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Ein Patient, der vor seiner erneuten Akuterkrankung Bezieher von Arbeitslosengeld war, veränderte seine private und seine berufliche Situation relativ radikal und abrupt: in diesem Kontext zog mit einer sehr schnell mit einer Frau zusammen, die ein drängendes Aufenthaltsstatusproblem hatte, mietete gemeinsam mit der neuen Partnerin teure Gewerberäume an, um ein bestimmtes Fachgeschäft gemeinsam zu betreiben, des weiteren nahm er einen erheblichen Bankkredit zur Ausstattung der Gewerberäume auf. Beim Arbeitsamt stellte er den Antrag auf Überbrückungsgeld, um den Weg in die Selbstständigkeit zu erreichen. Seine Partnerin drängt auf kurzfristige Heirat, während seine Schwester anläßlich eines Besuchs "bereits bekanntes verändertes Verhalten" bei ihrem Bruder feststellt und den aus früheren Krankheitsepisoden bekannten Sozialarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes beim Bezirksamt einschaltet. Dieser erreicht gemeinsam mit der Schwester eine Einwilligung in einen freiwilligen stationären Aufenthalt beim Patienten. Resümee: Eine wesentliche sozialarbeiterische Fähigkeit, die kommunikative Kompetenz hat als Schlüsselkompetenz hier eine zielgerichtete Außenwirkung: Die Kontaktaufnahmen und die Auseinandersetzungen mit den Vertretern des sozialen Umfeldes, die unmittelbar von dem krankheitsbedingten Fehlverhalten betroffen bzw. auch zum Teil wirtschaftlich geschädigt sind. Hier empfiehlt sich ein vorsichtiges erklärendes bzw. exkulpierendes Vorgehen. Der Hinweis, dass das offensichtliche Fehlverhalten bzw. die Erwartungsenttäuschung (Mieteschulden betriebliche Vorkommnisse oder nicht erklärte Fehlzeiten etc) vor dem Hintergrund einer akuten Erkrankung zu sehen ist, führt vielfach zu einem Paradigmenwechsel bei dem Adressaten der bis zu dem Zeitpunkt oftmals von einem zielgerichtetem absichtsvollen Vorgehen des Patienten in der betreffenden Angelegenheit ausgeht. Vereinbarungen, die auf die Zukunft gerichtet (z.B. Einbindung in eine ambulante regelmäßige Betreuung bzw. Behandlung) sollen dabei einen ähnlichen bzw. erneuten Vorfall eher ausschließen, stabilisieren hier die sozialen Verhältnisse, die auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus für die Patienten wichtig sind. Es steht fest, dass die auftretenden sozialen Komplikationen der Klienten - falls sie nicht hinreichend sozialarbeiterisch gelöst werden - den primären Krankheitsverlauf negativ beeinflussen und den Rehabilitationsverlauf negativ beeinflussen. Die Vernachlässigung dieser Zusammenhänge wäre ein Kunstfehler, den sich die Psychiatrie heute nicht mehr erlauben darf. Der Begriff der sekundären Handykaps weist auf die sozialen Verstärkungsmöglichkeiten von psychischen Symptomen hin. Sowohl die sozialpsychiatrische Fragestellung als auch die ihre Interventionsformen lassen sich gut von der sozialen Arbeit bedienen., die für diese Behandlungsebene prädestiniert ist. Die soziale Arbeit in der Psychiatrie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die soziale Lage der Patienten und daraus resultierende Beeinträchtigungen angemessen erfassen und das verzweigte Netz von Sozialleistungen problemorientiert erschließen kann. Ansatz der Arbeit: Die soziale Arbeit in der Psychiatrie soll der Tatsache Rechnung tragen, dass neben körperlichen und seelischen Faktoren auch soziale Prozesse die Entstehung und den Verlauf einer psychischen Störung beeinflussen. Nach Kisker kommt es darauf an, "Barrieren in den sozialen Verhältnissen und im sozialverhalten von Personen abzubauen, die der Eingliederung in Arbeit, Beruf und Gesellschaft im Wege stehen." (Nach Mühlum 1996, Seite 319 Sozialpädagogisches Können). :: Soziale Arbeit leistet damit persönliche Hilfe, sie erschließt unterschiedliche Leistungen und bewegt sich in diversen Institutionen. :: Fallbezogen heißt dies zum Beispiel, dass die Sozialarbeit prüft ob es sich bei dem zu lösenden Problem um eher formlose Hilfe (Vermittlung an einen Treff der PSK), um Eingliederungshilfe, um berufliche Reha nach dem SGB III, um HWH oder andere Formen der nachklinischen Hilfe handelt. :: Es muss geklärt sein, welche Hilfe adäquat zum deutlich werdenden Bedarf im Einzelfall ist. Soziale Arbeit in der Psychiatrie ist damit einelementares Bindeglied zwischen den Schonräumen der psychiatrischen Behandlung und den gesellschaftlichen Anforderungen, auf die Patienten vorbereitet werden müssen.
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