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Auszug aus: Claus Wächtler "Demenzen", Thieme Verlag Unterstützung eines demenzkranken Menschen beim Kleidungswechsel Demenzkranke Menschen scheinen in einer traumartigen inneren Welt zu leben, in der sie sich als jung und in der Mitte des Lebens stehend, als leistungsfähig, selbstständig, gesund und unauffällig wahrnehmen (Wojnar 2000). Wer kann einer solchen Person verdenken, dass sie selbst entscheiden möchte, ob und wann sie ihre Kleidung wechselt? Demütigend und wenig hilfreich sind Strategien, die dazu dienen sollen, der betroffenen Person die Realität durch Äußerungen, wie: „Das Kleid ist aber ganz schmutzig, Sie riechen doch schon." nahe zu bringen. Die betroffene Person spürt die Abwertung und Zurechtweisung in der Aussage und wehrt sich gegen die Maßnahmen. Erfolgreiche Strategien knüpfen eher an die planerische Kompetenz und Anpassungsfähigkeit der Umwelt des Betroffenen an, beispielsweise: :: Am Abend die Kleidung für den nächsten Tag gut sichtbar bereitlegen, :: beschmutzte Kleidung aus dem Blickfeld nehmen, :: die Spielräume für Toleranz in der Familie bzw. in der Wohngruppe ausloten und so weit wie irgend möglich ausschöpfen, einen für die betroffene Person günstigen Zeitpunkt wählen und sich gemeinsam umziehen, d. h. an sich selbst vormachen, was die betroffene Person tun soll, :: den Kleidungswechsel immer in der gleichen Reihenfolge anbieten, dabei leise ein gemeinsames Lied singen, das kann entspannend wirken, :: der/dem Kranken weitgehend die Art des Ankleidens überlassen. Es liegt in der Verantwortung der Begleitperson dafür Sorge zu tragen, dass die demenzkranke Person den Wohnraum in witterungsgerechter Kleidung verlässt. Körperpflege Hier geht es im Wesentlichen um adäquate Angebote von Hand-, Zahn- und Nagelpflege. Viele Demenzkranke haben es nicht gerne, wenn ihre Haut mit Wasser in Berührung gebracht wird. Darüber hinaus spüren sie deutlich den aufgestauten inneren Druck ihrer Betreuungspersonen, gerade wenn Körperpflegemaßnahmen ein Problem sind. Oberstes Prinzip ist auch hier, den Druck aus der Situation zu nehmen, abzuwägen, ob Körperpflege beispielsweise heute dringend erforderlich ist, einen Moment guter Stimmung abzupassen, unnötige Erklärungen zu vermeiden und ein ruhiges, zugewandtes und konsequentes Verhalten zu zeigen. Die Ausführung dieser konfliktbeladenen Handlungen sollte von der Bezugsperson übernommen werden, die den besten Kontakt zum Demenzkranken hat. Sie sollte dann noch einmal bei dem ersten Zeichen von Widerstand des Kranken für sich prüfen, ob Zeitpunkt und Setting stimmen und ob die geplanten Reinigungsaktivitäten wirklich nicht verschoben werden können. Wenn dies nicht möglich ist, hat die Begleitperson die Aufgabe, die Körperpflegesituation so angenehm und entspannend wie möglich zu gestalten. Viele Alteneinrichtungen sind beispielsweise dazu übergegangen, ihre Bäder mit Musik auszustatten, mit Duftlampen, bunten Farben, Muscheln, Mobiles, Seepferdchen und -sternen zu versehen, um sie zu einer sinnesfrohen Oase zu machen, in der es sich lohnt, in die duftenden Schaumwellen zu tauchen. Diese Umweltveränderung wirkt sich positiv sowohl auf die betroffene Person als auch auf ihre Begleitung aus. Hautpflege Nach Bad oder Dusche sollte die Haut sorgfältig eingecremt werden. Hier bietet sich die beruhigende oder anregende Einreibung aus der basalen Stimulation an: Beruhigend bedeutet, die Körperlotion/das Öl mit langen, fließenden und ruhigen Strichen mit der Haarwuchsrichtung aufzutragen, anregendes Einreiben erfolgt in kurzen Strichen gegen die Haarwuchsrichtung. Als Zusätze kommen zur Beruhigung Lavendel- und Rosenöl und zur Anregung Rosmarin und Pfefferminz in Betracht. Zahnpflege Insbesondere bei bestehenden natürlichen Zähnen sind die Zahnpflege und die Inspektion der Mundhöhle ein wichtiges Element der Pflege. Das Öffnen des Mundes wird durch den Einsatz wohlschmeckender Zahncremes, z. B. Kinderzahncremes, Fruchtsaft o. ä. erleichtert. In jedem Fall sollte Rücksprache mit dem behandelnden Zahnarzt bzw. einer Klinikambulanz genommen werden, wenn ein Verdacht auf Zahnschmerzen besteht. Nagelpflege Das Schneiden von Finger- und Zehennägeln ist bei demenzkranken Menschen eine heikle Angelegenheit. Hilfreich kann es sein, daraus eine genussvolle Aktion mit wohlriechenden Hand- und Fußbädern zu machen. Dieses Vorgehen senkt das Angstpotenzial. In jedem Fall sollte wegen der hohen Verletzungsgefahr vorsichtig und zu zweit gearbeitet werden. Am besten ist es, einen medizinischen Fußpfleger hinzuzuziehen. Das professionelle Ambiente, die Kleidung und das routinierte Herangehen der Profis geben der demenzkranken Person oft ausreichende Sicherheit, um die Maßnahmen zu tolerieren. :: Weiter zu Teil 3 |
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