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Projekt "Kunst im Krankenhaus" - KIK in der Landesvertretung der Stadt Hamburg in Berlin
 
Unter der Schirmherrschaft des NDR, KISS und des Spendenparlamentes
 
Als kleiner Junge malte und zeichnete Rainer St. sehr gern. Doch der Beruf verschüttete diese Kreativität. Erst als die einsamen Entscheidung als Unternehmensberater die Seele des Menschen krank machte, lotsten ihn Therapeuten wieder auf einen stark von der Kunst geprägten Weg. Gemeinsam mit anderen hat der 61-Jährige jetzt einen Pfad gefunden, über Bilder wieder Anerkennung in der Gesellschaft zu finden.
 
"KIK - Kunst im Krankenhaus" haben die bis zu 12 Männer und Frauen ihr Projekt betitelt. Alle sind ehemalige Patienten im Klinikum Nord. Dort treffen sie sich einmal pro Woche, um mit der Kunsttherapeutin Sylvia May die Arbeiten zu verfeinern. Die Postbank, die Galerie Art 20001 in Lauenburg und das Gemeindepsychiatrische Zentrum in Eimsbüttel boten den Künstlern Ausstellungsräume außerhalb des geschützten Krankenhauses. Im Mai. 2000 wurden Arbeiten aus der Gruppe im Kongresszentrum und im August des vergangenen Jahres im Altonaer Rathaus ausgestellt.
 
"Für mich ist wichtig, dass mein Bild, mein Thema Wert gefunden wird, in der Öffentlichkeit gezeigt zu werden", sagt Rainer St., der zu den Aktivsten in der Gruppe gehört. Er hat am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn ein sensibler Mensch durch das Raster der mitlaufenden Masse und des hervorragenden Individuums in unserer Gesellschaft fällt. Für ihn hat die Gruppe einen wichtigen Sozialisierungsprozess angestoßen. Für eine Bilderschau fertigen die Aktiven nicht nur ihre Bilder an und wählen dafür gemeinsam mit der Kunsttherapeutin die Besten aus. Darüber hinaus rahmen sie die Werke, transportieren sie und sorgen für die Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam mit Mitarbeitern des Sozialdienstes.
 
Die Kollegin, die studierte Pädagogin ist und als Kunsttherapeutin im Suchtbereich, Hs. 35 arbeitet, weiß: "Nicht jedem liegt der intensive Kontakt in der Gruppe. Einige malen auch nur Zuhause. Da gibt es bei uns keine Grenzen, so dass jeder für sich selbst entscheidet, wie weit er sich einbringt." Ihr Kriterium für die Kunst beschreibt die 39-Jährige: "Es muss etwas Überindividuelles sein, so dass der Betrachter sich selbst angesprochen fühlt, aber auch dem Künstler begegnet."
 
Der Heidelberger Psychiater Hans Prinzhorn gilt als einer der wichtigsten Entdecker von Patientenkunst. In seinem Buch "Die Bildnerei der Geisteskranken" machte er 1922 darauf aufmerksam, dass psychisch kranke Menschen überdurchschnittlich wertvolle Werke schaffen konnten. Er hatte damals etwa 6000 Bilder, Zeichnungen und Skulpturen in Europa gesammelt. "Gelegentlich hatten die Anstaltsleitungen diese Kunst gefördert, aber eine Kunsttherapie im heutigen Sinn war dafür nicht ausschlaggebend", sagt die Kunsttherapeutin Sylvia May. Kunst blieb damals meistens eine Möglichkeit für die Ärzte, in die Seelen ihrer verschlossenen Patienten zu blicken. Das Malen wurde erst später als Therapie eingesetzt, um motorische Störungen abzubauen. Anfang der 70-er Jahre kamen Kunsttherapeuten in den Krankenhäusern zu mehr Geltung. Zu den wichtigen Förderern der Patientenkunst gehört in unserer Zeit der Österreicher Leo Navratil. Er gründete 1981 in Gugging das Haus der Kunst, in dem noch heute Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung leben und arbeiten. In Schleswig-Holstein hat sich der Nervenarzt Manfred in der Beek jahrelang um den Kontakt zwischen Patienten und Öffentlichkeit gekümmert.
 
Mit der Einladung der Gruppe Kik durch die Sozialsenatorin Frau Karin Roth u.a. auf Anregung der Hamburger Bundestagsabgeordneten Birgit Schnieber-Jastram wollten alle Beteiligten auch ein Zeichen setzen im Sinne der Antistigmatisierung psychisch Kranker in der Öffentlichkeit bzw. in den öffentlichen Medien.Ulrich v. Bock, Dozent am FB Architektur der Fachhochschule Hamburg, nahm am 26.6.01 anl. der Vernisage in der Jägerstraße in Berlin Mitte die künstlerische Würdigung der insgesamt ca. 60 ausgestellten Bilder von KIK vor. Unterstützung bekamen die Organisatoren von dem Projekt irrsinnig menschlich e.V. aus Leipzig, dass sich seit langer Zeit um Fragen der Stigmaforschung von psychisch Kranken beschäftig. Unseren vielen Förderern insbesondere der Firma Lilly aus Bad Homburg ist an dieser Stelle besonders zu danken.
 
Die Ausstellung war bis Anfang August 01 mit 60 Exponaten in der Hamburg Vertretung beim Bund zu sehen. Sie wird wahrscheinlich im Laufe des nächsten Jahres im Hause der Berliner Ärztekammer wiederholt.
 
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