Ergotherapie
Allgemeine Ziele der Ergotherapie sind die (Wieder-) Gewinnung, die Förderung und Erhaltung der Hand-lungsfähigkeit der Patienten, verlorengegangene Kompetenzen können wiederhergestellt werden, Res-sourcen entdeckt, bzw. ausgebaut werden. Dadurch können Patienten im Alltag, in der Selbstversorgung, im Beruf und in der Freizeitgestaltung ein größtmögliches Maß an Selbständigkeit und Unabhängigkeit erreichen.
In der Ergotherapie kommen handwerkliche/gestalterische Techniken, kognitiver Trainingsverfahren, lebenspraktische Aufgaben, kommunikationsfördernde und wahrnehmungsfördernde Maßnahmen zur Anwendung. Sie versteht sich als eine ganzheitlich ausgerichtete Behandlung, die psychologische, päda-gogische und soziale Aspekte einbezieht. Ergotherapeutinnen der Klinik arbeiten patientenzentriert. Das heißt, die Therapeutin erarbeitet bei der Befunderhebung gemeinsam mit den Patienten ihre indivi-duellen Ziele, die im Behandlungsverlauf erreicht werden sollen. Auch sind Reflexionsgespräche ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Indikation für Ergotherapie:
Folgende Krankheitsbilder nach ICD 10: F 00- F99: Psychische und Verhaltensstörungen wie zum Beispiel:
:: Depressionen
:: Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis
:: Suchterkrankungen ( wie z.B. Alkoholabhängigkeit )
:: Persönlichkeitsstörungen
:: Gerontopsychiatrische Erkrankungen
Mögliche Zielsetzungen der Ergotherapie:
Verbesserung und Stabilisierung von:
:: Handlungsplanung, Antrieb, Motivation, Belastbarkeit,
:: Ausdauer, Konzentrations- und Merkfähigkeit
:: Verbesserung eingeschränkter körperlicher Funktion wie Grob- und Feinmotorik, Koordination,
:: Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
:: Förderung und Stabilisierung der eigenständigen Lebensführung und der Grundarbeitsfähigkeit ( z.B.
Tagesstrukturierung erarbeiten )
:: Kennen lernen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse
:: Aufbau und Stabilisierung von Selbstvertrauen und Selbstsicherheit
:: Förderung der individuellen Ausdrucks- und Wahrnehmungsfähigkeit
:: Erlernung des Umgangs mit aggressiven Impulsen, Abbau von Ängsten und Spannungen
:: Verbesserung der Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit
:: Förderung der sozialen Kompetenzen
:: Förderung der realistischen Selbsteinschätzung
:: Entwicklung bzw. Wiedergewinnung von sinnvoller Freizeitgestaltung
Ergotherapeutische Methoden die zur Anwendung kommen:
:: Kompetenzzentrierte Methode:
Hierbei werden handwerkliche Techniken oder Übungen aus dem lebenspraktischen Bereich genutzt,
um verlorengegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten im affektiven, kognitiven und sensomotorisch-
en Bereich zu fördern.
Indikation: Diese Methode eignet sich, auch in der akuten Phase der Erkrankung, für alle Diagnosegrup-
pen. Sie kommt zur Anwendung wenn Patienten über eingeschränkte Handlungskompetenzen verfügen
und ist Basismethode wenn eine berufliche Wiedereingliederung geplant wird.
:: Ausdruckszentrierte Methode
Innerhalb dieser Methode wird ein Material, eine Geschichte, Bilder o.ä. in kreativ- gestalterischer Weise
eingesetzt. Das jeweilige Medium dient als Ausdrucksmöglichkeit, als Mittel zur Selbstdarstellung und
als Hilfe zur Kommunikation sowie der Förderung der emotionalen Erlebnisfähigkeit.
Indikation: Sinnvoll bei Patienten mit neurotischen, belastungs- und somatoformen Störungen, Persön-
lichkeits- und Verhaltensstörungen, Entwicklungsstörungen und Suchterkrankungen
:: Interaktionelle Methode
Der gruppendynamische Prozess, die Auseinandersetzung in der Gruppe, das Miteinander stehen hier im
Vordergrund. Jeder kann nach eigenen Fähigkeiten einen Beitrag leisten.
Indikation: Diese Methode kann bei allen Diagnosegruppen in der postakuten Phase der Erkrankung
eingesetzt werden. Vielfältige Materialien und Medien kommen in der Behandlung zum Einsatz: z.B. Ton,
Holz, Speckstein, Papier und Pappe, Buchbinden, Seidenmalerei, Künstlerfarben, Märchen und moderne
Literatur etc.
In der Klinik werden zahlreiche ergotherapeutische Gruppen und Einzelbehandlungen durchgeführt. Diese therapeutischen Angebote sind speziell für die Patienten der jeweiligen Station konzipiert, entsprechend der Krankheitsbilder und der Behandlungsschwerpunkte: z.B. Keramikwerkstatt, Holzwerkstatt, plastisches Ge-stalten, Malgruppen, offenes Atelier, Projektgruppe, Kognitives Training.