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Nun noch drei Beispiele zu nicht untypischen Verläufen: 1. Eine Patientin war vor der Behandlung bei uns acht Jahre fast durchgehend und ohne Besserung in mehreren psychiatrischen Kliniken; jetzt steht sie bei uns nach rund zwei Jahren kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der stationären Behandlung. 2. Eine Patienten musste anderenorts monatelang wegen schwerster Auto- und Fremdaggressionen fixiert werden. Nach Beendigung der Therapie bei uns wurde ihr das Sorgerecht für ihr Kind wieder zuerkannt. 3. Eine Patientin konnte angstbedingt über lange Zeit ihre Wohnung nicht verlassen und folglich nicht studieren, verletzte sich selbst massiv und unternahm zahlreiche Suizidversuche. Sie wurde an einer Universitätsklinik als nicht behandelbar eingeschätzt. Sie ist seit Jahren entlassen und mittlerweile weitgehend angstfrei. Sie lehrt als Dozentin an einer Universität in den USA. In zahlreichen Städten der Bundesrepublik werden nun - oft nach Besuchen unserer Borderline-Stationen - Stationen nach dem Vorbild "Borderline-Station des Klinikum Nord" aufgebaut. Unser Konzept hat sich über ein Jahrzehnt bewährt, aber es ist inzwischen nicht mehr gesichert, ob wir diese Arbeit (bei wachsendem Bedarf) werden fortführen können. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Einige sollen - bei grundsätzlicher Akzeptanz wirtschaftlicher Zwänge - im Folgenden aufgeführt werden: :: Eine nicht ausreichende personelle Besetzung führt zu einer Zunahme von z.B. selbstverletzendem Verhalten der Patienten, einer unangemessen hohen Medikation sowie einer Verlängerung der Behandlungsdauer; zu berücksichtigen wäre auch der besondere Schwierigkeitsgrad bzgl. der Behandlung dieser schwer gestörten Patientengruppe :: Erforderlich ist eine hohe personelle Konstanz, jedem Wechsel eines Therapeuten folgt seitens mehrerer betroffener Patienten schwere Suizidalität :: Die Einarbeitungszeit ist - insbesondere auf Grund der zu erlernenden spezifischen therapeutischen Techniken - sehr lange, Personalrotation würde das Konzept zerstören :: Während das Behandlungsziel immer seltener einen allgemein berücksichtigten Faktor darstellt, wird zunehmend nur noch um die Behandlungsdauer (besser: Behandlungskürze) diskutiert. Traumatisierungen lassen sich aber nicht forciert bearbeiten, dies hätte u.U. den Suizid des Patienten zur Folge. Die Folge einer Priorität der Behandlungsdauer wäre die Unbehandelbarkeit von Borderline-Patienten mit der Folge einer sich innerhalb der jeweiligen Familien über Generationen fortsetzenden Traumatisierung. Die Psychiatrie hinsichtlich der Behandlungsdauer mit etwa der Chirurgie gleichzusetzen käme einer Verkennung der Realität gleich: Ist der Blinddarm raus, ist er raus. Die Psyche bleibt (mit ihren Narben) lebenslang bestehen; hier muss also der Lebenszeitprognose eine wichtigere Rolle eingeräumt werden als der Dauer einer einzelnen Behandlungsepisode :: Stichwort Sektorisierung: Immer mehr kleine psychiatrische Abteilungen entstehen, ohne dass diese eine Chance zur Umsetzung von Spezialangeboten (wie unserer Borderline-Station) haben können. Die effektiven Behandlungstechniken in Psychiatrie und Psychotherapie haben in den letzten Jahren rapide zugenommen, bisher unbehandelbare Patienten wurden behandelbar. Kein Therapeut kann alle diese therapeutischen Methoden beherrschen, so dass nur in großen Kliniken entsprechende spezifische Therapiemethoden vorzuhalten sind, die eigentlich ein Zeichen des Fortschritts und der verbesserten Chancen für psychiatrische Patienten sind. Diese Entwicklung zu effektiveren und spezielleren Techniken wird weitergehen, wenn die äußeren Bedingungen dafür vorgehalten werden können. Hier kann Hamburg seine Funktion als Metropole verdeutlichen, insbesondere da die Sektorisierung in Flächenländern notwendiger ist als in einer Großstadt. Die spezifische Behandlung von Borderline-Patienten reduziert bereits mittelfristig die Kosten für Krankenkassen, Justiz, Polizei usw., denn eine erfolgreiche Borderline-Therapie führt u.a. zu weniger sexuellem Missbrauch, weniger körperlicher Misshandlung, weniger Delinquenz, weniger Drogen- und Alkoholkonsum. Eine effiziente Behandlung von Borderline-Patienten ist zudem von generationsübergreifender Bedeutung. Auch diesbezüglich stehen wir im Gesundheitswesen am Scheideweg. :: Mitarbeiter und Publikationen der Borderline-Station |
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