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Körperbezogene Aspekte in der Begleitung demenzkranker Menschen - Teil 3
 
Auszug aus: Claus Wächtler "Demenzen", Thieme Verlag
 
Inkontinenzversorgung
 
Viele demenzkranke Menschen sind harn- und stuhlinkontinent. Über einige Zeit der Erkrankung ist es für alle Beteiligten das Leichteste, wenn eine gewisse Regelmäßigkeit und Vorhersehbarkeit insbesondere der Darmentleerung durch regelmäßige, individuell angepasste Angebote von Toilettengängen erzielt werden können. Auch hierbei ist jeder Leistungsdruck zu vermeiden - man geht einfach mal in die Toilette und schaut, was da zu tun ist. Wie bei vielen anderen Handlungen, die die betroffene Person durchführen soll, erweist sich das Vormachen und Initiieren des Ablaufes durch die Begleitperson als sinnvoll. Nun kann sich diese natürlich oft nicht entkleiden und sich auf die Toilette setzen, um die Erinnerung des Demenzkranken anzuregen. Oft hilft es als Initialreiz schon, wenn die Betreuungsperson den Toilettendeckel hebt, eine Entkleidungs- und Hinsetzsituation langsam durch die Bewegungsabläufe andeutet. In vielen praktischen Situationen war zu erleben, wie es durch dieses Herangehen gelang, Demenzkranke ohne weitere Probleme beim Toilettengang zu unterstützen. Wenn eine Person die Toilette nicht mehr erkennt und sich geängstigt fühlt, sollten die Toilettengänge aufgegeben werden. Eine Versorgung mit adäquaten Inkontinenzhilfen ist dann weniger belastend für die Pflegebeziehung als die ständigen Konflikte.
 
Bis in fortgeschrittene Stadien der Erkrankung ist auf die individuellen Zeichen der Kranken für den Toilettengang zu achten. Dies sind beispielsweise einsetzende Unruhe, Hochheben des Rockes, Auf- und Abgehen vor der Toilette. Immer wenn die/der Kranke sich auf diese bzw. seine Weise äußert, sollte er auf die Toilette gebracht werden und dort die Möglichkeit erhalten, sich zu entlasten. Um dem Kranken das Auffinden der Toilette zu erleichtern, kann die Türe offen bleiben. 
Ein häufiges Phänomen der Stuhlentleerung bei demenzkranken Menschen sind Obstipation und eine inkomplette Darmentleerung als Nebenwirkung von Psychopharmaka. Hier sollte die Ausscheidung sorgfältig überprüft und ggf. mit leichten Abführmitteln, Nahrungsumstellung und Steigerung der Trinkmenge unterstützt werden.
 
Die Angehörigen fühlen sich durch den Umgang mit Inkontinenz oft besonders belastet. Sie benötigen professionelle Aufklärung und Anleitung zum Umgang mit dem Problem und den entsprechenden Hilfsmitteln. 
Begleitung von Menschen mit Demenz im Ausleben ihres Bewegungsdranges
 
Von Demenz betroffene Personen lieben es im Allgemeinen sich zu bewegen. Bewegen, insbesondere Laufen, vermittelt ihnen offensichtlich ein Gefühl von Kompetenz und Selbstbestimmung. Demenzkranke zur Ruhe anhalten zu wollen, ist widersinnig. Gerade bei sturzgefährdeten Personen ist die pflegerische Beobachtung und Risikoabschätzung besonders wichtig. Risiken entstehen durch das Stolpern in zu gering beleuchteten Räumen, denn Demenzkranke benötigen eine schattenarme Ausleuchtung der Räume mit 500 Lux in Augenhöhe, durch zu groß gewordene Kleidung und unverschnürte Schuhe, durch Nachwirkungen von Schlafund Beruhigungsmitteln am Vormittag und durch Gangbild- und Gangablaufstörungen. Das Anziehen von Trochanterschutzhosen und Sturzhelmen ermöglicht es auch mobilen, jedoch zu Stürzen neigenden Menschen, ihren Bewegungsdrang gefahrenarm auszuleben. Das Anbringen von Haltegriffen, Handläufen und rutschfesten Bodenbelägen reduziert das Sturzrisiko bei Demenzkranken genauso wie der Verzicht auf starke Musterung bzw. Kontraste aus hellen und dunklen Farben im Bodenbelag. Regelmäßige Spaziergänge mit Begleitpersonen sollten besonders den demenzkranken Menschen angeboten werden, die über viele Stunden in Sesseln sitzen bzw. fixiert sind.
 
Eine besondere Verantwortung tragen Pflegepersonen in der Gestaltung eines Bewegungsangebotes für schwerst demente bettlägerige Personen. Eingerollt in eine Art Embryonalstellung scheinen sie die Welt um sich herum kaum mehr wahrzunehmen. Bei diesen Menschen sollten, eingebunden in das tägliche Pflegeprogramm, wahrnehmungsfördernde und sicherheitsstiftende Bewegungs- und Spürerfahrungen angeboten werden, z. B.: 
:: Wiegen und Schaukeln in den Armen der auf dem Bettrand sitzenden Pflegeperson,
:: Unterstützung der Atmung und Anbieten von körperlicher Zuwendung durch die Anwendung der Rhythmischen Einreibung nach Ita Wegmann
   oder der Atemfördernden Einreibung nach Christel Bienstein.
 
:: Weiter zu Teil 4
 
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