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Implantierbare Hörsysteme
  Mittelohrimplantate haben sich in der Rehabilitation der Schallempfindungsschwerhörigkeit in den letzen Jahren zunehmend etabliert. Sie sind eine wertvolle  Ergänzung zu konventionellen Hörgeräten in speziellen Fällen. Dies betrifft insbesondere Patienten mit einer Intoleranz gegen Fremdkörper im Gehörgang, Innenohrschwerhörigkeit im Hochtonsteilabfall und kombinierten Schwerhörigkeiten. Die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung der Asklepios Klinik Harburg unter dem Chefarzt Prof. Dr. med. Thomas Verse bietet seit Mitte 2008 die Implantation von Hörgeräte an. Prof. Dr. med. Th. Verse ist seit zwei Jahren Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung der Asklepios Klinik Harburg und verfügt über eine langjährige Erfahrung bei der Implantation von Hörgeräten. Nun ist es ihm und seinem Team gelungen, diese Techniken auch in Hamburg anbieten zu können.
 
Was sind implantierbare Hörgeräte?Implantierbare Hörgeräte sind Hörhilfen, die den ankommenden Schall verstärken und die verstärkten Schallschwingungen über einen ins Mittelohr implantierten vibrierenden Schallwandler auf die Gehörknöchelchenkette oder andere Mittelohrstrukturen weitergeben und den Schall auf diesem Weg ins Innenohr übertragen. Konventionelle Hörgeräte geben den verstärkten Schall über einen winzigen Lautsprecher direkt an die Luft im Gehörgang ab.
 
Auf dem europäischen Markt gibt es momentan zwei führende Anbieter von implantierbaren Hörgeräten. Die Firma MED-EL mit dem System Vibrant Soundbridge® und die Firma OTOlogics mit dem System Carina TM. Beide Systeme werden in der Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Asklepios Klinik Harburg implantiert.
 
Wie funktionieren implantierbare Hörgeräte?Das implantierbare Hörgerät der Firma MED-EL mit dem Namen Vibrant Soundbridge® besteht aus einem äußeren und inneren Teil (siehe Bild 1). Der äußere Teil ist der Audio Processor, der mit einem Magneten hinter dem Ohr unter den Haaren getragen wird. Er enthält das Mikrofon, die Batterie sowie die Elektronik zur Umwandlung des Umgebungsschalls in das Signal. Dieses Signal wird an den implantierbaren Teil des Vibrant Soundbridges® übertragen. Der implantierbare Teil der Vibrant Soundbridge® besteht aus der internen Spule, dem Magnet,  dem Leitungskabel und dem Floating Mass Transducer. Das Signal des Audio Processors wird durch die Haut zur internen Spule übertragen, die das Signal über das Leitungskabel zum Floating Mass Transducer weitergibt. Der Floating Mass Transducer ist an Mittelohrstrukturen befestig und wandelt das Signal in Schwingungen um. Diese Schwingungen werden an das Innenohr und dann an das Gehirn weitergegeben. Die Batterie befindet sich im äußeren Teil und muss wöchentlich ausgetauscht werden.


Bild 1 schematische Übersicht des implantierbaren Hörgerätes Vibrant Soundbridge® (mit freundlicher Genehmigung der Firma MED-EL Deutschland GmbH)
 
Bei dem System Carina TM der Firma OTOlogics entfällt der äußere Teil. Das gesamte Hörsystem wird vollständig unter der Haut und im Mittelohr implantiert. Somit ist das Hörgerät von außen nicht sichtbar und selbst beim Duschen und Schwimmen aktiv (siehe Bild 2). Eine Kapsel mit einem Mikrofon und anderen elektronischen Komponenten wird hinter dem Ohr unter die Haut implantiert (siehe Bild 3). Der Schall wird vom Mikrofon erfasst, verarbeitet und an einen in das Mittelohr implantierbaren Wandler weitergeleitet. Der Wandler verursacht eine Bewegung der Gehörknöchelchen im Mittelohr. Diese Schwingungen werden an das Innenohr und das Gehirn weitergeleitet. Zum Aufladen der Batterie des Hörgerätes wird ein Fernladegerät auf der Haut über der Implantationsstelle platziert. Die tägliche Akkuladezeit beträgt bei einer 14-16 stündigen Nutzung ca. 90  Minuten. Die Lebensdauer des Akkus wird mit > 12 Jahren vom Hersteller angegeben. Anschließend muss es durch eine operative Maßnahme gewechselt werden. Zum Ein- und Ausstellen des Hörgerätes wird eine Fernbedienung verwendet.


Bild 2Patient mit vollständig implantierbaren Hörgerät CARINA TM der Firma Otologics rechts.(mit freundlicher Genehmigung des Patienten)  
 
 
Bild 3
schematische Übersicht des vollständig implantierbaren Hörgerät CARINA TM(mit freundlicher Genehmigung der Firma OTOlogics) Für wen sind implantierbare Hörsysteme geeignet?Implantierbare Hörgeräte sind für Erwachsene ab achtzehn Jahren, bei denen eine leichte bis starke Schallempfindungs- oder Schalleitungsschwerhörigkeit beider Ohren diagnostiziert wurde. Sie sind für Personen vorgesehen, die entweder keine Hörgeräte tragen können oder mit diesen nur eine unzureichende Hörleistung erzielen und deshalb nach Alternativen suchen. Beiden Systemen ist gemeinsam, dass es sich um einen sogenannten „offenen Versorgungstyp“ handelt, d.h. der äußere Gehörgang ist komplett frei. Somit sind sie besonders für Personen mit chronischen Entzündungen oder operativer Veränderung des äußeren Gehörgangs geeignet.
 
Wie ist der Ablauf, wenn ich mich für ein implantierbares Hörgerät interessiere?Personen, die sich für ein implantierbares Hörgerät interessieren, werden gebeten, sich in der Ambulanz der Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde nach Terminvereinbarung unter 040-1818-86-2056 vorzustellen. Es werden dort eine Reihe von audiologischen Tests und ärztlichen Untersuchungen vorgenommen, um sicherzustellen, dass ein implantierbares Hörsystem die ideale Hörhilfe ist. Die Implantation des Hörsystems wird unter Vollnarkose oder lokaler Anästhesie durchgeführt und dauert ca. zwei Stunden. Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. drei bis vier Tage. Die benötigte Zeit zum Ausheilen des Implantatbereiches und des Mittelohrs ist unterschiedlich. Nach ca. sieben Tagen kann meist der gewohnten Tätigkeit wieder nachgegangen werden. Zirka zwei Monate nach der Operation wird das implantierbare Hörsystem individuell angepasst und aktiviert.  
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