|
Normalerweise sorgt der Unterdruck im Pleuraraum dafür, dass die elastische Lunge ausgedehnt bleibt. Reißen das Lungen- oder Rippenfell ein oder werden sie verletzt, strömt Luft aus der Lunge oder der Umgebung in den Spalt ein. Dabei hebt sich der dort herrschende Unterdruck auf oder es entsteht sogar ein Überdruck Als Folge fällt der betroffene Lungenflügel wie ein Luftballon in sich zusammen.
Spontanpneumothorax
Beim so genannten Spontanpneumothorax reißt das Lungenfell von alleine ein. Liegt keine erkennbare Ursache vor, spricht man von einem idiopathischen Spontanpneumothorax. Begünstigen Erkrankungen dessen Entstehung, spricht man von einem symptomatischen Spontanpneumothorax.
Idiopathischer Spontanpneumothorax
Heute weiß man, dass der Pneumothorax in den allermeisten Fällen durch kleine Bläschen entsteht, die an der Lungenoberfläche liegen und zerplatzen. Auslösend kann ein hoher Duck im Brustkorb sein, wie er etwa beim Pressen oder Husten vorkommt. Am häufigsten tritt ein Spontanpneumothorax jedoch in Ruhe auf.
Risikofaktoren
- Zigarettenrauchen begünstigt die Bildung der Bläschen, besonders in der Lungenspitze. Bei 1-12 Zigaretten pro Tag ist das Risiko eines Pneumothorax bei Männern siebenfach erhöht, bei mehr als 22 Zigaretten hundertfach. Ein Spontanpneumothorax tritt selten bei lebenslangen Nichtrauchern auf.
- männliches Geschlecht
- hoch gewachsener, sehr schlanker Körperbau
- großes Lungenvolumen
- Pneumothorax in der engeren Verwandtschaft
Symptomatischer Spontanpneumothorax
Prinzipiell kann ein Spontanpneumothorax als Komplikation oder "Symptom" nahezu aller Lungenerkrankungen auftreten, aber mehr als 50 Prozent der Fälle betreffen Patienten mit chronischer Verengung der Bronchien. Diese Patienten müssen Luft aus entfernt liegenden Atemwegen oder Hohlräumen heraus "pressen". Der dadurch entstehende höhere Druck in den Atemwegen begünstigt einen Pneumothorax. Je enger die Bronchien gestellt sind, desto wahrscheinlicher tritt ein Pneumothorax auf.
Weitere Ursachen
- entzündliche Prozesse, z.B. Tuberkulose, Mukoviszidose, Histiozytose X, Lungenentzündungen bei AIDS
- Umbauvorgänge, z.B. Narben, Lungenfibrose
- höhere mechanische Beanspruchung im Rahmen einer Lungenerkrankung
Pneumothorax infolge einer Verletzung
Meistens führen Verletzungen des Brustfells, etwa durch einen Messerstich, zum so genannten traumatischen Pneumothorax. Auch stumpfe Gewalteinwirkung ohne Verletzung des Brustfells, z.B. ein Autounfall mit Aufprall auf das Lenkrad, kann einen Pneumothorax verursachen, indem gebrochene Rippen die Pleura verletzen. Selten sind dagegen Einrisse von Bronchien oder der Luftröhre.
Pneumothorax durch ärztliche Maßnahmen
Hier entsteht der Pneumothorax infolge direkten Durchstechens des Brustfells. Er ist häufig Folge der Methode selbst und nicht eines ärztlichen Fehlers. Ein Durchstechen des Brustfells kann auftreten bei:
- der Punktion einer Flüssigkeitsansammlung im Pleuraraum mit einer Nadelspitze
- der Anlage eines Katheters in ein großes Blutgefäß hinter dem Schlüsselbein
- Probenentnahmen aus Krankheitsherden in der Lunge
- einer spezieller Technik zur Probenentnahme während einer Bronchoskopie
Gefährdet sind auch künstlich beatmete, lungenkranke Patienten, da die maschinelle Beatmung einen hohen Druck in den Atemwegen bewirkt. Bei einer Wiederbelebung mit Herzmassage kann es ebenfalls zu Verletzungen des Brustkorbs und zu Rippenbrüchen mit der Folge eines Pneumothorax kommen.
Spannungspneumothorax
Diese besondere und lebensbedrohliche Form des Pneumothorax kann bei allen genannten Ursachen des Pneumothorax vorkommen. Infolge eines Ventilmechanismus strömt zwar Luft bei Einatmen an der verletzten oder eingerissenen Stelle der Pleura in den Spalt ein; beim Ausatmen verschließt sich jedoch der Defekt und verhindert das Ausströmen der Luft. Als Folge vergrößert sich der Pneumothorax mit jedem Atemzug und der Druck im Pleuraraum steigt an. Der betroffene Lungenflügel fällt vollständig in sich zusammen, andere innere Organe können verdrängt und die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigt werden.
Menstruations-Pneumothorax
Er tritt bei jungen Frauen wiederkehrend im Zusammenhang mit der Menstruation auf. Ursache ist meist Gebärmutterschleimhaut, die außerhalb der Gebärmutter im Brustkorbbereich liegt (Endometriose). Selten liegt ein Wachstum von Muskelzellen in den Lymphbahnen und im Gewebe der Lunge zugrunde. Die Beschwerden werden dabei durch höhere Östrogenspiegel, z.B. im Verlauf des Menstruationszyklus, verstärkt.
|