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Krankheitsbilder

Post-Polio-Syndrom

Entstehung

Symptome

Diagnose

Therapie

Was Sie tun können

Überblick

 Bei etwa 60 Prozent der Patienten, die in der Kindheit eine Kinderlähmung (Poliomyelitis) erlitten haben, treten nach einer jahrzehntelangen stabilen Phase Symptome wie neue Lähmungen, abnorme Erschöpfung und Schmerzen auf. Heute gilt als gesichert, dass es sich um eine eigenständige Zweiterkrankung handelt. Es wird vermutet, dass es durch eine Überlastung zu einer Zerstörung der verbliebenen Nerv-Muskel-Verbindungen kommt.

Wie entsteht das Post-Polio-Syndrom? 

 Die Ursachen des Post-Polio-Syndroms sind nicht geklärt. Es werden verschiedene Mechanismen diskutiert, u.a. Immunprozesse und Alterungsvorgänge nach durchgemachter Kinderlähmung.  Als wahrscheinlichste Ursache gilt aber eine Überlastung und Zerstörung verbliebener Nerv-Muskel-Verbindungen.

Während der akuten Kinderlähmung zerstören Polio-Viren bestimmte Nervenzellen im Rückenmark, so genannte Motoneurone, die für die Weiterleitung von Signalen an die Skelettmuskelzellen zuständig sind. Die Lähmung geht zurück, wenn es gesunden Motoneuronen gelingt, die Aufgabe der abgestorbenen zu übernehmen. Im Verlauf dieses Prozesses sprossen sie aus, um mehr Muskelzellen zu versorgen. Mit der Zeit kommt es allerdings zu einer chronischen Überlastung mit der Folge, dass nicht mehr alle Muskelfasern Nervenimpulse erhalten.

Wie macht sich das Post-Polio-Syndrom bemerkbar?

 Die Symptome des Post-Polio-Syndroms sind vielgestaltig. Typische Symptome sind:

  • Müdigkeit und starke Ermüdbarkeit
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Schwäche in zuvor betroffenen oder nicht betroffenen Muskelgruppen
  • starke Kälteempfindlichkeit
  • neu auftretender Muskelschwund
  • Schwierigkeiten beim Schlucken

Als Folge der Beschwerden treten Probleme bei der Bewältigung des Alltags auf, z.B. beim Gehen, Treppen steigen, Ankleiden oder bei der Körperpflege.

Wie wird das Post-Polio-Syndrom erkannt?

 Spezifische Testverfahren, die das Vorliegen eines Post-Poliosyndroms beweisen oder ausschließen, gibt es nicht. Dazu kommt, dass es manchmal schwierig ist, eine früher durchgemachte Kinderlähmung eindeutig zu sichern. Grundlage der Diagnose ist in jedem Fall die Schilderung der Beschwerden und eine genaue körperliche Untersuchung durch den Arzt.

Ein Post-Polio gilt als gesichert, wenn

  • eine Kinderlähmung durchgemacht wurde, wobei mindestens an einer Extremität Folgen der Kinderlähmung bestehen, wie Muskelschwund und Ausfall von Reflexen.
  • neue Beschwerden auftreten, nachdem zuvor über mindestens 10 Jahre keine neuen Beschwerden zu verzeichnen waren.
  • andere Ursachen für die neuen Symptome ausgeschlossen werden können, z.B. Schlaf-Apnoe-Syndrom, Unterfunktion der Schilddrüse, Blutarmut oder eine Depression.
Wie wird das Post-Polio-Syndrom behandelt?

In erster Linie sollten betroffene Patienten vermeiden, gelähmte oder geschwächte Muskeln weiter übermäßig zu beanspruchen. Je nach Patient kann dies bedeuten:

  • regelmäßige Pausen einlegen und Erschöpfung vermeiden
  • belastende Tätigkeiten und Aktivitäten aufgeben oder umstellen
  • Rollstuhl oder orthopädische Hilfsmittel zumindest zeitweise benutzen.

 Krankengymnastik

Sie stellt eine tragende Säule im Gesamtbehandlungskonzept dar, u.a. mit:

  • langsam aufbauenden, nicht ermüdenden Muskelübungen
  • Massagen, Wärmeanwendungen, Strombehandlungen, Magnetfeldanwendungen
  • Bewegungsbädern

 Medikamente

In keiner aussagekräftigen Studie wurde bisher eine positive Wirkung von Medikamenten bei Post-Polio-Syndrom nachgewiesen. Dennoch wurden bei einzelnen Patienten Erfolge mit Medikamenten erzielt. Eingesetzt werden: L-Carnitin, Creatin, Cholinesterasehemmer, Antidepressiva, Dopaminagonisten.

Was Sie tun können
  • Wenn Sie früher eine Kinderlähmung durchgemacht haben: Denken Sie im Fall neu aufgetretener Beschwerden auch an das Post-Polio-Syndrom!
  • Nehmen Sie Informations- und Gesprächsangebote, ebenso wie Unterstützung bei emotionalen und psychosozialen Problemen in Anspruch.
  • Lernen Sie im Rahmen einer gezielten Rehabilitation Ihre eigenen Belastbarkeitsgrenzen kennen und erlernen Sie Strategien zur Vermeidung weiterer Überlastung.
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