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Klinische Psycho- und Soziotherapie Dieser Funktionsbereich ist spezialisiert für die psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung von Patienten mit Psychosen und psychosenahen Störungen. Psychotische Menschen haben große Schwierigkeiten dabei, einen stabilen und sicher empfundenen Bezug zu sich selbst und zu ihrer Umwelt herzustellen, weswegen sie sich oft stark zurückziehen oder Kontakte zumindest eingrenzen. Der Rückzug reicht oft bis in private und für andere nur sehr schwer verständliche innere Wirklichkeiten und Ideenwelten. In solchen privaten Ideenwelten treten die eigene Person und die äußere Welt in einer stark veränderten Wahrnehmung auf. Insbesondere die Nähe zu anderen Menschen führt zu Verunsicherung und einer gestörten Interpretation für 'innen' und 'aussen' und zu verschwimmenden Grenzen zwischen der eigenen Person und der äußeren Welt. Unsere Behandlungsangebote konzentrieren sich auf die Unterstützung der PatientInnen bei der Entwicklung ihrer Selbstwahrnehmung, der Regulierung von Nähe und Distanz, der Toleranz für eigene Gefühle und Affekte und der Handhabung sozialer Situationen. Neben verbalen Therapieformen in Form von Einzel- und Gruppengesprächen spielen averbale Therapieangebote und insbesondere soziotherapeutische Angebote eine große Rolle. Sie sind ein wichtiges Erfahrungsfeld, um Kontakt mit den eigenen Gefühlen und Sinnen alleine für sich wie auch in Gemeinschaft mit anderen Menschen auch schon dann aufzunehmen, wenn sich das noch nicht in Worte fassen lässt. In manchen Fällen wird die Methode des 'therapeutischen Spiegelbildes' angewandt, wobei Patient und Therapeut im Dialog miteinander malen. Auf beiden Stationen sind Materialien zur kreativen Gestaltung vorhanden, so dass die PatientInnen auch in ihren Zimmern gestalten können. Manchmal müssen innere Bilder erst dichtere Gestalt annehmen, bevor sich erkennen lässt, was damit ausgedrückt wird. Eine wichtige Rolle spielen regelmäßige Treffen der Patienten untereinander mit dem Pflege-personal, bei denen alle aktuellen Fragen des Zusammenlebens auf der Station und gemeinsame Aktivitäten Thema sind. Das Zusammenleben auf den Stationen weist eine Ähnlichkeit zu den Bildern auf: Im Erleben und Verhalten in der Gemeinschaft wird oft etwas deutlich und erfassbar, was erst lange danach bewusst und mit Worten mitteilbar wird. Wenn es um Ängste oder schwierige soziale Kontakte geht, wenden wir häufig verhaltens-modifizierende Trainingsmethoden an. Sind Ängste, Spannungszustände, Depressionen etc. sehr stark, kann es sinnvoll und auch für die Wirkung psychotherapeutischer Behandlungsformen wichtig sein, auf Medikamente zurückzugreifen. Wir informieren unsere PatientInnen ausgiebig über Wirkungen und Nebenwirkungen der empfohlenen Mittel. Auf jeder Station ist ein Sozialarbeiter tätig, der Beratungsgespräche, Erwachsenenpädagogik, sozialtherapeutische Gruppen sowie therapeutische Arbeits- und Schulversuche anbietet. In vielen Fällen ist es notwendig, die Familien und Angehörigen in die Behandlung mit einzubeziehen. Wir entscheiden zusammen mit den PatientInnen zu Beginn des Aufenthaltes, ob und zu welchem Zeitpunkt der laufenden Behandlung das ggfs. sinnvoll und nützlich ist. Neben den genannten Behandlungsformen und Behandlungsmethoden kommt eine Vielzahl beschäftigungs- und gestaltungstherapeutischer sowie körper- und physiotherapeutischer Verfahren zur Anwendung, was nach ausgiebiger Diagnostik zusammen mit den PatientInnen ausgewählt und organisiert wird. Für wen und unter welchen Umständen sind die Behandlungsangebote geeignet? Grundsätzlich wichtig sind das Interesse an psychotherapeutischer Arbeit und die Bereitschaft, sich an Absprachen und Vereinbarungen (sog. Rahmenbedingungen) zu halten, verabredete Termine einzuhalten, auf bestimmte Verhaltensweisen zu verzichten (Suchtmittelgebrauch, suizidales Verhalten) und - falls erforderlich - für notwendig erachtete Medikamente verlässlich und regelmäßig zu nehmen. Manchmal kann ein kurzer Aufenthalt hilfreich sein, wenn es darum geht, gemeinsam herauszufinden, ob eine psychotherapeutisch orientierte Behandlung nützlich sein kann. Viele PatientInnen werden uns aus ambulanter Behandlung mit ganz besonderen Zielsetzungen zugewiesen. Es kann dabei um Schwierigkeiten mit der Medikation gehen, um bestimmte soziale Fertigkeiten, um Ehe- und Partnerschaftsprobleme und um vieles mehr. In diesen Situationen, die für psychotische Menschen oft sehr belastend sein können, werden wir uns mit den Betroffenen wie auch mit den Zuweisern abstimmen, um möglichst rasch die Weiterführung der ambulanten Behandlung ermöglichen zu können. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Prophylaxe späterer psychotischer Störungsbilder bei jungen Menschen, bei denen Krankheitszeichen vorliegen, aber noch unspezifisch sind. In diesen Fällen hat es sich als wirksam erwiesen, dieser Entwicklung möglichst rasch mit einer Kombination intensiver psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlungsformen vorzubeugen. |