Projektstatus
Das Projekt "Gesundheitslotse für Gehörlose" stellt eine Neuheit in Deutschland dar. Das gebärdensprachliche Angebot der Psychiatrischen Ambulanz besteht bereits.
Das Behandlungsangebot in Gebärdensprache wird sich ständig erweitern. Sie können dabei mit Ihren Anregungen den Fortschritt des Projekts unterstützen.
Wir werden Sie an dieser Stelle über Neuigkeiten informieren. Gehörlose Patienten sind herzlich willkommen. Wir bemühen uns um Ihren bestmöglichen Aufenthalt im Klinikum Nord!
Ihr Gesundheitslotsen-Team
Presse
Ausschnitt aus dem "LBK-Forum" vom August 2004:
Gesundheitslotse für Gehörlose" (GLG)
Klinikum Nord startet Modellprojekt
Um für gehörlose Menschen eine hohe medizinische Versorgungsqualität sicherzustellen, hat das Klinikum Nord das Modellprojekt "Gesundheitslotse für Gehörlose" ins Leben gerufen. Ziel ist es, das breitgefächerte medizinische Dienstleistungsangebot des Klinikum Nord im Sinne einer Integrierten Versorgung auch Hörgeschädigten zugänglich zu machen.

Im Großraum Hamburg leben etwa 3.000 gehörlose Menschen, die hauptsächlich Gebärdensprache benutzen. Dazu kommen ca. 10.000 Schwerhörige und Spätertaubte, die auf visuelle Kommunikation angewiesen sind. Da sie im medizinischen Bereich kaum Gebärdensprachkompetenz vorfinden, kommt es bei der ambulanten und stationären Versorgung immer wieder zu Schwierigkeiten. Probleme entstehen z.B. schon bei dem Wunsch zur spontanen Kontaktaufnahme seitens Patient oder Arzt. Aber auch die schnelle und gezielte Anamneseerhebung sowie die geforderte umfassende Information über diagnostische und therapeutische Maßnahmen stoßen in der Regel auf Verständigungs- und in der Folge auch Verständnisschwierigkeiten. Schriftliche Kommunikation oder Lippenlesen sind in dieser Situation kein geeigneter Ersatz. Auch der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern stellt wegen oftmals eingeschränkter Verfügbarkeit, vorhandener Vertraulichkeitsbedenken sowie aus wirtschaftlichen Gründen für Patient und Arzt nicht immer die optimale Lösung dar.

Das Modellprojekt soll hier Abhilfe schaffen. "Wir möchten neue Kommunikationsprozesse für die medizinische Versorgung etablieren, um adäquat auf die Bedürfnisse von Hörgeschädigten eingehen zu können", sagt Dr.Wolfgang Butenuth, Leiter des Projekts in Hamburg. Erste Zielsetzung ist die Implementierung eines "Gesundheitslotsen". Dieser beherrscht die Deutsche Gebärdensprache und soll im Sinne des Hausarztmodells als Berater und Begleiter während der gesamten Behandlungszeit fungieren. Außerdem ist die Bildung eines Teams aus Ärzten, Mitarbeitern aus Diagnostik, Therapie und Pflege und z.T. der patientennahen Verwaltung mit entsprechender kommunikativer Kompetenz angestrebt. Die im Sozialgesetz geforderte "kommunikationsbarrierefreie Kontaktaufnahme bei der Anmeldung" soll entsprechend umgesetzt werden. Meilensteine in der Projektumsetzung sind die Einrichtung einer ersten Anlaufstelle für Patienten im Sinne einer hausärztlichen Institutsambulanz und die Gewinnung gebärdensprachkompetenter Mitarbeiter mit Qualifikation und Erfahrung im medizinischen Bereich. Die Finanzierung soll durch Anwerbung von Drittmitteln und den Abschluss von gesonderten Krankenkassen-vereinbarungen erreicht werden.
Das Projekt "Gesundheitslotse für Gehörlose" ist aus versorgungspolitischen, wirtschaftlichen und ethischen Gründen bedeutsam. Mit ihm kann für eine bisher stark vernachlässigte Patientengruppe eine integrierte und qualitätsgesicherte medizinische Versorgung erreicht werden.
Aus dem Hamburger Wochenblatt Nr.6 vom 9.2.2005
"Krista Sager besuchte Sozialpsychiatrie im Klinikum Nord (…).
