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03.07.2007 - Video-Kapselendoskopie in der Sächsischen Schweiz Klinik Sebnitz

Magenspiegelung und Darmspiegelung sind längst Routineuntersuchungen, doch in die vier bis fünf Meter Dünndarm zwischen Zwölffingerdarm und Dickdarm kann man nur mit sehr viel aufwändigeren Methoden vordringen. Dr. med. Hendrik Heise, Oberarzt an der Sächsischen Schweiz Klinik Sebnitz, zeigt das an einem Schaubild. Doch für ihn und seine Kollegen ist es trotzdem wichtig zu sehen, was dort vorgeht. Zum Beispiel, wenn ein Patient unter ungeklärtem Blutverlust leidet. Wie etwa Wolfram Z. Er ist einer der ersten Patienten, der an der Klinik mit der neuen Methode untersucht wird.
„Könne sie die Beine gleich mit rasieren?“, fragt er augenzwinkernd, während sein Brusthaar weichen muss. Acht Elektroden werden ihm nun an die Brust geklebt. Für ihn ist damit der unangenehme Teil der Untersuchung abgeschlossen, denn mit der Kapselendoskopie zeigt sich, welche Vorteile technischer Fortschritt auch für den Patienten bringen kann. Denn der muss in diesem Fall nur eine Kapsel schlucken und darf - ganz wichtig - nicht draufbeißen, denn die 500 Euro teure Hightechpille hat es in sich. „Sie hat die Größe einer Vitamintablette, aber beinhaltet eine Kamera, eine Lichtquelle, einen Sender und eine Batterie“, erklärt Dr. Heise. Ein Rekorder, den Wolfram Z. für die nächsten Stunden an der Taille tragen muss, zeichnet über die Elektroden auf, was das Gerät sendet. Ein zur Kontrolle per Kabel angeschlossener Minimonitor liefert sogar Livebilder und zeigt, dass die Kapsel bereits im Magen des Patienten gelandet ist. Der ist leer, denn Wolfram Z. hat sich an die Anweisungen gehalten und eine Zeit lang gefastet. Mehrere Stunden wird es nun dauern, bis die Kapsel den Magen-Darm-Trakt passiert hat. Danach beginnt die eigentliche Arbeit des Arztes, denn er muss  die zu einem Videofilm zusammengefügten Einzelbilder am Computer auswerten. „Das braucht viel Erfahrung und manchmal auch den Austausch mit Kollegen“, sagt Oberarzt Heise. Auch er muss sich fortbilden, wenn es um solche neuen Methoden geht. Deshalb stehen ihm anfangs noch zwei Vertreter der Herstellerfirma Olympus zur Seite. Mit den Aufnahmen eines anderen Patienten zeigt Dr. Heise, wie die Ergebnisse der Untersuchung dann letztendlich aussehen. Eine enge, gewundene Röhre ist zu sehen, durch die sich die Kapsel scheinbar endlos hindurchbewegt. Automatisch wird dabei die Beleuchtung gesteuert, so dass bei gleichmäßiger Helligkeit jede der kleinen Darmzoten und kleinste Äderchen sichtbar sind. Doch einige Stellen der Videoaufzeichnung wurden von dem Computerprogramm automatisch markiert. Kleine Löcher und beschädigte Gefäße sorgen hier für rote Einblutungen. Wertvolle Hinweise für die Ärzte, wenn es um die weitere Behandlung geht. Für Wolfram Z. heisst es deshalb warten, bis seine Ergebnisse vorliegen. „Es ist schon ein bissel was besonderes“, sagt er dazu, einen Blick in die eigenen Eingeweide werfen zu können. „Aber der Oberarzt ist auch jemand, der erklärt einem alles idiotensicher“, fügt er hinzu. Für ihn ist es wichtig, endlich Gewissheit zu haben, was ihm fehlt und wie die weitere Behandlung aussehen wird. Während er etwas liest oder sich die Füße vertritt, geht die Minikamera den Weg aller Nahrungsmittel. Wiederverwendbar ist die Kapsel allerdings nicht. „Da hätten die Patienten wohl auch was dagegen“, sagt Dr. Heise lachend. So endet die Reise durch den menschlichen Körper letztendlich ganz banal in der Toilettenschüssel.

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