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31. März 2005
  Hohe Auszeichnung für Gefäßexperten des AK Harburg
Ein Stent, der Leben retten kann

Wenn wichtige Blutgefäße verstopfen, ist der Mensch in Lebensgefahr: Arteriosklerose entsteht schleichend,  über viele Jahre hinweg. Die Gefäßwände lagern Fett ein, verkalken, versteifen und verengen sich. Einem Experten für Gefäßchirurgie aus dem AK Harburg wurde die höchste Auszeichnung für wissenschaftliche Leistungen zugesprochen, die die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie zu vergeben hat: Dr. Christian Wintzer vom Gefäßcentrum im AK Harburg erhielt den Karl-Kremer-Preis für seine experimentellen Arbeiten zur endovaskulären Versorgung des Aortenaneurysmas, die er in Kooperation mit der TU Harburg durchgeführt hat. Dr. Wintzer wies nach, dass neuartige „Stents“ Komplikationen nach einer Behandlung von kranken Bauchschlagadern verringern könnten.
 
„Das Aorten-Aneurysma ist eine Aussackung der Hauptschlagader, die infolge der Arteriosklerose, auftreten kann", so PD  Dr. Sebastian Debus, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie im Gefäßcentrum des AK Harburg: „Die dramatischste Komplikation aneurysmatischer Gefäße ist die Ruptur, also der Einriss dieser Bauchschlagaderaussackung. Die Wand der Hauptschlagader dehnt sich und wird immer dünner, bis sie platzt. Dieses fulminante Ereignis wird nur in zehn bis 20 Prozent aller Fälle überlebt, da höchstens die Hälfte aller Patienten das Krankenhaus überhaupt erreicht und von diesen wiederum die Hälfte der Patienten trotz umgehender Notoperation und kontinuierlich verbesserter postoperativer Überwachung ihrem Leiden erliegen. Deshalb kommt der Forschung von Dr. Wintzer eine große Bedeutung zu.“ Heinz Steenbock, Sprecher des Krankenhausdirektoriums: „Ich gratuliere Herrn Dr. Wintzer und dem Gefäßcentrum zu diesem bundesweit beachteten Erfolg. Die Auszeichnung zeigt erneut, dass die Gefäßchirurgie zu den Kernkompetenzen des AK Harburg gehört. Ich danke der Behörde für Wissenschaft und Gesundheit, dass sie sich an der Finanzierung dieser Forschungen beteiligt hat.“
 
Das Auftreten von Bauchaortenaneurysmen nimmt ab dem 60. Lebensjahr zu und betrifft etwa acht Prozent der Bevölkerung. Bei jedem fünften Patienten liegt der Durchmesser des Aneurysmas über der kritischen Grenze von fünf Zentimetern. Das Standardverfahren stellt dann eine Gefäßprothesenimplantation über einen Bauchschnitt dar. Seit Anfang der 90-er Jahre wird auch eine ‚Stentprothese’ mit Kathetersystemen eingesetzt. „Ein weicher Kunststoffschlauch wird mit einem Metallstent über einen Katheter von der Beinschlagader aus in die Bauchaorta geschoben und dort entfaltet. Der Stent aus Metalldrahtgeflechtgitter soll die weiche Prothese an den Gefäßwänden verankern", so Dr. Wintzer: „Die Vorteile liegen in einer gravierenden Reduktion der körperlichen Belastung der häufig vorgeschädigten Patienten.“ Doch dabei können auch Probleme auftreten,  Leckagen, Druckerhöhungen im Aneurysma-Sack, Wandern der Stentprothese oder Materialdegenerationen. „In dem Kunststoffmaterial sind winzige Löcher, die  Flüssigkeiten hindurchlassen. Da das Blut gerinnt, ging man bisher davon aus, dass es die kleinen Poren an den Gefäßwänden verschließt. Aber dem ist nicht so", analysierte Dr. Wintzer.
 
Seine mit dem Karl-Kremer-Preis 2004 der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie ausgezeichnete Arbeit ‚Untersuchungen des Einflusses von Gerinnungsthrombus auf die Abdichtung von Stentprothesen nach EVAR’ konnte anhand von in vitro-Versuchen in der TU Harburg zeigen, dass, eine solche thrombotische Abdichtung von Stentprothesen nicht wie bisher angenommen komplett ist, sondern vielmehr eine Flüssigkeitsaustritt beobachtet werden kann. Gemeinsam mit einer Expertengruppe um Prof. Michael Morlock aus der Abteilung Biomechanik der TU Harburg kam Dr. Wintzer zu dem Schluss, dass die bekannten Stentprothesenfabrikate modifiziert werden sollten, um die Therapien noch erfolgreicher zu machen. „Man muss dazu Stentprothesen mit neuen Substanzen optimal abdichten.“
 
Das Gefäßcentrum im AK Harburg sorgt damit bundesweit für medizinischen Fortschritt:  Derzeit arbeitet Dr. Wintzer an der Entwicklung solcher High-Tech-Hilfen, die Behandlungen im Bauchraum wesentlich verbessern können.
 
 
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