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Augapfel
  Der Augapfel (Bulbus oculi) liegt in der aus mehreren Knochen gebildeten Augenhöhle (Orbita), die die Form eines nach vorne offenen Trichters besitzt. Zwischen Augapfel und Knochen befindet sich von Bindegewebe durchzogenes Fettgewebe.
 
Am Augapfel setzen sechs äußere Augenmuskeln an, seitlich jeweils der innere und äußere gerade Muskel (Musculus rectus internus und Musculus rectus externus), sowie oben und unten der obere und untere gerade Muskel (Musculus rectus superior und Musculus rectus inferior). Der obere schräge Muskel (Musculus obliquus superior) läuft über einen hakenförmigen Knochenvorsprung im inneren oberen Augenwinkel nach hinten. Unter dem Augapfel verläuft der untere schräge Muskel (Musculus obliquus inferior). Der Ursprung der Muskeln liegt in der Tiefe der Augenhöhle. Drei Nerven sind für die Versorgung dieser sechs Muskeln verantwortlich. Der äußere gerade Augenmuskel hat einen eigenen Nerven (Nervus abducens), ebenso wie der obere schräge Muskel (Nervus trochlearis); die anderen vier Muskeln haben einen gemeinsamen Nerven (Nervus oculomotorius).
 
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Die Augenmuskeln sind fest mit der äußeren bindegewebigen Hülle des Augapfels, der Lederhaut (Sklera), verwachsen. Durch die Lederhaut ziehen die Gefäße und Nerven zur Versorgung des Augapfels. Der Sehnerv (Nervus opticus) tritt hinten aus dem Augapfel durch die Lederhaut aus. Er besteht aus ca. 1,2 Millionen Nervenfasern mit einem Gesamtdurchmesser von ca. 1,5 Millimetern und ist von den Hirnhäuten umgeben. In ihm verlaufen zwei sehr kleine Blutgefäße, nämlich die Zentralarterie und die Zentralvene der Netzhaut (Arteria und Vena centralis retinae), die sich in der Netzhaut in Äste aufteilen und die Durchblutung der Netzhaut bis in die Randbereiche sicherstellen.
 
Im vorderen Abschnitt ist die Lederhaut von der Bindehaut (Conjunctiva) bedeckt, die sich auf die Innenseite der Lider und bis an den Rand der Hornhaut (Cornea) fortsetzt. In diesem Randbereich (Limbus) enden auch die Blutgefäße der Bindehaut; die Hornhaut selbst besitzt keine Gefäße. Sie ist klar und glatt und wie ein Uhrglas in die Lederhaut eingebettet. Ihre Oberfläche wird von einem fünf- bis siebenschichtigen Zellverband (Epithel) bedeckt, der auf einer bindegewebigen Schicht (Stroma) sitzt. Auf der Innenseite schließt sich eine einschichtige Zellage (Endothel) an. Wenn man durch die Hornhaut in den Augapfel hineinblickt, sieht man die Regenbogenhaut (Iris), die mit ihrem Pigmentgehalt die Augenfarbe bestimmt. In der Regenbogenhaut liegen zwei Muskeln. Ein Muskel dient zur Erweiterung der Pupille (Musculus dilatator pupillae), durch den anderen Muskel (Musculus sphincter pupillae) erfolgt eine Verengung der Pupille bei Lichteinfall. Der Bereich zwischen Hornhautrückfläche und Regenbogenhaut wird Vorderkammer genannt. Die Vorderkammer des Auges ist mit Kammerwasser gefüllt, ebenso wie die Hinterkammer, die zwischen der Rückfläche der Regenbogenhaut und der Augenlinse liegt. Die Regenbogenhaut bildet in ihrem Randbereich zusammen mit der Übergangszone zwischen Hornhaut und Lederhaut einen spitzen Winkel, den sogenannten Kammerwinkel. Dieser Kammerwinkel ist von einem bindegewebigen Maschenwerk (Trabekelwerk) überspannt. Je tiefer man in den Kammerwinkel kommt, desto kleiner werden die Poren dieses Maschenwerks. In der Tiefe findet sich der Abflußkanal (Schlemmscher Kanal) für das Kammerwasser mit einem Durchmesser von 0,37 Millimeter, der über kleinere Kanäle in die äußeren Venen des Augapfels mündet. Unmittelbar hinter der Regenbogenhaut liegt die klare Augenlinse (Lens). Sie ist von einer bindegewebigen Kapsel umhüllt, darunter liegt die faserige Rinde, die den Linsenkern umgibt. Zellen unter der Vorderkapsel der Linse produzieren das ganze Leben lang neue Linsenfasern und verdicken so die Rinde der Linse. Gleichzeitig wird der Linsenkern durch Verlust von Wasser immer härter (Sklerosierung). Die Linse ist über einzelne Fasern (Zonulafasern) im Augapfel befestigt. Diese Fasern ziehen von der Linse zum Strahlenkörper (Ziliarkörper). Der Ziliarkörper besteht aus einem hinteren glatten Teil (Pars plana) und einem vorderen faltigen Teil (Pars plicata). In diesem vorderen Teil, in dem auch die Fasern der Linse enden, liegt ein Muskel (Musculus ciliaris), dessen Anspannung oder Erschlaffung über den Aufhängeapparat der Linse die Linsenform verändert und damit ein scharfes Sehen in verschiedenen Entfernungen ermöglicht. Der Ziliarkörper ist auch der Ort der Kammerwasserproduktion. Nach vorne setzt sich der Ziliarkörper in die Regenbogenhaut und nach hinten in die Aderhaut fort. Alle drei Strukturen zusammen werden Gefäßhaut (Uvea) genannt.
 
