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Die Traumatisierungen führen zum Borderline-typischen Zentralsymptom, der diffusen, frei flottierenden Angst, die auf Grund ihrer engen Verbindung zur "Vernichtungsangst im Säuglingsalter" (im Sinne Winnicotts) sowie zur Angst während der konkreten Traumatisierungshandlungen eine besondere Bedrohlichkeit besitzt. Der Borderline-Patient wird also alles versuchen, diese Angst zu minimieren. Dies geschieht auf zwei Wegen. Zum einen der Ausbildung von Symptomen, durch die diffuse Angst gemildert oder ausgerichtet wird. Einige Beispiele: :: Phobie: Wenn man weiß, wovor man Angst (z.B. enge Räume, Schlangen) hat, ist dies bereits eine Entlastung :: Drogenkonsum: Heroin ist besonders gut anxiolytisch wirksam (1/3 aller Drogen- und Alkoholkranken leiden primär an einer Borderline-Störung) :: Dissoziative Symptome: Bereits während der Realtraumatisierung - also in Kindheit und Jugend - wurde oft die Erfahrung gemacht, dass innerhalb der Bedrohungssituation die "Seele den Körper verlassen" kann. Auch z.B. KZ- und Folteropfer haben derartige Erlebnisse berichtet. Nunmehr gilt der Inzest allein dem Körper, aber nicht mehr der Seele: Dies führt zur Entängstigung. Diese Methode der Entlastung (also Dissoziationen) wird oft als erfolgreich erlebt und dann als unbewusster Vorgang beibehalten, so dass Borderline-Patienten auch als Erwachsene insbesondere in Krisensituationen dissoziieren und dann "nicht mehr erreichbar" sind. Die extreme Variante stellt die sog. multiple Persönlichkeitsstörung dar, bei der mehrere Persönlichkeitszustände (DSM-IV: "personality states") in einer Person sind. Diese kann aber nicht willentlich steuern, wann welcher Persönlichkeitszustand - vergleichbar mit voneinander getrennt gehaltenen Charaktereigenschaften - im Vordergrund steht. Das belastet jede Form engerer Beziehungen massiv. So berichtete der Ehemann einer Patientin, er halte es nicht mehr aus, abends beim Einschlafen nicht zu wissen, neben welcher Person er morgens aufwachen wird (etwa der bösen Frau, dem kleinen und liebebedürftigen Kind etc.) :: Delinquenz, z.B. manche fremdaggressive Taten von Skins gegenüber fremdländisch wirkenden Mitbürgern, aber auch andere, insbesondere gemeinschaftlich begangene Straftaten ("Crash-Kids"). Angstreduzierung ensteht entweder dadurch, dass der "Feind" außerhalb der eigenen Person ausgemacht wurde, oder dadurch, dass eine "verschworene" Gemeinschaft besteht. Nachgewiesen ist mittlerweile, dass fast ein Drittel der erstinhaftierten männlichen und ein Fünftel der weiblichen deutschen Strafgefangenen eine Borderline-Störung aufweisen :: Psychotische Symptome: Hier sind insbesondere Pseudohalluzinationen zu nennen, die eine visuelle, häufig symbolhafte Wiedererlebensform der früheren Traumatisierung darstellen, oft vor dem Einschlafen/nach Eintritt der Dunkelheit auftreten, dann mit Panik verbunden und so eine häufige Ursache von Schlafstörungen der Borderline-Patienten sind. Es handelt sich hierbei um keine Halluzinationen wie bei Schizophrenen, die im Gegensatz zu den Pseudohalluzinationen von Borderline-Patienten typischerweise als Ich-synton erlebt werden können. Pseudohalluzinationen sind psychopharmakologisch praktisch nicht zu behandeln Zum anderen geschieht die Entängstigung bei instabiler Struktur des Ich (dieses wurde durch die Traumatisierung gewissermaßen "zerstört", weshalb Shengold Inzest auch als "Seelenmord" bezeichnet) durch Verlagerung der Innenwelt nach außen. Der traumatisierende Elternteil wurde häufig ja als auch fürsorglich und Liebe gebend erlebt. Diese beiden konträren Bilder desselben Elternteils konnten in der Kindheit/Jugend nicht integriert werden - die Folge sind voneinander getrennt gehaltene innere Bilder von anderen (gut vs. böse), aber auch von sich selbst (das Inzestopfer beschuldigt sich typischerweise, am Inzest maßgeblich mitschuldig zu sein); fachlich gesprochen entstand - auf Grund einer gestörter Fähigkeit zur Integration unterschiedlicher Aspekte derselben Person - eine Spaltung der Selbst- wie Objektrepräsentanzen. Hierdurch wird eine angstmindernde Orientierung möglich: Die einen sind nur gut, die anderen nur böse. Dieser Abwehrmechanismus ("Spaltung") wird durch mehrere Hilfsabwehrmechanismen unterstützt, z.B. durch :: die sog. primitive Idealisierung (z.B. des Arztes) sowie Entwertung (typischerweise des Pflegepersonals), was bei nicht speziell geschultem Personal zu zwei Parteien innerhalb desselben Teams führt, die sich "bekriegen"; dieses dient dem Patienten zur entlastenden Orientierung :: die sog. projektive Identifizierung, die dazu führt, dass der Patient seine Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit und Wut im Gegenüber unterbringt, der dann diesen Gefühlen bei ungenügender eigener Reflexion unterworfen ist und sie mit eigenen Gefühlen "verwechselt"; das führt nicht selten zu ungerechtfertigten "therapeutischen Maßnahmen" (wie zu hoher sedierender Medikation, Fixierung oder Entlassung "aus disziplinarischen Gründen") Therapie der Borderline-Störung |
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