Langenhorn (bjh). Der enge Zeitplan einer Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag führt nur in ganz seltenen Fällen direkt in die Psychiatrie. Krista Sager, Grünen-Fraktionschefin aus Hamburg, kam daher jetzt auch auf Einladung des Klinikum Nord. Sie ist Schirmherrin des TAS-Projektes, der aufsuchenden Psychiatrie für Wohnungslose (…). Martina Gregersen, sozialpolitische Sprecherin der GAL- Bürgerschaftsfraktion, begleitete Krista Sager bei der Vorstellung von zwei aktuellen Projekten der Sozialpsychiatrie des Klinikums. Im Mittelpunkt standen dabei die Schuldnerberatung für psychisch Kranke sowie der Gesundheitslotse für Gehörlose. (…) Für das Modellprojekt Gesundheitslotse für Gehörlose übernehmen in der aktuellen Planungsphase die öffentliche Arbeitsverwaltung und das Hamburger Integrationsamt die Kosten. Ziel ist es, den rund 3000 Gehörlosen im Großraum Hamburg im Klinikum Nord einen Gesundheitslotsen zur Seite zu stellen, der gebärdensprachkompetent als Berater oder Begleiter fungiert. So will man alle Dienstleistungen des Bezirkskrankenhauses für Gehörlose öffnen. Projektleiter Dr. Wolfgang Butenuth assistiert der gehörlose Arzt Andreas Paulini. Nach einem Jahr Laufzeit erhofft man sich genaue Zahlen über die Nutzung dieses Angebots. Dr. Heinzpeter Moecke, Ärztlicher Direktor des Klinikums, versprach zudem die Ausweitung des Projekts bei Bedarf."
Aus Der Eppendorfer, Zeitschrift für Psychiatrie, 3/ 2005:
Klinikum Nord Ochsenzoll setzt auf "Gesundheitslotsen" und Gebärdensprache. Hamburg (frg).
3000 gehörlose Menschen leben im Großraum Hamburg. Da sie hauptsächlich die Gebärdensprache benutzen, haben sie vor allem ein Problem: die barrierefreie Kommunikation. Ein Bereich, in dem die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit zu einem großen Handicap wird, ist die medizinische Versorgung. Insbesondere dort, wo der Anteil an sprachlicher Interaktion hoch ist, etwa bei der ärztlichen Erhebung der Krankengeschichte, bei Gesprächen über die aktuelle Symptomatik sowie bei der Aufklärung über diagnostische und therapeutische Maßnahmen kann es zu erheblichen Schwierigkeiten kommen. Derzeit werden Behandlungsangebote in Gebärdensprache so gut wie gar nicht vorgehalten, und es gibt nur wenige Ärzte mit Gebärdensprachkompetenz. Diesem Missstand will das Klinikum Nord nun mit einem Modellprojekt begegnen. Titel: "Gesundheitslotse" für Gehörlose.
Der Projektansatz hat das Ziel, das medizinische Dienstleistungsangebot auch Gehörlosen zugänglich zu machen. Gehörlose Patienten, besonders in der Psychiatrie, sollen in einer ersten Anlaufstelle in Gebärdensprache aufgenommen und mit dieser während der Behandlung begleitet werden. Angestrebt wird deshalb die Bildung eines Teams mit kommunikativer Kompetenz (hörgeschädigte Ärzte, hörgeschädigte Pflegekräfte und eine patientennahe Verwaltung). Der hörgeschädigte Arzt Andreas Paulini wird die Versorgung in diesem Bereich übernehmen.
Dr. Wolfgang Butenuth, Leiter des Projekts und Oberarzt der dritten Psychiatrischen Abteilung am Klinikum Nord, stellte beim Pressetermin mit Krista Sager klar, dass im besonders kommunikationsintensiven Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie die Verständigungsprobleme und Informationsdefizite sehr hoch seien. (…). "Die Lösung kann nur sein, dass Gebärdensprache und medizinische Fachkompetenz ineinander greifen. Wir möchten neue Kommunikationsprozesse für die medizinische Versorgung etablieren, um adäquat auf die spezifischen Bedürfnisse von Hörgeschädigten eingehen zu können."
Der die Gebärdensprache beherrschende "Gesundheitslotse" soll (…) als Berater und Begleiter während der gesamten Behandlungszeit fungieren. Schon bei der Anmeldung im Krankenhaus soll eine barrierefreie Kommunikation ermöglicht werden. Die Einrichtung einer ersten Anlaufstelle im Sinne einer (…) Institutsambulanz könnte ein Meilenstein bei der Projektumsetzung werden. (…) Ausgehend vom Tätigkeitsschwerpunkt Psychiatrie sollen die gewonnenen Erkenntnisse schon im frühen Projektverlauf auf die somatischen Fächer des Klinikums Nord ausgeweitet werden (…).