Die Aderhaut (Chorioidea) ist ein Netzwerk aus Blutgefäßen, die der Lederhaut von innen aufliegt. Sie versorgt Teile der angrenzenden Netzhaut. Die Netzhaut (Retina) kleidet das Augeninnere wie eine Tapete aus. Sie ist der Teil des Auges, mit dem wir das Licht wahrnehmen. Die Netzhaut ist aus mehreren Zellschichten aufgebaut. Diese Schichten müssen von einfallendem Licht zuerst durchdrungen werden, ehe die lichtempfindlichen Zellen, die Sinneszellen (Rezeptoren), erreicht werden. Es gibt zwei verschiedene Arten von Sinneszellen in der Netzhaut. Die Zapfen ermöglichen das scharfe Sehen bei Tag und das Farbensehen, die Stäbchen dienen dem Sehen in der Dämmerung und in der Dunkelheit. Diese Sinneszellen setzen den Lichtreiz in elektrische Signale um, die über weitere Zellen an die Nervenzellen der Netzhaut, die Ganglienzellen, weitergeleitet werden. Diese Ganglienzellen bilden mit ihren Zellfortsätzen den Sehnerven (Nervus opticus). Der Übergang zwischen Netzhaut und Ziliarkörper wird Ora serrata genannt. 
 
In der Mitte der Netzhaut neben dem Sehnervenkopf (Papille) befindet sich die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea centralis), eingebettet in den gelben Fleck (Macula lutea). In der Fovea centralis befinden sich nur Zapfen. Je weiter eine Netzhautstelle vom Zentrum entfernt ist, desto weniger Zapfen und desto mehr Stäbchen enthält sie. In den Randbezirken der Netzhaut finden sich nur noch Stäbchen.
 
Zwischen Netzhaut und Aderhaut liegt noch eine weitere Zellschicht, das Pigmentepithel. Die Zellen des Pigmentepithels sind untereinander fest verbunden und umhüllen teilweise die Rezeptoren, ohne jedoch mit ihnen verwachsen zu sein. Zusammen mit der Aderhaut stellt das Pigmentepithel die Ernährung der Rezeptoren sicher.
 
Der Raum zwischen Linsenrückfläche, Ziliarkörper und Netzhaut wird von einer gallertigen Masse, dem Glaskörper (Corpus vitreum), ausgefüllt. Er enthält keine Blutgefäße und besteht zu 98 % aus Wasser. Seine Stabilität erhält er durch ein Gerüst aus großen Eiweißmolekülen (Kollagenfibrillen). Dazwischen finden sich weitere Riesenmoleküle (Hyaluronsäure), die das Wasser binden. Der Glaskörper liegt der Netzhaut locker an; nur mit dem Sehnervenkopf und dem äußersten Netzhautrand ist er fest verbunden.
 
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Autor:
Prof. Dr. Dr. Wolfgang Wiegand
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