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TEUPITZ. Bei der Behandlung von Suchtkranken ist nicht immer ein Aufenthalt in einer Klinik nötig. Hilfreich kann auch das Leben in einer Gastfamilie sein, wie ein Beispiel aus dem Schenkenländchen zeigt. Vera Krüger* ist eine attraktive 52-jährige Frau mit einer gepflegten Frisur und modischer Kleidung. Die einstige Lehrerin wirkt ruhig. Sie spricht in gut ausformulierten und bildhaften Sätzen. Manchmal zögert sie und sucht nach einem passenden Wort. Sie sagt nichts Unüberlegtes. Auf den ersten Blick ist ihr nicht anzumerken, dass sie einen langen Leidensweg als Suchtkranke hinter sich hat. Mit Essstörungen und Alkohol geriet ihr Leben aus den Fugen. Dass sie nun wieder Halt gefunden hat, liegt an ihrem starken Willen, an Familie Walter* und einer Therapeutin im Asklepios-Fachklinikum in Teupitz. In der Teupitzer Klinik hat man viele Erfahrungen mit der Behandlung von Alkoholkranken. Die akuten Fälle landen auf der einen Station, auf der anderen folgt eine dreimonatige Rehabilitation: Gegenwärtig werden hier 29 Patienten betreut. "Es ist sehr schwer, mit der
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Sucht fertig zu werden und damit zu leben", sagt Oberärztin Ulrike Isensee. Wichtig sei, für jeden Patienten auch den richtigen Weg zu finden. Vera Krügers Probleme fingen vor 18 Jahren mit Esstö- rungen an. Später griff sie zum Alkohol und fügte sich Verletzungen zu. Irgendwann war der Ehemann weg und die Söhne gingen ihre eigenen Wege. Vera Krüger war allein und kam mit dem Leben nicht mehr klar. Sie mied andere Menschen, traute sich nicht mehr, Auto zu fahren, hatte kein Selbstbewusstsein. Es folgten zahlreiche Klinikaufenthalte und Therapien. Sie versuchte es auch mit einer Wohngemeinschaft und lebte in einem Haus, das Alkoholkranke betreut. Doch sie merkte, dass das alles nicht das Richtige für sie war. Und dann kam das Angebot, bei Roland und Sieglinde Walter* in einem Dorf im Schenkenländchen zu leben. Vera Krüger hat nicht lange überlegt: Von Anfang an war Sympathie da. Wir lagen auf einer Welle. Also probierte ich es." Sie packte ihre Sachen und zog ein. Die Walters hatten sich die Sache gut überlegt. Wir hatten uns bei dem Verein Profil in Königs-Wusterhausen
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über das betreute Leben in Gastfamilien informiert", sagt Roland Walter. "Wir wollten jemandem helfen." Wichtigste Voraussetzung war, dass der neue Bewohner nicht akut alkoholabhängig ist. Einfach war es trotzdem nicht für beide Seiten. "Ich musste mich erst wieder an Nähe gewöhnen", sagt Vera Krüger. "Es fiel mir schwer mich auf andere Menschen einzulassen und Vertrauen zu haben." Und die Gastfamilie musste erst probieren, wie mall miteinander sprechen kann, ohne sich zu verletzen. Roland Walter erinnert sich: "Manchmal wussten wir nicht, wann wir es akzeptieren mussten, wenn die Tür zu blieb. Ist das nun normal oder will sich da jemand zu sehr abschotten?" Darüber wurde dann auch in den Therapie- stunden bei Ulrike Isensee in der Klinik gesprochen. Roland Walter geht manchmal mit. Er hat zwar viel über die Krankheiten gelesen, aber er suchte auch die Meinung der Fachleute. Das Gefühl, wieder in den Alltag einer Familie integriert und aufgehoben zu sein, machte Vera Krüger mutiger und stärker. Sie fährt einmal die Woche zu einem Malzirkel nach Königs Wusterhausen, fährt wieder Auto und
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hat einen ehrenamtlichen Job in einer Schule übernommen. Sie fühlt sich ausgeglichener und genießt die Momente der Zufriedenheit. Bald werde sie auch die Kraft haben, mit ihren Söhnen über alles zu re- den, meint sie. Der Kontakt zu den Kindern ist wieder enger geworden. Große Pläne macht sie jedoch nicht. "Jeder Tag ist für mich eine Chance, die ich nutzen will", betont sie. Nur in kleinen Schritten zu denken sei für Suchtabhängige besonders wichtig, betont Oberärztin Ulrike Isensee. "Man muss auch Rückfälle akzeptieren und darf dann nicht an den Schuldgefühlen zerbrechen." Sie kann sich vorstellen, dass ein Aufenthalt in einer Gastfamilie auch für andere. Patienten eine gute Lösung ist. "Man muss nur immer sehen, für welchen Patienten das passend wäre", sagt sie. Für Vera Krüger war es der richtige Weg. "Da ist wieder ein kleines Licht im Leben", sagt sie. "Ein warmes Gefühl macht sich breit." step
* Namen geändert.
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