tragen; Ines Schipplick: „Und nunmehr stehen wir einmal mehr vor einer Veränderung der gesetzlichen Bestimmungen, tritt doch zum 1. Januar 2004 ein neues Krankenpflegegesetz in Kraft“.
 
Damit einher, so die Leitende Lehrkraft, gehe die Verpflichtung für die Krankenpflegeschulen, „ein neues Verständnis von Lernen sowie eine Lernkultur mit anderen Schwerpunkten einzuführen“ - projektorientierter Unterricht, eine fächerübergreifende Gestaltung des Stundenplans, die Vermittlung und Aufarbeitung problemorientierter Unterrichtsinhalte sowie eine bessere Bewältigung des Theorie-PraxisTransfers seien da nur einige Stichworte; Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitiative und die Bereitschaft zu lernen ein paar weitere.
 
Ziel auf jeden Fall müsse und werde es sein, das Pflegepersonal so optimal zu qualifizieren, dass es die Herausforderungen der Zukunft mit Bravour meistern können.
   

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