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Bei Fixation auf einen festen Punkt steuert unser Gehirn die Augenstellung so, daß beide Augen beim Sehen genau auf diesen Punkt gerichtet sind. Beim Blick geradeaus in die Ferne stehen somit beide Augen mit ihren Sehachsen zueinander parallel. Ein Objekt wird dann in beiden Augen in der Netzhautmitte (Stelle des schärfsten Sehens) abgebildet. Randbereiche des Objektes oder daneben stehende Dinge liegen auf einem anderen Netzhautort in einem bestimmten Abstand von der Netzhautmitte. Alles, was wir mit der Netzhautmitte ansehen, erscheint uns in der Richtung als geradeaus. Da das Bild, das in unseren Augen von der Umwelt entsteht, höhen- und seitenverkehrt ist und erst im Gehirn wieder aufgerichtet wird, sehen wir etwas, das z. B. an einem Netzhautort links von der Netzhautmitte abgebildet wird, als rechts von geradeaus. So besitzt jede Netzhautstelle ein bestimmtes Richtungsempfinden, das in beiden Augen identisch ist. Diese Deckungsgleichheit beider Netzhäute wird Netzhautkorrespondenz genannt. Wenn ein Auge einen Gegenstand fixiert und das andere Auge vom Geradeausblick abweicht, liegt ein Schielen vor. Beim Schielen wird der Gegenstand in dem abweichenden Auge auf einer anderen Netzhautstelle als im fixierenden Auge abgebildet. Diese andere Netzhautstelle hat auch einen anderen Richtungswert. Der Gegenstand erscheint somit doppelt: Mit dem fixierenden Auge sehen wir ihn geradeaus, mit dem abweichenden Auge an einem anderen Ort. Im täglichen Leben treten aber auch ständig andere Doppelbilder auf, deren Wahrnehmung unser Gehirn unterdrückt. Alles, was sich z. B. vor oder hinter einem fixierten Objekt befindet, erzeugt Doppelbilder. Wir können uns dieses Phänomen leicht vergegenwärtigen, wenn wir z. B. einen Finger erhoben vor unsere Augen halten, aber gleichzeitig in die Ferne, z. B. aus dem Fenster schauen: Der Finger erscheint doppelt. Die Tatsache, daß die Dinge, die wir direkt anschauen, uns nicht doppelt erscheinen, verdanken wir der Fusion. Darunter versteht man die Fähigkeit, die Seheindrücke beider Augen zu einem einzigen Bild zu verschmelzen. Ohne Fusion würden die Augen in eine individuelle Ruhelage abweichen, in der man dann meist doppelt sieht. Ist die Fusion beeinträchtigt, z. B. durch Müdigkeit oder Alkohol, treten bei ca. 80 % aller Menschen Doppelbilder auf. Bei ihnen liegt also ein verborgenes Schielen (Heterophorie) vor, das nur zu Tage tritt, wenn die Fusion unterbrochen wird. Eine noch höhere Leistung als die Fusion stellt das räumliche Sehen, die Stereopsis, dar. Da beide Augen ja einen gewissen Abstand voneinander haben, erscheint jedem Auge ein anfixiertes Objekt in einem geringfügig anderen Blickwinkel, d.h. in jedem Auge entsteht ein etwas anderes Bild. Die Verschmelzung dieser beiden Bilder im Gehirn führt zum räumlichen Sehen. |
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