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In Deutschland leiden etwa drei bis vier Millionen Frauen an Harninkontinenz.
Diese Beschwerden können die Lebensqalität der betroffenen Frauen erheblich einschränken.
Häufigkeit und Schweregrad von Urininkontinenz und Blasenbeschwerden zeigen eine ausgeprägte altersabhängige Zunahme. In einer immer älter werdenden Gesellschaft sind Urininkontinenz und Blasenbeschwerden ein wachsendes soziales Problem.
Unser Ziel ist es daher, den betroffenen Frauen eine umfassende Diagnostik, eine effektive Therapie und eine wirksame Langzeitprophylaxe anzubieten.
Es wird zwischen Fünf Arten der Urininkontinenz unterschieden:
:: Streßinkontinenz
Hierbei handelt es sich um einen unfreiwilligen Urinverlust bei körperlicher Belastung (z.B. beim Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen).
:: Urgeinkontinenz
Dies ist ein Harnverlust bei nicht unterdrückbarem Harndrang.
:: Reflexinkontinenz
Hier liegt ein Harnverlust infolge unwillkürlicher Detrusorkontraktion bei neurologischem Leiden vor.
:: Überlaufinkontinenz
Hierunter versteht man den Harnverlust bei überfüllter Blase infolge einer infravesikalen Obstruktion oder einer Detrusorschwäche oder beidem.
:: Extraurethrale Inkontinenz
Hier liegt ein Urinverlust bei Fisteln und Mißbildungen vor.
Schon diese verschiedenen Formen der Inkontinenz zeigen, daß am Anfang der urogynäkologischen Behandlung eine ausführliche Anamnese stehen muß. Nachdem hierdurch meist bereits eine diagnostische Zuordnung der Beschwerden möglich ist, schließt sich eine eingehende gynäkologische und klinische Untersuchung an. Hierzu gehört die Untersuchung des Urins, um einen Harnwegsinfekt auszuschließen, sowie die Ultraschalluntersuchungder Beckenorgane einschließlich der Blase. Wichtig ist auch die Kontrolle auf Restharn. Gelegentlich ist zur weiteren Abklärung der Beschwerden eine Spiegelung der Blase und der Harnröhre erforderlich.
Um die Diagnostik zu komplettieren haben wir in unserer Abteilung einen urodynamischen Meßplatz eingerichtet, mit dem es uns möglich ist, die Druckverhältnisse in Harnröhre und Blase darzustellen und aufzuzeichnen. Dies geschieht mit Hilfe eines kleinen Katheters, der während spezieller Tests an verscheidenen Stellen der Blase und Harnröhre diese Druckkurven aufzeichnet.
Nachdem alle Untersuchungen ausgewertet sind, findet ein ausführliches Gespräch mit der Patientin statt. Hierbei werden die Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt und ein spezieller Therapieplan für die Patientin erstellt.
Zur Behandlung der Urgeinkontinenz ist oftmals ein gezieltes Training des Wasserlassens mit Übungen und einem Tagebuch erforderlich. Zusätzlich kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz.
Bei der Streßinkontinenz stehen vor allem solche Behandlungsansätze im Mittelpunkt, die die Muskulatur von Beckenboden und Schließmuskel stärken. Am bekanntesten ist hier das Beckenbodentraining. Um die speziellen Übungen der Beckenbodengymnastik zu erlernen, und damit die Haltemuskulatur des Beckens zu kräftigen, werden in unserer physiotherapeutischen Abteilung sowohl Gruppenkurse als auch Einzelbehandlungen durch speziell hierfür ausgebildete Krankengymnastinnen angeboten. Zusätzlich ist jedoch ein regelmäßiges eigenes Training erforderlich, welches durch die Aushändigung schriftlicher Anleitungen erleichtert werden soll.
Mit dem Biofeedback ist es möglich, die eigenen Körperfunktionen, wie das bewußte Anspannen des Beckenbodens bzw. des Schließmuskels, besser wahrzunehmen. Durch einen Druckfühler, der in die Scheide eingelegt wird und mit einem ekektrischen Sensor verbunden ist, wird jede Druckschwankung in der Scheide als Licht- und/oder Tonsignal angezeigt.
Mit der Elektrostimulation werden die Beckenboden- und Schließmuskulatur gezielt gereizt und so der Verschlußmechanismus gestärkt. Wenn diese Trainingsmethoden von der Patientin gewünscht oder aufgrund einer unzureichenden Wahrnehmung des Beckenbodens erforderlich sind, so können die entsprechenden Hilfsmittel durch uns beantragt werden. Anschließend findet eine eingehende Schulung im Umgang mit diesen Geräten durch eine Fachkraft statt.
Auch mit Vaginalkugeln und Konen, die unterschiedliche Gewichte aufweisen, kann der Beckenboden trainiert werden. Wichtig ist es, für jede Patientin individuell die geeignete Trainingsmethode auszuwählen.
Durch Pessare, die von der Patientin selbst morgens unter Applikation von Östriolcreme eingeführt und abends entfernt werden, ist eine effektive Soforthilfe bei Streßinkontinenz möglich. Die Anpassung des Pessars und Anleitung zum Einführen und Entfernen erfolgt ebenfalls in unserer Sprechstunde. Die Pessartherapie wird so lange fortgesetzt, bis sich entweder die Beschwerden durch andere Therapiemaßnahmen gebessert haben, oder bis eine operative Therapie von der Patientin gewünscht wird. Gleichzeitig sind die Pessare auch zur Vorbereitung der Scheide auf eine Operation hilfreich und sollten immer in die operative Vorbehandlung mit einbezogen werden.
Eine Operation kommt erst in Frage, wenn alle anderen Ansätze nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, oder wenn von vornherein klar ist, daß nur auf diesem Wege eine deutliche Besserung der Beschwerden erreicht werden kann. In unserer Klinik werden mehrere verschiedene Operationsverfahren durchgeführt, die bei einer Streßinkontinenz gezielt für Abhilfe sorgen und die ursprüngliche Funktion des Beckenbodens wiederherstellen. Auch das TVT, bei dem durch einen kleinen Eingriff ohne Bauchschnitt mit Hilfe eines Bandes die Kontinenz wieder hergestellt wird, zählt zu einer der gängigen Operationsmethoden, die durch uns vorgenommen werden.
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